Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1498454
ihre Beziehung 
und 
Römhild 
VDI] 
Uebar die Bronzen 
Peter 
ZU 
Vischer. 
653 
In ähnlicher Weise nun ist meiner Ansicht nach das besprochene Röm- 
bilde; Denkmal entstanden. Ein Produkt der Vischerlschen Giesshütte ist 
es höchst wahrscheinlich; dafür spricht der schon angedeutete Umstand, 
dass es schwer sein dürfte, zu jener Zeit eine andre technische Werkstatt 
nachzuweisen, in der dasselbe zu beschaffen gewesen wäre; darauf deuten 
ebenso die stylistischen Anklänge hin, die, in den untergeordneten Theilen 
des Denkmalcs, an die Einzelheiten des Sebaldusgrabes, mit dessen Beginn 
jenes gleichzeitig ist, wahrzunehmen sind. Ich glaube aber nicht, dass 
Peter Vischer das Modell zu dem Haupttheile des Denkmales, zu den 
Bildnissgestalten des fürstlichen Paares, selbst gefertigt hatte; wäre dies 
der Fall gewesen, so würde er, zumal bei einer so vorzüglich gediegenen 
Arbeit, gewiss seinen Namen nicht verschwiegen, würde er auch das Uebrige 
Ohne Zweifel mehr in Einklang damit gesetzt haben; abgesehen davon, 
dass gerade in den Hauptgestalten eine Verwandtschaft mit den stylistischen 
Elementen des Sebaldusgrabes nicht bemerklich ist, was bei der Gleich- 
zeitigkeit der Arbeiten nicht wohl hätte ausbleiben können, und dass die 
conventionelle Behandlung der beiden Thiere zu den Füssen der Haupt- 
Üguren, die ihnen doch einen etwas wunderlichen Charakter giebt, der 
ganzen Richtung P. Vischcfs nicht sonderlich entspricht. Ebenso kann 
ich darin aber auch keine Arbeit von V. Stoss erkennen; es hat, soweit 
mir dessen Werke bekannt sind, zu wenig überzeugende Anklänge an die 
Stylistischcn Eigenthümlichkeiten auch dieses Meisters, die sich doch, be- 
Sonders in seiner Gewandung, durchaus nicht verläugnen; und auch von 
V. Stoss, der mit dem Giesser an demselben Orte lebte, kann gewiss nicht 
vorausgesetzt werden, dass er das Modell nicht ganz gegeben, oder dass 
er Hinzufügungen, die nicht zum Vortheil desselben dienen, gestattet hätte. 
Ich muss im Gegentheil annehmen, dass das Modell zu den beiden Bild- 
Ilissgestalten von einem auswärtigen Bildner gefertigt und dem P. Vischer, 
als Vorstand seiner Hütte, zur Beschaffung des ganzen Denkmales geliefert 
worden sei. Wer jener fremde Meister gewesen, wage ich vor der Hand 
nicht zu bestimmen. Ich habe zuerst an den Würzburger Tilman Rie- 
menschneider gedacht, in dessen Leistungen sich wohl einige entspre- 
chende Elemente finden; aber auch er hat sich, meines Wissens, nicht zu 
einer solchen Freiheit und Reinheit entwickelt, wie an diesen Gestalten 
ersichtlich ist. Wir kennen also einstweilen den ursprünglichen Meister 
nicht. Dem Kunstwerthe des Werkes geschieht hiermit indess wahrlich 
kein Abbruch; finden wir doch in Deutschland aus jener Zeit so manch 
ein namenloses Bildwerk, das des höchsten Preises werth ist! kennen wir 
doch auch nicht einmal den Meister jener höchst vollendeten betenden 
Madonnenstatue, die gegenwärtig in der Nürnberger Kunstschule bewahrt 
wird und im Gypsabguss, in der vortrefflichen kleinen Copie von Alinger, 
bei allen Kunstfreunden verbreitet ist!  Das Modell des Hauptstückes 
also wurde meiner Ansicht nach dem P. Vischer geliefert, und man mag 
welchem P. Vischer auf ziemlich derbe Weise sein Befremden darüber ausspricht, 
dass man ihm die fertig gegossene Arbeit seit Jahr und Tag auf dem Halse lasse 
und sie weder abhole noch ihm Geld schicke, und in dem von irgend einer 
Persönlich künstlerischen Theilnahme für das Werk gar nichts durchklingt. 
Auch bei dem grossen Denkmal des Kurfürsten Johann Cicero in der Dom- 
kirche zu Berlin ist ein Verhälmiss der Art anzunehmen. Hierüber behalte ich 
mit den näheren Nachweis vor.
        

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