Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1498441
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Berichte und Kritiken 
gültige Element wieder aufnehmen und darin den angemessensten Boden 
für das classische Anforderniss der Zeit gewinnen, zu genügen gestrebt 
wird 1). In den späteren Werken endlich erblicken wir einen vollständig 
entwickelten Adel des Styles, welcher in so merkwürdiger Weise auf der 
Verbindung freier Classicität und ungebrochener heimischer Gefühlsweise 
beruht. 
Wie sehr ich indess Peter Vischer's künstlerische Selbständigkeit 
zu vertreten geneigt bin, so verkenne ich dabei doch keinesweges die 
handwerkliche Seite seines Betriebes. Es liegt auf der Hand, dass 
seine, schon von den Vorfahren her bestehende und gesuchte Giesshüttc 
sich zunächst als solche erhalten musste, dass Fälle genug eintreten konn- 
ten, wo man doch Anforderungen von mehr handwerklicher Natur an ihn 
stellte, dass man ihm Entwürfe, Modelle und dergl. brachte und dann  
nicht von ihm persönlich, dem erlindenden Künstler,  sondern von dem 
Meister der Giesshütte die Herstellung derselben in Metall forderte. WVie 
leicht denkbar z. B. ist es, dass ihm für Bildnissdarstellungen auswärtiger, 
entfernt wohnender Personen (etwa für deren Denkmal) das Bildniss in 
der Zeichnung oder im ausgeführten Modell, geliefert und ihm allenfalls 
nur überlassen wurde, das erforderliche dekorative Arrangement beschaffen 
zu lassen! Mochte nun durch ihn selbst oder durch die Gehülfen in sei- 
ner Hütte des Eigenen zur vollendeten Einrichtung des Werkes weniger 
oder mehr hinzugefügt sein, so entstanden in solcher Weise wohl Werke, 
die es sich nicht ziemte mit dem Namen oder dem Monogramm des Meisters 
der Hütte zu versehen; und so in der That denke ich mir den Ursprung 
jener Werke, die man sonst wohl der Vischerlschen Werkstatt zuschreibt. 
Von dem Grabdenkmal des Bischofes Georg II. im Bamberger Dome, das 
die Reliefligur des geistlichen Herrn enthält, wissen wir urkundlich, 
dass dasselbe durch P. Vischer geliefert wurde, indem ihm um die Zeit 
von 1505-1506 die Zahlung zu Theil ward; aber eben so urkundlich 
wissen wir, dass die Zeichnung dazu von dem.Bamberger Maler Wolf- 
gang Katzheimer herrührte. (Vergl. Heller, Beschreibung der bischöf- 
lichen Grabdenkmäler in der Domkirche zu Bamberg, S. 32.) Und der 
Meister hat es nicht für thunlich gehalten, seinen Namen oder sein Zeichen 
darauf anzubringen 2). 
1) Vergl. darüber meinen Aufsatz im Museum, 1837. N0. 5. (K1. Sohn, I, 
S. 455, f.)  Heidelolf hat in seiner Ornamentik des Mittelalters einen älte- 
ren, dem V_. Stoss zugeschriebenen Riss zum Sebaldusgrabe beigebracht. Dieser 
beweist aber für P. Vischefs Abhängigkeit von ihm gar nichts, da das ausge- 
führte Sebaldusgrab des letzteren eben ein ganz andres Werk ist. 
2) Aehnlich erscheint auch das Verhältniss bei Beschaffung der Bronzetafel, 
welche sich im Dom zu Schwerin, an der Rückwand des Altares, befindet und 
das Epitaphium der im J. 1524 verstorbenen Herzogin Helene bildet, übrigens 
aber nur Wappen und Inschrift nebst architektonischer und dekorativer Umgebung 
enthält. Lisch hat dieser! Arbeit im dritten Jahrgang der "Jahrbücher des Ver- 
eins für meklenburgische Geschichte und Alterthumskunde", Schwerin 1838, 
S. 159. erwähnt und durch Beibringung eines Briefes von Peter Vischer vom 
J. 1523! ziemlich ausser Zweifel gestellt, dass sie von diesem geliefert wurde. 
Aber er selbst bemerkt, dass trotz der Vollkommenheit des Gusses die Model- 
lirnng in manchen Theilen minder edel sei als sonst bei P. Vischer's Werken 
und dass auch Künstler, die das Werk besichtigt, die strenge Reinheit seines Styles 
nicht überall darin wieder gefunden hätten. Dem entspricht zugleich die ganze 
Fassung jenes, an den Herzog Heinrich von Mecklenburg gerichteten Briefes, in
        

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