Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1492443
folger, zunächst der Herzog von Orleans (Regent während der Minderjäh- 
rigkeit Ludwigs  dann die beiden folgenden Könige. Auch in Eng- 
land war man in dieser Periode nicht müssig; doch betrachtete man die 
Kunstwerke mehr nur als_ Dekoration für die Schlösser, als dass man sie 
um ihres selbständigen Werthes willen gesammelt hätte. Nun aber brach 
der Sturm der französischen Revolution los, und was an den Besitzthiimern 
der Grossen durch dieselben nicht vernichtet ward, kam auf den Markt 
und ging nach England; so die berühmte Galerie Orleans, sn nnzähliges 
Andre. Von dieser Zeit beginnt die erhöhte Kunstliebe von Seiten der 
Engländer, und fast überall hat das Trefflichste, was käuflich wurde, 
dort seine Heimat gefunden. Wiederum Jedoch wusste sich Frankreich für 
solche Verluste schadlos zu halten, indem es, wie einst die Römer, aus 
der Beute aller besiegten Länder. das Herrlichste an Werken der Kunst in 
Paris zusammenhäufte. Mit Napoleons Sturz musste zwar das Wichtigste 
zurückgegeben werden; doch ist auch so noch Paris im Besitz höchst um- 
fassender Schätze geblieben.  Hr. Waagen geht auf alle diese einzelnen 
Umstände näher ein und giebt durch Auszüge aus den Verzeichnissen der 
vorzüglichsten Sammlungen, die im Laufe der Zeit entstanden waren, eine 
nähere Anschauung des Einzelnen. 
Unter den eigentlichen Knnstberichten seines Werkes sind Zunächst 
die über Gegenstände des Alterthums hervorzuheben. Der ganze Reich- 
thum der Antikensammlirngen im Museum von Paris, die Schätze des brit- 
tischcn Museums, die mannigfachen Werke alter Kunst, die in den Palästen 
und Schlössern der englischen Grosscn zerstreut sind, werden unsern Augen 
vorübergeführt. Mehr oder weniger ausführlich, mit besonnener künstleri- 
scher Kritik, geht der Verfasser auf alles Einzelne ein und stellt dessen 
Bedeutung für den Gang der kunsthistorischen Entwickelung fest. So viel 
ich zu urtheilen im Stande bin, sind wir dem Verfasser schon für diese 
Berichte zu sehr grossem Danke verplliclitet. Die neuere Zeit hat unge- 
mein wichtige Entdeckungen im Gebiete der alten Kunst veranlasst; ganze 
Reihen neuer Darstellungen, neuer Gegenstände sind uns entgegengetreten, 
und diesen hat sich die Forschung mit vorzüglicher Liebe zugewandt; 
dadurch aber ist im Fache der Archäologie ein, fast ausschliesslich gelehr- 
ter Standpunkt in den Vorgrund gerückt, und die einfach künstlerische. 
und darum doch eben die belohnendste und folgereichste Audassungsweise 
ist zuweilen wohl über die Gebühr vernachlässigt worden. Diese nun 
vertritt Herr Waagen, und gewiss mit grossem Glück; das Auge, das in 
den Werken der neueren Kunst die feineren Unterschiede und die Ent- 
wickelungsverhältnisse zwischen den verschiedenen Schulen, den einzelnen 
Meistern und den einzelnen Werken der letzteren zu verfolgen gewohnt 
war, betrachtet in ähnlicher Weise die Arbeiten antiker Kunst, wo solche 
Verhältnisse nicht in gleichem Maasse zu Tage zu liegen scheinen: so tre- 
ten auch hier für die Entwickelung und für den Bildungsgang manche 
Momente klar hervor, die von den Archäologen bisher nicht eben so an- 
schaulich dargestellt wurden.  Zuerst ist der Berichte über die einzelnen 
Werke ägyptischer Kunst, die sich in London und in Paris befinden. zu 
gedenken; die allgemeinen Stylgesetze werden ausführlich charakterisirt; 
die neuere Erklärung der Hieroglyphen giebt willkommene Gelegenheit, 
die Stylunterschiede historisch zu bestimmen. Im letzteren Bezugo ist 
besonders interessant, was über die Veränderungen in der späteren Zeit 
der selbständigen ägyptischen Kunst (nach Werken des Louvre) mitgctheilt
        

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