Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1498318
Zur 
Kunstgeschichte. 
deutschen 
Bremen 
639 
sechzehnten Jahrhunderts.  Blatt 6 enthält einen besonders wichtigen 
Beitrag für die Geschichte der deutschen Kunst: die. Darstellung eines Holz- 
schnitzwerkes von Albrecht Dürer, welches vor einigen Jahren auf dem 
Schlosse des Herrn v. Palm zu Mühlhausen am Neckar aufgefunden wurde. 
Der Gegenstand der Darstellung ist ein in mehreren Schalen übereinander, 
mit reich barocker Dekoration sich aufbauender Brunnen, auf dessen Gipfel 
die Figur eines Amor mit Pfeil und Bogen steht. Im Vorgrund sitzt auf 
der einen Seite ein ritterlicher Herr, die Geige spielend; ihm gegenüber 
und zu ihm hinblickend, eine üppig geschmückte Frau, die einen nackten 
Knaben vor sich hat. Hinter dem Brunnen, an seiner ersten grossen Schale, 
steht rechts ein Narr, mit der officiellen Kappe auf dem Kopf, der, wie 
es scheint, Lust hat emporzuklettern; rechts einer, vermuthlich ein Ge- 
lehrter, der eingeschlafen auf den Rand der Schale lehnt, während über 
ihm, auf einem dürren Weidenbaum, ein Bauer mit verbundenen Augen 
sitzt und nach der Schale hinuntertappt. Am Fuss des Brunnens ist 
Dürefs Monogramm und die Jahrzahllöll. Die Abbildung des Schnitz- 
Werkes ist. nach einer Zeichnung des Malers G. Kurtz, von dem Xylogra- 
phen G. Deis ganz im Charakter der Dürerschen Holzschnitte gestochen. 
Soweit hienach irgend zu urtheilen ist, finde ich in dem ganzen Werke 
die Eigenthümlichkeit des grossen Meisters sehr entschieden ausgesprochen 
und sehe  so nöthig es überall sein wird, bei den ihm zugeschriebenen 
Schnitzwerken die grösste Vorsicht zu beobachten,  doch durchaus keinen 
Grund, die Aechtheit des Monogramms anzuzweifeln. Die Veröffentlichung 
des Blattes schliesst somit gewiss eine sehr dankenswerthe Bereicherung 
unsrer kunstgeschichtlichen Kunde ein. Der erklärende Text giebt dem 
Schnitzwerk den Titel des „Liebesbrunnens", der ohne Zweifel richtig ist, 
ohne doch zugleich zur Erklärung der einzelnen Gestalten das Genügende 
auszudrücken. Es ist ohne Zweifel eben ein Stückchen aus der phan- 
tastischen Romantik jener Zeit, der gelegentlich auch Meister Albrecht 
huldigte und deren unbefangene Plrläuterung noch nicht überall vorliegt. 
Bremen. 
Notizen 
Kunstgeschicbtliche 
VOm 
Juni 
Bremen besitzt eine Anzahl von kirchlich mittelalterlichen Gebäuden, 
die in mehrfacher Beziehung interessant sind und zu einigen eigenthüm- 
liehen Beobachtungen Gelegenheit geben. Vornehmlich lassen sie eine un- 
gemein lebhafte und auch im künstlerischen Sinne erfolgreiche Bauthätig- 
keit erkennen, welche hier in der letzten Zeit des sogenannten Uebcrgangs- 
Styles stattfand und sich, wie es scheint, in das zweite Viertel des drei- 
zehnten Jahrhunderts zusammendrängt. Sie zeigen dann, am Schlnsse des 
Mittelalters, ein nicht minder durchgehendes und allem Anscheine nach 
sich ebenfalls gleichzeitig äusserndes Bedürfniss nach einer Umwandlung 
der überkommenen kirchlichen Lokalitäten, das ohne Zweifel auf triftigen
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.