Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1498275
Metallene 
Grabplatten 
mit eiugegrabener Umrissdarstellung. 
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ehernen, welches sich zu Älter befindet, und wahrscheinlich von derselben 
Hand gefertigt. Nach der mir freundlichst mitgetheilten Zeichnung I) muss 
ich dies jedoch bezweifeln. Schon die ganze architektonische Umfassung, 
wie eben angedeutet, entspricht ungleich mehrjenen deutschen Denkmälern, 
wenn auch die Behandlung mehr nur den Charakter einer fast spielenden 
Wiederholung hat. So ist auch in der Linienführung der Gestalten, aller- 
dings neben einigen leisen Anklängen an das Conventionelle des Denk- 
lnales von Äker, und bei grosser Einfachheit doch eine ungleich freiere 
Grazie unverkennbar. Ich möchte hiernach annehmen, dass die Arbeit, 
wenn auch ebenfalls wohl von einem nationalen Künstler, doch unter Ein- 
Wirkung von Werken, wie jene deutsch-hanseatischen Metallplatten, und 
in Nachahmung derselben ausgeführt sei. Ihre Anfertigung würde dann 
freilich, da die letzteren der Zeit um die Mitte des vierzehnten Jahrhun- 
derts angehören, erst um einige Jahrzehnte nach dem Tode des Herrn Bir- 
ger anzunehmen sein. Dies würde aber auch um so weniger bedenklich 
erscheinen, als in der Inschrift des Denkmals eine Jahreszahl nicht befind- 
lich ist und die ausdrückliche Erwähnung der Kinder in derselben und 
deren Mitaufnahme in die bildliche Darstellung des Denkmals einen wesent- 
lichen Antheil an dessen Ausführung auch von ihrer Seite wohl annehmen 
lässt. Es darf, mit Bezug hierauf, hinzugefügt werden, dass die drei Söhne 
Birgers an derselben Stelle bestattet sein sollen und dass der jüngste von 
diesen, Israel, der 1363 starb, eine so bedeutende politische Rolle spielte, 
dass ihm nach König Magnus' Entsetzung im Jahre 1361 selbst die Krone 
angeboten wurde. Es konnte also hinlängliche Veranlassung zur späteren 
Ausführung des Denkmals vorhanden sein. 
In Finnland findet sich, nach Herrn Mandelgrenls Mittheilung. eine 
wiederum sehr bedeutende metallene Grabplatte in der Kirche zu Nausis, 
zwei Meilen von Abo, auf dem Grabe des heiligen Heinrich  Sie 
enthält das Bild des Gefeierten, eine grosse bischöfliche Gestalt, mit reicher 
Architektur und vielen kleinen figürlichen Darstellungen umgeben. Eine 
Abbildung bei Peringskjöld, Ulleroakerensia Upsalia nova. Nach der mir 
vorgelegten flüchtigen Skizze dürfte hier wieder eine Verwandtschaft mit 
den deutsch-hanseatischen Denkmälern zu mulhmaassen sein.  Auch des 
dänischen Denkmals zu Ringsted, welches Herr Lisch schon genannt 
hatte, gedenkt Herr Mandelgren und bemerkt dabei, dass Dänemark früher 
noch drei Denkmäler der Art besessen habe, diese aber zerstört worden 
seien 2). 
1) VergL die anliegende Abbildung  2) Nachträglich. Ueber die 
vortrefflichen Grabplattexi, welche sich im Dome zu Schwerin befinden (und 
ebenfalls "ein der liolzschnitt-Techrlik diametral entgegengesetztes Verfahren" 
bezeugen) hat W. Lübke im D. Knnstblatt 1852, N0. 35, einen ausführlichen 
kunstverständigen Bericht gegeben. Ebendaselbst, N0. 43, ist von Hrn. Lisch 
ein zweiter Aufsatz über die Angelegenheit derartiger Platten enthalten. Seine 
Ansicht ist darin der Hauptsache nach dieselbe geblieben; doch hat er sich zu- 
gleich das Verdienst erworben, durch Aufführung einer sehr grossen Zahl hieher 
gehöriger Kunstarbeiten weiterer Forschung die Wege vorbereitet zu haben. Die 
"vielen" Arbeiten in Stralsund reduciren sich dabei freilich ausser der von mir 
besprochenen Prachtplatte in der Nikolaikirche auf einige Metallstücke mit Wap- 
pen und Inschriften, welche nach seiner Angabe auf zwei Grabsteine, im Chore 
derselben Kirche, eingelassen Sind-
        

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