Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1498241
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Berichte und Kritiken. 
sehiedenheit von den schönen deutschen Arbeiten des vierzehnten Jahr- 
hunderts zu Lübeck, Stralsund und Thorn; vor der Hand möchte ich das 
Werk für die Arbeit eines Eingebornen halten.  Die Inschrift des Steins 
an der Vorderseite der Tumba ist ebenfalls eigenthümlich interessant, da 
Frau Ramborg hierin die Bitte wegen Schonung der Metallplatte ausspricht 
und die Rache Gottes über etwanige Frevler an ihrem Grabe anruft. Sie 
lautet: Ego Ranzburghis de Viilc, que hie occumbo, rogo nobilitatenz onmiunt 
discretorum, quatinus tabulam cupreavn super me positam neminem micchi 
desumere permittant. St" quis me mortuam spoliaverit, vindicet deus. Orale 
pro me.  In der neuerlich übertünchten Nische über der Turnba waren 
Wappen, Heiligeniiguren und Verzierungen gemalt, wovon eine in der 
Bibliothek zu Stockholm erhaltene ältere Zeichnung noch eine Anschauung 
giebt. Ueber der Nische endlich befindet sich noch eine grosse Steintafel 
mit einer Inschrift, in welcher Frau Ramborg im Jahre 1331 (also vier 
Jahre nach Anfertigung der Metallplatte) kund giebt, dass sie die Kirche 
aus Steinen habe neu bauen lassen und dass sie dieselbe mit Gütern be- 
schenkt habe, damit wöchentlich eine Messe für ihre Seele gelesen und 
während der Messe mit den Glocken geläutet werde. 
Das ebengenannte Denkmal ist nach Herr Mandelgrenls Angabe das 
einzige der Art, welches Schweden besitzt. Doch befindet sich im Dome 
von Upsala, in der Kapelle der hh. Nicolaus und Katharina, ein merk- 
würdiges Grabdenkmal von sehr ähnlicher Beschaffenheit, nur dass die 
gravirte Zeichnung nicht auf einer Metallplatte, sondern auf einer schwar- 
zen Marmorplatte von drei Zoll Dicke ausgeführt ist. Es ist das Monu- 
ment des Vaters der heiligen Brigitta, des Ritters und Richters (Lagmanns) 
Birger Persson, Ahnherr-n der Familie Brahe, der hier im J. 1328 bestat- 
tet wurde  und seiner zweiten Gemahlin, Frau Ingeborg, aus dem alten 
Königsgeschlechte des Landes. Beide Gatten sind nebeneinanderstehend, 
mit auf der Brust gefalteten Händen dargestellt; Herr Birger im Ketten- 
panzer, der als Haube auch den Kopf umhüllt, aber von den Händen zu- 
rückgeschlagen ist; über dem Panzer eine lange Tunika; llmgürtet mit dem 
Schlachtschwert und vor sich den kleinen Schild, auf dem zwei Flügel 
enthalten sind. Frau Ingeborg mit weitfaltigem ungegürtetem Obergewande, 
dessen Aermel bis auf den Boden niederhängen, durch die aber die Arme 
am Ellenbogen hindurchgesteckt sind, und mit zierlichem Kopftuch. Sie 
hat in üblicher Weise ein Hündchen zu den Füssen, während der Mann 
auf einem Löwen steht. Ueber ihnen wölben sich zierliche Spitzbögen, 
gekrönt mit 'l'abernakel-Architekturen und kleinen Figürchen, welche 
die Aufnahme der Seelen jener Beiden zu den Seligen darstellen. Diese 
Anordnung entspricht sehr entschieden der auf jenen deutschhanseatischen 
Prachtplatten in Metall. Dasselbe ist mit der Zeichnung der Seitenpfeiler 
der Fall, auf denen das architektonische Bogenwerk ruht. In diesen Pfei- 
lern sind Nischen, ebenfalls mit kleinen Figuren, enthalten, die aber hier 
nicht, wie gewöhnlich, Heilige, sondern auf der einen Seite die Söhne, auf 
der andern die Töchter des Paares, mit beigeschriebenen Namen, (unter 
den Töchtern die heilige Brigitta) darstellen. Die Umschrift lautet: Hie 
iacet nobilis miles dominus Birgerzts Petrz" jilitts, legzfe-r Uplandiaruvn. 
Orate pro nobis. Et ejus uwor donzina Ingiburgis, cum ßliis eorum. Quo- 
rum anime requiescant in pace. 
Eine Abbildung des Denkmals findet sich bei Peringskjiiltl, Monumcnta 
lllleräkercnsia- HCIT Mändclgren hält dasselbe für gleichzeitig mit dem
        

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