Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1498207
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Berichte 
und 
Kritiken. 
dem die Zwischenräume ebenso in derselben gleichen Fläche erhaben da- 
liegen. Natürlich zählt ein solches Teppichmuster mehr Vertiefungen als 
die Hauptdarstellung, und so mochte ein in künstlerischen Dingen uner- 
fahrenes und unklares Auge zu Voraussetzungen Anlass geben, die eben 
lediglich  in der Luft hängen. So fehlt denn auch für den gesammteni 
nach Hrn. Lisch's Behauptung so überaus gewichtigen Unterschied zwischen 
Messingschnitt und Kupferstich alles schärfere Kriterium. In Betreff des 
Materials hat er den Unterschied selbst schon sehr zweideutig gemacht, 
indem er sagt, dass das Metall seiner Kupferstich-Grabplatten zum guten 
Theil gleichfalls aus Messing bestehe; in Betreff der Technik verschwindet 
der wesentliche Unterschied dadurch von selbst, dass die Darstellungen in 
beiden Gattungen eben doch nur aus vertieften Umrissen bestehen, m85 
man dieselben als geschnitten, gestochen, gravirt oder eingegraben be- 
zeichnen. Das Lange und das Breite der Sache ist in der That nichts 
weiter, als dass, wie schon angedeutet, die sogenannten Messingschnitte 
die kunstreicheren, die sogenannten Kupferstiche die minder kunstreichen 
Arbeiten umfassen. Auch ihr gesammter Einfluss auf die Erfindungen der 
Druckkünste  abgesehen von dem positiven Nicht-Einfluss auf den Holz- 
schnitt  bleibt eine müssige Annahme. Wie nemlich die Grabtafeln im 
sogenannten Messingschnitt auf den Holzschnitt und in Folge dessen auf 
den Buchdruck, so sollen die Grabtafcln im sogenannten Kupferstich auf 
das, was unser heutiger Sprachgebrauch unter "Kupferstich" versteht, ge- 
führt haben. Jedenfalls lag aber für diesen letzteren Kunstzweig, wie all- 
gemein angenommen ist, die Vorbereitung in den kleinen Gravirungen und 
Niellen der Goldschmiedekunst und ähnlichen Tehniken ungleich näher, 
und bedurfte es der Einwirkung jener völlig unhandlichen Grabplatten in 
keiner Weise. Auch bestätigt es sich nicht immer, dass diese oder jene 
Kunsttechnik die oder die verwandte erzeugt haben müssen Da sind vor- 
erst die thatsächlichen Zwischen-Instanzen nachzuweisen. Die Welt geht 
nicht nach der 'I'heorie; sonst hätten z. B. die Etrusker ihre kleinen Me- 
tallgravirungen einfach abdrucken und dadurch ohne alles Weitere und in 
grösster Bequemlichkeit den Kupferstich erfinden müssen. 
Hr. Dr. Lisch bemerkt ferner, die Arbeiten des von ihm sogenannten 
Kupferstiches, und namentlich diejenigen, bei welchen die einzelnen Thcile 
der Darstellung aus einzelnen Metallplatten bestehen und solchergestalt in 
eine grosse steinerne Grabplatte eingelassen sind, seien in Norddeutschland 
sehr häufig; allein in den deutschen Ostseeländern finden sich deren mehr, 
als in England. Ich muss diese Behauptung in ihrer Allgemeinheit dahin- 
gestellt sein lassen. Doch kann ich in Betreff eines sehr ansehnlichen 
Theiles dieser Ostseeländer, in Betreff Pomrnerns,  und zwar nicht aus 
dunkelm "Entsinnen" (wie er mein unbefangenes Wvort zur Folie seines 
Selbsbewusstseins citirt), sondern auf Grund ziemlich genauer örtlicher 
Untersuchungen,  die Gegenbemerkung hinzufügen, dass ich dort kein 
Denkmal der Art vorgefunden habe, auch in Stralsund nicht, wo ich, 
wie aus meiner pommerschen Kunstgeschichte zu ersehen, nur die Pracht- 
Plätte des Sügenannten Messingschnittes in der Nikolaikirche aufzuführen 
weiss. Wenn also Hr. Dr. Lisch behauptet, dass in Stralsund deren viele 
vorhanden seien, so muss ich ihn vorerst um den genauen Nachweis des 
Einzelnen bitten. 
In Betreff bestimmter Einzelnachweisungen hat Hr. Lisch die schätz- 
baren NOÜZ?" Über die im DOme zu Schwerin vorhandenen Prachtplattßn
        

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