Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1492422
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und Kritiken. 
Berichte 
Kunstschäile, die das reiche England besitzt, gegeben war. Beide Werke 
behandeln einen grossen Theil der wichtigsten unter diesen Kunstschätzen. 
Doch dürfen wir desshalb Waagens Arbeit nicht überflüssig nennen, oder 
etwa wünschen, dass er über die von Passavant bereits besprochenen Ge- 
genstände möge kürzer hinwegegangen Sein; im Gegentheil ist es sehr er- 
freulich, dass wir über diese Gegenstände nunmehr Zwei, zu einem gründ- 
lichen Urtheil berufene Stimmen vernehmen können, auch wenn dieselben 
nicht überall auf gleiche Weise lauten. Waagen's ganze Auffassung und 
Behandlung ist eben eine andre, als die von Passavant, und die Verglei- 
chung Beider ist wohl geeignet, dem Leser eine selbständigem Anschauung 
zu bereiten, soweit eine solche überhaupt durch das geschriebene Wort 
vermittelt werden kann. Dann hatte Waagen Gelegenheit, seine Reise 
weiter auszudehnen als Sein Vorgänger, somit über manche Sammlungen, 
deren Anschauung dem letzteren nicht gestattet war, Bericht zu geben; 
vornehmlich ist es wichtig, dass er seinen Gesichtskreis nicht so eng be- 
schränkt, wie Passavant, der im Wesentlichen nur von Gemälden und 
Handzeichnungen spricht, und auch über die spätere Zeit, besonders über 
die Cabinetsbilder des siebzehnten Jahrhunderts, die geradehin einen der 
Glanzpunkte der englischen Kunstsammlungen ausmachen, nur einzelnß 
gelegelllliChe Andeutungen giebt. Im Gegentheil zieht Waagen Alles, was 
der bildenden Kunst, vom frühesten Alterthum bis in die jüngste Gegen- 
wart herab, angehört, in seinen Bereich und tritt uns somit in der grössten 
Vielseitigkeit der Anschauung und des Urtheils gegenüber.  Dasselbe gilt 
von dem dritten Theil seines Buches, der den besonderen Titel führt: 
"Kunstwerke und Künstler in Paris." Dieser Theil bildet durchaus eine 
neue Erscheinung im Gebiete der Kunstliteratur und füllt eine der empfind- 
lichsten Lücken aus; da es unsbisher aneiner umfassenden und gründ- 
lichen Charakteristik der ausgezeichneten Schätze, die in den Kunstsamm- 
lungen von Paris bewahrt werden, noch durchaus mangelte. Zwar werden 
hier im Wesentlichen nur die in den öffentlichen Sammlungen befindlichen 
Werke besprochen; doch enthalten diese für Paris bei Weitem das Wich- 
tigste, während in England die ungleich grössere Mehrzahl vorzüglicher 
Werke in den Privatsaminlungen aufgesucht werden muss. Zudem sind die 
merkwürdigsten Privatsammlungen von Paris bereits vor dem Dmck des 
WaagerfschenBuches aufgelöst wurden. 
In der äusseren Behandlung sind die Theile des Waagenschen Wer- 
kes, welche sich auf England beziehen, von dem, der es mit Parisizu thun 
hat, unterschieden, wie dies die Beschaffenheit des Stoffes mit sich bringen 
musste. "In den ersten Theilen musste über eine grosse Anzahl von ein- 
zelnen, zumeist zwar sehr werthvollen, doch nicht gerade sehr umfassenden 
Sammlungen Bericht erstattet werden. Das Ganze zerfallt hier somit in 
viele kleine Theile, die aber durch eine anmuthige Schilderung englischer 
Sitte und englischen Lebens und der Umgebungen des letzteren verbunden 
werden. Das Buch hat die Form vertraulicher Briefe, und wen den eigent- 
lichen Kern, die Kunstberichte, überschlagen wollte, wurde nnnn in jenen 
Schilderungen eine unterhaltende und belehrende Lectüre finden. Auf 
diese näher einzugehen, ist hier indess nicht der Ort; "nur mag bemerkt 
werden, dass auch in ihnen durchweg die feine, künstlerisch gebildete 
Auffassungsweise des Verfassers hervortritt. im dritten 'l'heil waren zwar 
ebenfalls verschiedene Sammlungen zu besprechen, die aber, als die Insti- 
tute Einer grossen Residenz, nicht durch Zufall, sondern nach wissenschaft-
        

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