Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1498179
Art. 
Specimens of ornamental 
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der Form, je nach den künstlerischen Epochen, welchen die Originale an- 
gehören. Das Werk enthält daher auch für die kunstgeschichtliche 
Betrachtung ein sehr schätzbares Material. 
Doch hat es der Herausgeber vermieden, das allzu Heterogene, das 
dieser Wechsel der künstlerischen Bchandlungsweise zur Folge haben 
könnte, nebeneinander zu stellen. Die dekorativen Compßsitißnön, die Sein 
Werk verführt, gehören sehr verschiedenen Zeiten an, aber sie haben in der 
Grund-Conception mehr oder weniger etwas GßlllfiillSamßß,  dllfßhgßhend 
eine gewisse Glassicität. Es sind fast ausschliesslich nur Darstellungen 
antiker Kunst oder solche, die dem italienischen Mittelalter oder der ita- 
lienischen Renaissance angehören. Nur ausnahmsweise kommen ein Paar 
Blätter nordischer Verzierungskunst vor (ein Paar Pßiizische Buchbinder- 
arbeiten, jetzt im Vatikan, und eine Holbeinische Zeichnung zu einem 
Prachtpocale); aber auch diese tragen entschieden wiederum den Stempel 
der sogenannt classischen Richtung. Auch die eben angedeuteten Darstel- 
lungen aus dem italienischen Mittelalter verleugnen jene Classicität keines- 
weges. Dies zeigt sich sowohl bei den musivischen Ornamenten römischer 
Basilikcn (aus S. Maria in Trastevere und S. Maria Maggiore, besonders 
aber aus S. Clemente und S. Giovanni in Laterano), als auch bei den 
gemalten Dekorationen gothischer Kirchen, wie S. Francesco in Assisi, 
S. Andrea in Vercelli, S. Anastasia in Verona, S. Francesco in Lodi.' Es 
ist bekannt, dass die Italiener auf kurze Frist wohl die allgemeinen For- 
men der dem Norden angehörigen gothischen Architektur nachzuahmen 
versucht hatten, im Detail aber von der ihnen angebornen mehr classischen 
Behandlung nicht sonderlich lassen konnten. 
Dies führt mich auf eine, zunächst beiläufige Bemerkung. Das deko- 
rative Element hängt bei diesen italienisch gothischen Gebäuden (zumal 
das durch Malerei hinzugefügte) mit der architektonischen Formenbildung 
nicht nothwendig zusammen, ist aus ihr nicht hervorgewachsen, läuft will- 
kürlich über sie hin. Was die Blätter des Grüner-sehen Werkes an sol- 
cher gemalten Ornamentik italienisch gothischer Gebäude geben, ist au 
sich zumeist überaus reiz- und geschmackvoll; aber es steht zu den Archi- 
tekturformen nur im Verhältniss eines Spieles. So ist es bei all den an- 
geführten Beispielen, wo man den Ernst des Ornamenles  als letzter 
Auflösung oder Aushauchung der architektonischen Bewegungen  vermisst, 
der Fall. Bei der farbigen Dekoration von S. Francesco zu Assisi, wo die 
Gewölbgurten eine völlig leblose und schwerfallige Form haben, gewinnt 
es, aller feinen Grazie des Einzelnen zum Trotz, sogar den Charakter eines 
halbbarbarischen Anfputzes i). 
Ich muss aber noch eine zweite Bemerkung hinzufügen, die freilich 
nicht sowohl dem Grunerschen Werke an sich, als vielmehr der ganzen 
Gattung, welcher dasselbe angehört, gilt und mit der ich es wage, mich 
selbst einer, vielleicht wenig günstigen Beurtheilung blosszustellen. Das 
Grunefsche Werk vermeidet, wie gesagt, die Zusammenstellung des allzu 
Heterogenen, befolgt durchgehend eine gewisse gemeinsame Grundrichtung. 
i) Ein allzu schneidender Beleg dafür, dass einzelne Beispiele der mittel- 
altarlichen Polychromatik (namentlich im Gothischen) noch wenig für das ganze 
System entscheiden und dass es sehr wesentlich darauf ankommen wird, das 
Verhältniss der füfbißßll Zuthßt 111 dem Grade der inneren architektonischen 
Durchbildung des betreßendeu Gebäudes vorerst festzustellen.
        

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