Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1498108
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Berichte 
und 
Kritiken. 
weil dies der Fall ist. Es ist höchstens, wie in so manchen Fällen auch 
ausserhalb des Mittelalters, die naive Unbekümmertheit um die Form 
der Darstellung, aber wahrlich nicht die positive Einwirkung der mangel- 
haften Form auf eine höhere Durchhilduug des geistigen Elementes. Wollte 
man an das, was der Verfasser, mit so geistvollen Wendungen, sagt, prak- 
tische Consequenzen knüpfen,  und man hätte das Recht dazu, wenn P1" 
Recht hätte,  so wäre es um die Kunst geschehen. 
Den Bemerkungen über Styl und Naturauffassung schliessen sich Be- 
trachtungen über die Gruppen-Anordnung der mittelalterlichen Kunst. und 
was damit in Verbindung steht, an. Auch hier Geistreiches in den Grund- 
ansichten, aber auch hier zu künstlich Gesuchtes, wo das Natürliche sich 
dem unbefangenen Beobachter von selbst ergiebt, und dadurch selbst, mei- 
ner Auffassung nach, manches Schiefe im vergleichenden oder selbständi- 
gen ästhetischen Urtheil. Der Raum des Kunstblattes verbietet mir, hierauf 
ausführlicher einzugehen; ich muss mich auf ein Paar Bemerkungen be- 
schränken. Der Verfasser bezeichnet es als eine besondre Eigenthümlich- 
keit der mittelalterlichen Kunst, dass in ihr, z. B. im Schmuck der Portale 
durch Sculptur, das architektonische Gesetz und das der Bildnerei zu 
Grunde liegende geistige Bedürfniss auf gleiche Weise zu der gruppen- 
mässigen Anordnung geführt hätten:  ich finde, dass dasselbe auch in 
der Antike der Fall war, und erinnere an die Giebel des Tempels von 
Aegina, an die des Parthenon, an die Niobidengruppe u. s. w. Dann findet 
er ein vorzügliches, ausführlich von ihm entwickeltes Verdienst in der 
Füllung des Spitzbogenfeldes der Kirchenportale durch Reliefs, in Reihen 
übereinander, was er zugleich als eine charakteristisch perspectivische Anord- 
nung bezeichnet:  für mein Gefühl ist diese Un-Perspective gedrängter 
Figurenreihen, eine über der andern, die in ihrer horizontalen Richtung zu 
den Spitzbogenlinien einen schneidenden Contrast bilden, eins der hässlich- 
sten Elemente der ganzen mittelalterlichen Kunst. Die Hauptsache ist, dass die 
reichere Gliederung des Raumes, besonders an und in der gothischen Kirche, 
das Gruppen-Element allerdings fördert und somit auf eine lebhaftere 
Gruppirung der Gedanken der künstlerischen Composition und auf ein 
Gegenüberstellen derselben in mehr oder weniger symbolisch bedeutsamer 
Abtheilung Einfluss hat, oder etwa der Neigung dazu mehr entgegen kommt; 
der Unterschied von den entsprechenden Verhältnissen der antiken Kunst 
erscheint mir, ähnlich wie ich es oben von der beiderseitigen Facaden- 
Anordnung andeuten musste, ungleich mehr quantitativer, als qualita- 
tiver Art.  
Ehe der Verfasser aber auf die eben angeführte Compositionsweise 
näher eingeht und ehe wir somit, ihm folgend, den künstlerischen Gewinn 
in dem Erreichten beurtheilen können, schaltet er noch eine Reihe sehr 
belehrender und ausführlicher Zwischenbemerkungen ein. Diese gelten 
den Darstellungsformen von speziell symbolischer Bedeutung; sie sind mit 
sorglicher Benutzung der darüber vorhandenen Materialien abgefasst und 
geben elne höchst sehätzbare Uebersicht über den Gegenstand, der für das 
VPrStäHdmSs der mittelalterlichen Kunst allerdings von wesentlicher Bedeu- 
tung ist. Es ind Bemerkungen über den Heiligenschein, über die gesammte 
Whiersymbolik, über die Darstellung der Personen der göttlichen Trinität, 
der heiligen Jungfrau, der Propheten und Apostel, der Engel und Teufel, 
über verschiedenartige Pcrsoniticationen u. s. w.
        

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