Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1498064
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und Kritiken. 
Berichte 
reichend erklärt scheint 1). Dann wäre über den etwanigen Zweck der nicht 
ganz selten vorkommenden geräumigeren Gallerieen über den Seitenschiifen 
und die, mit ihnen zumeist in Verbindung stehende Loge an der Westseite 
(deren der Verf. in diesem Bande noch gar nicht erwähnt) wohl noch 
mancher Aufschluss erwünscht. Qoauch darüber, dass in manchen roma- 
nischen Säulenbasiliken die Säulen der einen Seite eine reiche Dekoration 
haben, während die der andern, offenbar mit entschicdenster Absicht, ganz 
schmucklos gehalten sind.  Der Schluss des Kapitels über den romani- 
schen Styl ist ungemein schön. Mit dichterischer Energie, ganz aus der 
Sache heraus und ohne alles Nebenbezügliche, wird hier der Charakter des 
Stylcs zusammengefasst und dargelegt, wie der ganze Geist jener Zeit in 
ihm seine Verkörperung gewonnen hat. 
Vorzüglich meisterhaft aber ist das Kapitel, welches der eigentlichen 
Glanzerscheinung des Mittelalters, dem gothischen Baustyle, gewidmet 
ist. Der Verf. giebt seiner ausgesprochenen Vorliebe für das Mittelalter 
eben durch diese Behandlung selbst die befriedigendste Rechtfertigung. 
Wie der gothische Baustyl ein durchweg ästhetisch bedingter ist, so hat 
der Verf. überall die ästhetischen Grundsätze desselben darzulegen und 
von ihnen heraus die Formen und den Zusammenklang derselben, in Pfei- 
lerbildung, Bogen-, Fenster- und Wandgliedernng des Inneren, in der 
davon abhängigen, so ganz eigenthümlichen Gestaltung des Aeusseren, in 
seinen Dekorationen und Ornamenten aufs Klarste zu entwickeln gewusst. 
Nach so vielem Dilettantistischen, von den verschiedensten Standpunkten 
aus,', was die moderne Zeit über das gothische Bauwescn zu Tage gefördert 
hat, thut es ungemein wohl, hier die Sache nach dem ihr eigenen künst- 
lerischen Maassstabe gründlich bemessen zu sehen. Auch ist der Verfasser, 
bei aller Bewunderung des Styles, doch keinesweges so blind, dass er 
nicht auch den Uebelstand der "Zerklüftung" des Aeusseren, namentlich 
am Chore, wohin bei reichausgebildeten Gebäuden die einseitige Conse- 
quenz seines "organischen" Gefüges führen musste, nachwiesef (Ich wurde 
diesem unschönen Elemente auch noch die zweite Unschönheit, die freilich 
mehr willkürliche der Dekoration der Portalbögen, mit ihren sehr unbe- 
quem hängenden Figuren und Baldachinen, angereiht haben.) Ein Paar 
ästhetische Differenzen zwischen meiner Auffassung und der des Verfassers 
sind im Uebrigen so geringfügig, dass ich sie übergebe. Nur in Betreff 
des Profils der Gewölbgurte,  dessen Form ich für besonders wichtig 
halte,  bemerke ich, dass ich ein noch etwas schärferes ästhetisches Ein- 
gehen, namentlich auch bei den leisen Wandlungen dieser Form nach den 
Zeiten, gewünscht hätte.  Den beim gothischen Style angewandten Far- 
benschmuck scheint der Verfasser für eine wesentliche Neuerung, im Ge- 
gensatz zu den Dekorationen des romanischen Styles zu halten, was nach 
meiner vorstehend gegebenen Andeutung dem Sachverhalte nicht entspricht. 
Der Verfasser rechtfertigt das ganze Princip der energischen farbigen Zu- 
Ülah namentlich im Verhältniss der Architekturtheile zu der Buntfarbigkeit 
der Fenster (deren Princip an sich er wieder etwas zu gesucht zu ent- 
 Ich Will jungen Kuustgelehrten, die ihr Doctor-Exameu machen wollen 
und W989" der Wahl eines Themas zur Inaugural-Dissertation verlegen sind, das 
Kapitel W11 5911 Krypten frenndschaftliehst empfohlen haben. Es lassen sich 
bei dessen Behandlung ohne Zweifel die Specimina der elegantesten Gelehrsam- 
keit vorlegen-
        

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