Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1498037
 Geschichte 
der bildenden Künste. 
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kommen kann, zu derb zu sein und zu wenig zu geben, so darf auch die 
für den zweiten Standpunkt vorhandene Gefahr,  gelegentlich zu fein zu 
sein und zu viel zu geben,  nicht ausser Acht gelassen werden, 
Der vierte Band des Schnaastfschen Werkes ist, wie angegeben, dem 
eigentlichen Mittelalter gewidmet. Die vorliegende erste Abihßilullg hat 
es mit der Charakteristik der mittelalterlichen Kunst in ihren 
Grundzügen zu thun, indem die geschichtliche Durchführung des Einzel- 
nen, nach Gattungen und Ländern, einer späteren Fortsetzung vorbehal- 
ten bleibt. 
Ein einleiten der Abschnitt (von 114 Seiten) giebt ein allgemeines 
Bild der mittelalterlichen Lebensbedingungen. Der Verfasser hat schon in 
den früheren Bänden seine volle Meisterschaft in der Ausführung von cul- 
turgeschichtlichen Rundgemälden solcher Art dargethan. Die Resultate 
gelehrter Forschung bringt er in diesen Aufsätzen zur ilüssigst belebten 
Gestalt, die Zerstreutheit der einzelnen Theile zum innerlich bedingten, 
anschaulich klaren Ganzen. So vorzugsweise in der eben genannten Ein- 
leitung, die das ganze Planum vor uns aufrollt, auf welchem das Gebäude 
der mittelalterlichen Kunst, in seiner Grösse und seinen Eigenthümlich- 
keiten, emporwachsen sollte. Wir sehen aus dem (freilich widerspruch- 
vollen) Grundgedanken des Mittelalters, "das Reich Gottes sichtbar auf 
Erden herzustellen", aus dem Wachsen derselben in den Contlicten zwi- 
schen volksthümlichem Naturdasein, germanisch nationalem Streben, an- 
tiker Tradition und christlicher Offenbarung das Wesen der Gestaltungen 
in Kirche, Staat, Sitte, Wissenschaft und Volksglaubeu hervorgehen und 
zugleich das Bedürfniss zur thunlichen Realisirung jenes Grundgedankens 
durch die Schöpfungen der Kunst sich entwickeln. Wir sind aber auch 
auf dem Wege dahin mehrfach schon an den mannigfach eigenthümlichen 
Elementen vorübergeführt werden, welche dem künstlerischen Schaffen in 
Form und Gedanke ihr besondres Gepräge aufdrücken mussten. Ich könnte 
eine ausführliche Inhaltsangabe herschrciben und würde damit doch nur 
wenig Erschöpfendes über diesen gehaltreichen Aufsatz sagen. Ich weise 
den geneigten Leser einfach auf die Lectüre desselben hin.  
Jenem Grundgedanken des Mittelalters und seinen Widersprüchen 
analog mussten nothwendig die allgemeinen Lebensformen ungleich mehr 
als die individuellen Verhältnisse durchgebildet werden und dasselbe sich 
auch in der Kunst wiederholen. Die Kunst der Formen von allgemeiner 
Bedeutung, die Architektur, musste zunächst die begünstigte werden, die, 
im engeren Sinne sogenannte bildende Kunst in ihrer wahrhaften Ent- 
wickelung grossen Theils gehemmt bleiben. Der Verfasser, dies näher 
charakterisirend, wendet sich daher zunächst und vorzugsweise der Archi- 
tektur zu und widmet ihrer Betrachtung den grösseren Theil seines Buches 
(S. 117-334). Er weist es nach, wie und wesshalb dieselbe (und im Ein- 
zelnen nur wenig Inodificirte) Bauweise den verschiedenen christlichen 
Völkern des Mittelalters eigen ist und Wie auch, im Vßrwiegen des chro- 
nologischcn Elementes vor dem Eeofäljaphisßllßll (anders als im griechischen 
Alterthum), die Stylunterschiede bei ihnen gleichartig auf einander folgen. 
Ausgeschlossen bleibt hiebei jedoch die Rücksichtnahme auf die italienische 
Kunst, indem der Verf. sich vorbehält, die gesammte Kunstgeschichte Ita- 
liens im Mittelalter spätergesondert zu betrachten. Ob dies durchaus 
wohlgethan ist, weiss ich nicht. Die italienische Architektur dieser Zeit 
hat allerdings, zwar nicht ganz, doch zum grösseren Theil, eine Ausnahme-
        

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