Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1497889
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Berichte und Kritiken. 
der Baukunst, umfassen. Bei der Wahl des Darzustellenden soll nicht 
allein der Kunstwerth entscheiden, sondern auch Dasjenige, was, bei viel- 
leicht geringerem Kunstwerthe, für Geschichte, Gebräuche und Kostüme der 
Vorzeit beachtenswerth erscheint, Aufnahme finden. Das Ganze wird in 
einzelne Abtheilungen zerfallen, von denen jede die Kunstwerke eines be- 
sondern Bezirkes oder die Darstellungen eines bedeutenderen Gegenstandes 
umfassen soll. Eine Abtheilung, mit der Bezeichnung "Miscellanea", ist 
zur Aufnahme vereinzelt vorkommender Kunstwerke bestimmt. 
Das erste Heft, mit dem der Anfang zur Darstellung der Kunstwerke 
in Hannover gemacht wird, besteht aus sechs Steindrucktafeln, vier Seiten 
erläuterndem Text, dem mit einem Holzschnitt versehenen Titel und dem 
Vorwort. Für das Architektonische sind die darin enthaltenen Darstel- 
lungen der Marktkirche zu Hannover, eines gothischen Gebäudes von ge- 
brannten Steinen aus der Mitte des 14ten Jahrhunderts, hervorzuheben. 
Die Kirche ist sehr einfach, doch in charakteristischer Eigenthümlichkeit 
ausgeführt; sie hat drei fast gleich-hohe Schiffe und einen merkwürdigen 
Ghorschluss,  der Chor des Mittelschiffes in der sich ausweitenden, für 
die Perspektive so günstigen Form, die aus sieben Seiten eines Zehnecks 
gebildet ist (eine Form, die gleichzeitig auch noch an andern Gebäuden 
unsres Nordens, aber doch nur selten, zur Erscheinung kommt). Die Pfeiler 
sind kreisrund und mit einfachen Gurtträgern besetzt. Ein vorzüglicher 
Grundriss und schöne Aufrisse des Inn_ern geben eine Gesammtdarstellung 
der Structur; von den eben genannten Gurtträgern ist ein grösseres Profil 
in den Text eingedrückt. Ich hätte gewünscht, dass auch die Profile von 
allen übrigen architektonischen Details, so einfach sie sein mögen, in grös- 
serem Maassstabe mitgetheilt wären, da sie überall für die Auffassung des 
Charakteristischen und für die Feststellung der architekturgeschichtlichen 
Entwickelungsgesetze von der grössten Wichtigkeit sind; ich glaube, dies 
dem Herausgeber für die Folge um so mehr zur Berücksichtigung empfehlen 
zu dürfen, als es scheint, dass gerade das Architektonische (im strengeren 
Sinne) das Gediegcnste seiner Mittheilungen ausmachen wird. Ausserdem 
ist von dem Innern der genannten Kirche eine malerische Perspektive ge- 
geben; diesem Blatte entspricht eine malerische Ansicht der Cöbelinger 
Strasse, mit alten, zum Theil nicht mehr vorhandenen Fachwerkgebäuden 
im Vorgrunde und dem Thurm und einem Theil der Marktkircheim Hin- 
tergrunde; beide Blätter sind sorgfältig gearbeitet, doch erreichen sie nicht 
den beabsichtigten Eindruck der eigentlich malerischen Wirkung. Ein 
Blatt enthält einige Umrissdarstellungen von Werken bildender und orna- 
mentistischer Kunst, ein andres, in ausgeführter Lithographie, eine Dar- 
stellung des Altarbildes aus der Kreuzkirche zu Hannover, ein Mittelbild 
und zwei Flügel mit der heiligen Sippschaft etc. in sehr zahlreichen Fi- 
guren. aus dem Anfange des löten Jahrhunderts. Auch diese Mittheilung 
lSt sehr interessant, doch wäre ein schärferes, mehr charaktervolles Ein- 
gehen in die Eigenthümlichkeiten des Originals zu wünschen gewesen.  
Der Täxl giebt genaue Auskunft über die Geschichte und die Structur der 
Marktkmihe; von den Erläuterungen der bildlichen Darstellungen enthält 
er erst wenige ZQHQIL 
Nach der Inhaltsangabe über die folgenden Hefte der ersten Abtheilung 
dürften besonders die hierin in Aussicht gestellten Darstellungen von mit- 
telalterlichen Wohngebäuden mannigfaches Interesse gewähren. Im Ueb- 
rigen ist Niedersachsen durch wichtige Architekturen aus früh mittelalter-
        

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