Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1497876
Einige Bedenken 
6110. 
Axchiv für Niedersachsens Kunstgeschichqn, 
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gründen, so ergiebt sich ein, zwar nicht sehr erfreuliches, aber doch eigen- 
thürnliches Iund merkwürdiges Resultat. Dass Raphael seine Arbeiten in 
späterer Zeit zum grossen Theil, gelegentlich auch wohl ganz, von Schülern 
und Gehülfen ausführen lassen musste, ist bekannt. In der Regel aber 
waren dies solche Künstler, die sich in den Geist seiner Richtung vollständig 
eingelebt hatten und deren Kräfte zureichten, um den an sie gestellten 
Anforderungen zu genügen, so dass, wenn wir in diesen Werken hin und 
wieder auch den vollen Hauch des grossen Meisters vermissen, sie doch 
immer, auch in den Elementen der Ausführung, davon noch gestreift er- 
scheinen. Hier erscheint es anders. Wir würden alle die Widersprüche 
nur durch die Annahme erklären können, dass Raphael einem aus der 
Fremde, ohne Zweifel aus den Niederlanden eingewanderten Gehülfen, der 
noch das Gewand seiner Heimat nicht völlig abgestreift und von der itali- 
enischen, der raphaelischen Darstellungsweise nur erst Aeusserlichkeiten 
erfasst hatte, die Ausführung einer Composition, zu der er oifenbar nur 
einen flüchtigen Entwurf geliefert, ganz selbständig überlassen und doch 
Zugleich keinen Anstand genommen habe, das ziemlich zwitterhafte Er- 
zeugniss unter seinem Namen in die Welt zu senden 1). Ueber die etwa- 
Iligen Veranlassungen zu einem solchen Entschlüsse lässt sich natürlich 
nichts sagen; die Hypothese findet hiebei vollständig freien Spielraum. 
Wollen wir aber den Namen des Künstlers wissen, dem ein so ausgedehntes 
Vertrauen geschenkt gewesen wäre, so können wir, wie es scheint, wohl 
kaum bei einem andern stehen bleiben, als bei Bernardin van Orley. 
Archiv für Niedersachsens Kunstgeschichte. Eine Darstellung 
mittelalterlicher Kunstwerke in Niedersachsen und nächster Umgebung, 
bearbeitet und herausgegeben von H. Wilh. H. Mithoff.  Erste Ab- 
theilung: Mittelalterliche Kunstwerke in Hannover. Lief. I. Hannover, 
Helwingsche Hofbuchhandlung. Gross F01. 
Kunstblatt 1850, 
Unter vorstehendem Titel kündigt sich ein neues Unternehmen an, das 
für die Vaterländische Kunstgeschichte von Bedeutung zu werden verspricht 
und dem wir die beste Theilnahme wünschen. Es ist den Denkmalen des 
zwischen Elbe und Weser belegenen Theiles von Norddeutschland, die 
bisher im Ganzen noch wenig bekannt sind, gewidmet. Es wird die Kunst- 
Werke vom Anfange des 11ten bis zum Schlusse des 16ten Jahrhunderts 
und die verschiedenen Gattungen derselben, vorzugsweise jedoch die Werke 
1) Am Schluss der Arbeit m_ag Rßphßßl in einzelnen Hauptpartieen aller- 
dings noch einige Meisterstriche hinzugefügt haben. S0 machte mich Hr. Schle- 
Sißsßr darauf aufmerksam, dass bei den Augen des Christuskopfes eine (auch in 
der Kopie sorglich nachgeßhmtß) dfßimßligß Veränderung sichtbar ist, und 11855 
der Schild, den jener schrßißüdß Mallritanier trägt, erst später über die Figur 
hingemalt ist, oifenbar, um die Gruppen möglichst klar auseinander zu halten.
        

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