Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1497816
Kunde 
Zur 
zur Erhaltung 
und 
der Denkmäler. 
593 
Der Verfasser spricht zu Anfang sein schmerzliches Bedauern darüber 
aus, dass zum Schutze der auf schwäbischem Boden befindlichen Denk- 
male keine allgemeinen (also von der Regierung ausgehenden) Maassregeln 
Vorhanden sind. Eine empfindliche Rechtfertigung seiner Klage scheint 
die am Christabend 1848 aus reiner Vernachlässigung erfolgte Zertrümrne- 
rung des grossen kupfernen und vergoldeten Kronleuchters der ehemaligen 
Abteikirche zu Comburg, eines Kunstwerkes aus der Zeit des 12ten Jahr- 
hunderts, zu gewähren.  
Gewiss ist es, wie ich mir hiebei zu bemerken erlaube, wünschens- 
werth und nothwendig, dass zur Erhaltung der Denkmäler unserer Vorzeit 
eine gesetzliche Grundlage gegeben sei und dieselbe durch die betreffende 
Staatsregierung gewahrt werde. Aber dies ist nur die eine Seite der Sache. 
und wird nur von hier aus eine Abhülfe in Anspruch genommen, so 
möchte die Wirkung leicht illusorisch bleiben. Kommt der Regierung in 
dieser Angelegenheit keine individuelle Theilnahme entgegen. so muss ihre 
Thätigkeit beim besten Willen gelähmt bleiben. Diese individuelle Theil- 
nahme aber kann nur durch Privat-Wirksamkeit hervorgerufen werden, 
und die letztere wird sich aller Orten am zweckmässigsten durch Ver- 
eine bethätigen können, Wozu, wenn man nicht ausschliesslich Denkmäler- 
Vereine stiften will, die grosse Menge der vorhandenen Geschichts- und 
Alterthums-Vereine die bequemste Anknüpfung gewähren dürfte. Ich 
meine aber, dass die Vereine für den in Rede stehenden Zweckwirklich 
thätig sein und sich nicht bei gelehrten Vorträgen, gelegentlichen Editionen 
und gelegentlichen Klagen über den Mangel des Sinnes für ihre Interessen 
beruhigen müssen. Sie müssen praktisch auf den Sinn des Volkes einwir- 
ken, populäre Belehrungen über den Werth der Denkmäler verbreiten (in 
selbständigen Schriftchen und ganz besonders in den kleinen städtischen 
Wochenblättern) und mit ihren Agenten überall zur Hand sein, um im 
einzelnen Fall durch gütliches Besprechen mit den Betheiligten das Wün- 
schenswerthe und Mögliche zu vermitteln.  
Und noch Eins erlaube ich mir dabei zu bemerken. Man sei überall 
sorglichst auf der Hut, dass man in solchen Bestrebungen nicht um ein 
Haar breit zu weit gehe. Der die Bedürfnisse der Gegenwart missachtende 
archäologische Eifer, der einseitig übertriebene Purismus hat der schönen 
Sache der Denkmäler-Conservation schon unermesslich geschadet. Sehr 
häutig steht die letztere mit dringenden Bedürfnissen der Gegenwart im 
Conflict: oft wird sich durch verständige Untersuchung und Besprechung 
ein Mittelweg finden lassen, der beiden Interessen genügt; oft aber muss 
auch das unbedingte Recht der Gegenwart (denn was sollte aus der Zu- 
kunft werden, wenn man immer nur nach der Vergangenheit blicken 
wollte!) vorangehen, und da gilt es, sich mit Heiterkeit in das Unver- 
meidliche zu fügen, nicht aber durch unnützes Klagen den Zwiespalt zu 
vergrössern. Ein wesentliches Element der Denkmäler ist sodann ihr ge- 
schichtlicher Zustand, die Art und Weise, wie oft eine Reihe von Jahr- 
hunderten ihnen ihren Stempel aufgedrückt hat. Möge man doch bei allen 
Restaurationen darauf bedacht sein, hievon möglichst wenig zu verwischen! 
Es ist eine unglückselige 1163311556116 Liebhaberei, die alten Bauwerke 
überall auf ihren primitiven Zustand zurückführen zu wollen: im besten 
Falle erhält man dabei ein Exempel für einen kleinen Punkt der kunst- 
historischen Wissenschaft; ab" alle" späteren Epochen, die das Denkmal 
Kngler, Kleine Schriften. ll. 38
        

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