Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1497674
Festmahl zur Feier 
westphäl. 
des 
Friedensschlusses 
Nürnberg, 
1649. 
579 
Tribünen znsammenstimmt, vermag ich nicht zu sagen,  vielleicht 51m- 
lich_ wie die berühmte deutsche Einheit, welche dazumal begründet ward, 
Von dem Gewölbe des Saales hängt eine Menge dicker Blumen- und Laub- 
gewinne herab, mit Kürbissen in ihrer Mitte, die dem Damoklesschwerte 
nicht ganz unähnlich über den Häuptern der Versammelten schweben. 
Die künstlerischen Vorzüge des Bildes beruhen mehr in den Einzel- 
heiten als in der Gesammtcomposition. Sandrart war bei den Venetianern 
fleissig in die Schule gegangen, hatte sich besonders im Kolorit tüchtig 
ausgebildet und wurde desshalb als Portraitmaler besonders geschätzt. Er 
hat auch gerade in jenen Tagen, da so viel angesehene Fremde in Nürn- 
bei-g waren, eine Unsumme von Bildnissen gemalt, von den einfacher an- 
geordneten, die ihm das Stück mit 50 Thalern bezahlt wurden, oft zwei 
an Einem Tage. So sind denn auch die Köpfe in dem grossen Bilde, im 
warmen Ton und im breiten Vortrag, Muster in ihrer Art; besonders treff- 
lich ist hier sein eignes Bildniss. Sonst ist die Menge schwarzer Kostüme 
dem Bilde nicht sonderlich günstig; dazu ist dasselbe, was Seinen gegen- 
wärtigen Zustand anbetrifft, sehr nachgedunkelt und stellenweis kaum noch 
Zll erkennen.  Die Aufgabe des Stechers war nach  alledem eine sehr 
schwierige. Es galt das verdunkelte Werk seiner ursprünglichen Klarheit 
möglichst anzunähern, das Ganze harmonisch und lebendig zu halten und 
all den charakteristischen, physiognomisch so verschiedenartigen Einzel- 
heiten doch ihr volles Recht anzuthun. Wir können aber unbedenklich 
hinzufügen, dass er alles Wünschenswerthe erreicht hat. Der Stich ist in 
einer gesunden Linienmanier durchgeführt, die bei energischer Haltung 
Zugleich ein hinreichendes Eingehen auf alle die individuellen Feinheiten 
und Varietäten verstattet hat. 
Ein" leichter gestochener und in hellbräunlichem Tone gedruckter Rand 
umgibt den Stich des Bildes. Oberwärts sind in demselben zehn Medail- 
lons mit den Bildnissen der ausgezeichnetsten Personen aus der Zeit des 
dreissigjährigen Krieges, die an dem Friedensmahle nicht Theil genommen, 
enthalten: Pappenheim, Tilly, Wallenstein, Kurfürst Maximilian, Kaiser 
Ferdinand 11., Gustav Adolph, Bernhard von Weimar, Oxenstierua, Maus- 
feld, Torstenson. Zu beiden Seiten ziehen sich verschlungene Bänder hinab 
mit den Namen sämmtlicher Herren, die das Festmahl feiern. (Auf dem 
Bilde selbst sind sie daneben geschrieben.) Unten sind Wappen und andre 
Embleme angebracht. Mit dem Rande ist der Stich 18 Zoll breit und  
Zoll hoch. 
Der Unterschrift des Stiches sind noch Verse und eine sinnbildliche 
Verzierung beigefügt, die von der Zeit, welcher das Bild gewidmet ist, 
auf die Gegenwart und unsere heutigen Wünsche und Strebungen hinüber- 
führen : 
Nach dreissigjähfgem Krieg in Deutschlands Marken 
Der Friede die geschlagnerx Wunden heilt, 
Doch statt im Innern Eins sich zu erstarken, 
Ward mehr und mehr das deutsche Reich geghei1t_ 
zweihundert Jahre  und rings hört man's tönen: 
Weg mit der Trennung! Nur Ein Vaterland! 
S0 lasst uns jetzt die alte Schuld veisöhnen, 
Reicht auch zum neuen Bund die Bruderhandf
        

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