Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1497638
J ahreshefte 
des württembergischen 
Alterthumsvereins. 
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der letzteren zu lebbaftestem Danke verpflichtet hat, 
Schon in der Stille der Arbeit selbst der Dank des 
schwebt. haben.  
so wird ihn auch 
alten Meisters um- 
Jahreshefte des württembergischen Alterthumsvereins. Viertes 
Heft. Stuttgart, 1847. (4 B1. Abbildungen und 1 B]. Text in Folio. 
(Kunstblatt 
1848, N0. 
Das vorliegende Heft enthält wiederum, wie die früheren Hefte des- 
selben Werkes, sehr interessante und schätzbare Mittheilungen. Zwei 
Blätter sind dem römischen Mosaikboden zu Rottweil gewidmet, der im 
Jahr 1834 entdeckt wurde und durch ein darüber gebautes Häuschen ge- 
Schützt ist. Das Blatt giebt die Gesammterscheinung, soviel davon erhalten 
ist. Der Boden besteht aus mehreren Feldern; auf dem nur mässig be- 
schädigten Hauptfelde ist ein Orpheus in ganzer Figur enthalten; auf den, 
zum Theil sehr fragmentirten Nebenfeldern sieht man Reste von Wagen- 
Tßnneu, Wettkämpfen, Jagden u. dergl. Das zweite Blatt enthält ein in 
Farben gedrucktes und die ganze Eigenthümlichkeit des Mosaiks genau 
nachahmendes Facsimile von Kopf und Oberkörper des Orpheus. Auf das 
Archäologische, welches sich, mehr oder weniger hypothetisch, an diese 
im späteren Alterthum nicht unbeliebte Darstellung anknüpft, geht der er- 
läuternde Text näher ein; wir lassen dies dahingestellt und bemerken nur, 
wie diese Darstellung  und namentlich die Vergegenwärtigung derselben 
in dem Facsimile  uns von der unzerstörbaren Gesundheit der alten Kunst 
wieder ein so schlagendes Beispiel giebt. Bei der grossen Rohheit der 
Behandlung, die durch die Anwendung der grossen, gelegentlich fast einen 
halben Zoll breiten Farbenwürfel geboten war, ist in diesem Bilde den- 
noch etwas so geistvoll Lebendiges und zugleich eine solche stylistische 
Würde, dass wir uns beim Hineinschauen in das Blatt alsbald in eine von 
breitester Kunstübung und vom ächtesten Kunstbewusstsein getragene Welt 
versetzt fühlen. Sehr bemerkenswerth ist auch der vortreffliche koloristi- 
Sehe Styl, und um so mehr, als derselbe mit einer nur sehr mässigen Scala 
von Farbentönen hervorgebracht ist; es ist darin etwas nah Verwandtes 
mit Raphaels malerischen Stylgesetzen.  Das dritte Blatt bringt uns eine 
Darstellung des heiligen Grabes in der Frauenkirche zu Reutlingen, eine 
brillante spätgothische Tabernakel-Architektur, in der der Sarkophag des 
Heilandes steht, das Architektonische mit bildnerischem Schmuck und rei- 
Chen Ornamenten versehen, am Grabe der Jünger Johannes und die hei- 
ligen Frauen  liebliche Gestalten, die eine jede in feiner Stylistik durch- 
gebildet sind  und vorn zwei aufgestützt liegende Kflegsknechte, Das 
ganze Werk, Ohne Zweifel eine Meisterarbeit der schwäbischen Bildhauer- 
Sßhule, ist nach einer ausgeführten Zeichnung von Eberlein, und von 
Gnauth in Stein gravm, vortrefflich wiedergegeben.  Das vierte Blatt 
enthält, in ebenfalls treftlicher Urnrisszeichnung, zwei von den Standbil- 
(lern der württembergischen Grafen in der Stiftskirche zu Stuttgart, Vßn 
denen in einem früheren Hefte einige Darstellungen mitgetheilt waren:
        

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