Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1492358
sur l'Allemagne. 
Iiltudes 
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deutscher Kunst handeln, mit einigen eingeschobenen Stellen aus Fiorillo 
und mit einigen eigenen Bemerkungen über deutsche Bilder in Colmar 
und Paris. Von Raczinsky findet sich, trotz der Erklärung des Vorwories. 
keine Zeile in der ganzen Arbeit; eben so wenig irgend ein, einer andern 
Quelle entlehntes Wort. Das Verhältniss ist dies, dass von den 215 Seite" 
des in Rede stehenden Abschnittes circa 18272 mir angehören, circa 19 
Fiorillo, circa  dem Verfasser. 
Wir haben es demnach im Wesentlichen nur mit einer wörtlichen 
Uebersetzung zu thun, Der Styl, die leichte geschmackvolle Bedeweise 
des Verfassers ist schon oben gerühmt worden. Er weiss sich 1m Allge- 
meinen dem deutschen Charakter zu fügen, und es gewährt ein eigenthüm- 
liches Vergnügen, das Echo der eigenen Gedanken in den fremden Klängen 
zu vernehmen. Dass ein Franzose den deutschen Gedanken eines deutschen 
Schriftstellers über deutsche Kunst überall genau nachfolgen solle, wäre 
freilich zu viel verlangt; wir werden somit die französischen Ausdrücke, 
die er an die Stelle der deutschen setzt, nicht immer ganz scharf abzuwä- 
gen haben; doch wäre wohl, wie es mir scheint, bei einiger Sorgfalt man- 
cherlei Schiefes im Ausdrucke zu vermeiden gewesen, Zuweilen tritt aber 
doch der französische Geist allzu auffallend hervor. Wenn ich z. B. von 
Dürer, in Bezug auf die Tagebücher seiner niederländischen Reise, sage: 
sEr zeigt sich hier als einen Mann, der sich langjähriger fleissiger Arbeit 
bewusst war und der nun denjenigen Vortheil davon zu ziehen suchte, 
den ein jeder redliche Mann wünschen muss;" so übersetzt dies Herr 
Michiels: "Elles (les notes) montrent un komme qui a conscience de son 
ardeur, de son courage au travail, et quz" ne cherche quiä employer digne- 
ment sa gloire." Das hiesse freilich den ehrlichen Deutschen von damals 
zu einem der modernen, in der Welt umherreisenden französischen Vir- 
tuosen irmstempeln! Dann ist auch eine grosse Menge wirklicher Ueber- 
setzungsfehler vorhanden, die theils die Ideen des ursprünglichen Verfas- 
sers, besonders aber die thatsächlichen Angaben oft genug verdrehen. 
Wenn ich z. B. sage, dass die spätem Italiener es erspriesslich gefunden 
hätten, Dürer's Compositionen in's Italienische zu übersetzen. so macht 
Michiels daraus eine Uebersetzung seiner theoretischen Werke, von denen 
an jener Stelle gar keine Rede war. Wenn Fiorillo Dürer's Aeusseres, 
namentlich seine „schöne Bildung" rühmt, so macht Michiels daraus eine 
nSChÜIIG Erziehungf, die wiederum sehr modern klingt. Aus der „einge- 
legten Lanze", mit der (in Altdorferls Alexanderschlacht) Alexander auf 
den Darius eindringt, macht Michiels eine Lanze, ngeschmückt mit einge- 
legter Arbeit"; aus einer "Morgenlandschaft" eine nmorgenländisehe Land- 
schaft." Die rdunkeln Umrisse", die an den Formen eines alten Bildes 
vorherrschend sind. werden bei ihm zu „Umrissen, die sich kaum erkennen 
lassenff Wenn ich von den Blättern der Dürefschen gestochenen Passion 
sage: "Auch unter diesen ist Vieles vom vorzüglichsten Werthe vorhanden," 
so übersetzt Michiels: „Von ihnen sind uns viele erhalten" u, s. w. Wenn 
ich von Dürer's Ehrenpforte sage, die Architektur derselben sei durch „die 
bildlichen Darstellungen" ungemein beschränkt worden, so lässt er sie durch 
"die Bedingnisse des Holzschnitts" zerbrochen sein. Wenn ich bemerke, 
dass Altdorfens Kupferstiche seinen Gemälden nicht unachstehen", so über- 
setzt er: „sie gleichen ihnen nicht" u. s. w., u. s. w. Ich fürchte, die 
Geduld des Lesers zu ermüden, Wollte ich noch weiter in dieser Aufzäh- 
lung fortfahren. 
        

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