Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1492343
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Berichte 
Kritiken. 
und 
vorlegen, ist die einzige, die in unserer Sprache existirt. Was auch ihre 
Fehler sein mögen, so hat sie doch den Vortheil, dass ihr keine Neben- 
buhlerin den Rang streitig macht. Die bei uns erschienenen Bücher ent- 
halten nur sehr wenig Angaben über die deutsche Kunst. Mit Ausnahme 
weniger Zeilen bei Felibien und d'Argenville, Billiger von Descamps ver- 
fasster Biographien und einiger Artikel in den Revuen, besitzen wir nichts 
über diesen Punkt; wenn wir Dürer genannt haben, sind wir mit unserer 
Wissenschaft zu Ende. Die alten Maler von Köln, von Sachsen, von Bayern 
schliefen in tiefer Vergessenheit, wenn wir ihre einzigen Bewunderer wären. 
Was wissen wir von den Figuren, welche die Handschriften des Mittel- 
alters schmücken ? was von den Eigenthümlichkeiten, die sie auszeichnen? 
was von den Punkten, in denen sie das Gepräge des deutschen Geistes 
erkennen lassen? was von den Absichten der Zeichner bei den schlichten, 
zierlichen und phantastischen Gebilden ihrer Hand? Weit entfernt davon, 
ahnen wir nicht einmal ihr Vorhandensein; der Wunsch, sie bekannt zu 
machen, hat uns die Feder in die Hand gegeben. Die Schüler Dürers, 
Cranach's, Holbein's erfreuen sich bei uns keines sonderlichen Ruhmes; 
gleichwohl haben mehrere von ihnen die Kraft und die Geschicklichkeit 
der grossen Meister. Die Nacht, die sie umgiebt, wird fortan minder 
trübe sein. Auch über die neueren Schulen denken wir Einzelnes mit- 
zutheilen.  Uebrigens hat uns diese Geschichte keine grosse Mühe ge- 
kostet. Es sind deutsche Schriftsteller, aus denen wir fast alle Thatsachen 
gezogen haben, und in den meisten Fällen haben w_ir wörtlich über- 
setzt. Dieser schätzbaren Grundlage haben wir persönliche Bemerkungen, 
Umstände, die unsern Führern unbekannt waren, zugefügt; wir haben 
im Uebrigen Sorge getragen, dem Ganzen eine zweckmässige Anordnung 
zu geben. Es ist unnütz, hinzuzufügen, dass Kugler, Fiorillo und Rac- 
zinsky die Autoren sind, deren Schriften wir zumeist in Contribution ge- 
setzt haben." 
Gewiss müssen wir uns über solche Absicht freuen; gewiss darf es 
uns nicht gleichgültig sein, ob die Werke unseres Vaterlandes im Nach- 
barlande geschätzt, ob die Forschungen, mit denen wir uns beschäftigt, 
auch dort bekannt gemacht und gewürdigt werden. Auch wenn demnach 
die vorliegende Arbeit für uns wenig Neues bringt, haben wir sie willkom- 
men zu heissen,  vorausgesetzt, dass das, was sie bringt, in reiner Ge- 
stalt erscheine. Sehen wir somit etwas näher zu. 
Das eben mitgetheilte Vorwort klingt ganz bescheiden; der Verfasser- 
gesteht es selbst, dass er das Wichtigste aus deutschen Schriftstellern ent- 
lehnt. Doch dürfte man nach seinen Worten wenigstens in der Anordnung 
des Ganzen einen namhaften Antheil seiner Hand vermuthen. Im Texte 
selbst ist weiter keine Andeutung über die von ihm benutzten Quellen 
vorhanden. Die in vielen Aeusserungen hervortretende Persönlichkeit lässt 
aber voraussetzen, dass dies die des Verfassers sei, dass er somit keines- 
wegs bloss als Uebersetzer thätig gewesen sei; auch findet sich (S. 341) 
eine Stelle, worin er alte Malereien in Sachsen anführt und ausdrücklich 
hinzufügt: „Fiorillo nennt uns dort eine grosse Anzahl gothischer Malereien, 
die WiY nicht gesehen haben, die wir aber nach ihm beschreiben 
können," die einfache Schlussfolgerung scheint also, dass er bei dem 
Uebrigcn selbstthätig gearbeitet habe. Die Schlussfolgerung ist aber falsch. 
Die gaulß Arbeit ist nichts als eine wörtliche Uebersetzung derjenigen 
Abschnitte meines "Handbuches der-Geschichte der Malerei etc", die von
        

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