Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1497286
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Kritiken. 
Berichte und 
Ich muss die Bemerkung hinzufügen, dass ich, wie in dem schon eben 
angedeuteten Fall, den historischen Bestimmungen des Herausgebers nicht 
überall beiptlichten kann. Indess wird er selbst hierauf vielleicht weniger 
Gewicht legen, da er bei diesem Unternehmen keineswegs den wissen- 
schaftlichen, sondern einen positiv praktischen Zweck inden Vorgrund 
stellt, den nämlich: „die allgemein höchste Richtung, welche jetzt die 
Baukunst verfolgt, die Anwendung des byzantinischen (romanischen) und 
altdeutschen (gothischen oder germanischen) Styles", in möglichst lebendi- 
ger und einflussreicher Weise zu fördern. Ob die heutige Baukunst wirk- 
lich diese allgemein höchste Richtung befolgt oder ob dies nur der gute 
Glaube einzelner Architekten ist, muss ich hier freilich dahingestellt las- 
sen, und noch mehr die Frage, ob überhaupt aus der gleichzeitigen und 
gleichmässigen Anwendung zweier, in ihrem Formenprincip sehr divergi- 
renden Kunststyle eine höchste Richtung hervorgehen könne. Indess ist es 
immer erfreulich, einer wirklichen künstlerischen Ueberzeugung zu begeg- 
nen, besonders wenn sie aus so frischer und naturgemässer Quelle kommt, 
wie bei dem Herausgeber, dessen eigentliche geistige Heimat jene fröhliche 
Romantik zu sein scheint, der die deutsche Nation in den ersten Jahr- 
zehnten dieses Jahrhunderts zugeführt ward. Es giebt aber noch eine 
andre, nachgeborne Romantik, die dem Unterzeichneten weniger erfreulich 
bedünken will. Dies ist diejenige, stark mit ultramontanen Tendenzen 
versetzte, die neuerlich in Frankreich, als Glied einer leise auftretenden, 
aber sehr berechneten Reaction, ihre künstlerische Heimat aufgeschlagen 
hat. In Frankreich hat sie es freilich noch mit der herrschenden Kaste 
antik-römisch gebildeter Architekten zu thun, und es ist natürlich, dass 
sie der Einseitigkeit der letzteren selbst eine um so grössere Einseitigkeit 
entgegensetzt; überhaupt aber möchte sie die Kunstthätigkeit gern in ein 
gewisses mittelalterlich scholastisches Formelwesen einschliessen, die frei 
schaffende Kunst zu einer, andern Zwecken dienenden Magd machen. Auch 
in Deutschland hat diese nachgeborne Romantik ihre Anhänger gefunden; 
sie ist sehr darauf aus, sich mit ihrer älteren Schwester, mit deren un- 
schuldiger Naivetät sie doch so wenig gemein hat, zu verbünden, und 
schleudert schon ihre Bannstrahlen in das künstlerische Treiben hinaus. 
Es findet sich wohl die Gelegenheit, auf diese Sache ernstlicher zurück- 
zukommen. 
Wie man im Uebrigen die Absicht bei der Herausgabe des Heideloif- 
sehen Werkes auffassen möge, für das wissenschaftliche wie für das prak- 
tisch künstlerische Studium, wird der reiche und vielseitige Inhalt des- 
selben jedenfalls höchst fruchtbringend sein. Auch ist es ohne Zweifel das 
ausgezeichnetste Werk in seiner Art, welches unsre Kunstliteratur besitzt. 
4) Kunstdenkmäler in Deutschland von der frühesten Zeit 
bis auf unsre 'l'age. Bearbeitet von L. Bechstein, Dr. E. Freiherrn 
v. Bibra, Dr. Gessert, Dr. Lucanus, J. Meyer, Th. Sündermah- 
16T 11- A-  1. Abtheilung. Von der frühesten Zeit bis zum Jahre 
1600. Schweinfurt, 1844 und 45. Bilder und Text in 4. 
Ußbfär das erste Heft dieses neuen Unternehmens ist in No. 37 des 
diesjährigen Kunstblattes eine Notiz gegeben; dem Referenten liegen gegen- 
wärtig vier folgende Hefte, jedes mit drei bildlichen Mittheilungen und 
dem dazu gehörigen 'l'exte, vor. Das zweite IIeft bringt den zierlich ge-
        

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