Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1497100
522 
Itnlsenotizen 
vom Jahr 
1845. 
Ein Paar Altäre mit Gemälden von Schülern Hans Baldung's. 
Höchst interessant ein Altar von H. Holbcin d. j. Zwei Flügelbil- 
der, jedes oben viertelrund abschliessend, zu einem Mittelbilde zusam- 
mengestellt und mit andern, nicht dazu gehörigen Flügeln versehen. Links 
die Geburt Christi, rechts die Anbetung der Könige; unten die Donatoren- 
familie. Beide Bilder mit reichen Architekturen. Auf dem ersteren geht 
das Licht von dem Kinde aus; ein Hirt und viele Engelchen beleben die 
Scene. Auch hier liegt die naturalistische Richtung zu Grunde; im Ein- 
zelnen, z. B. im Kopfe des Hirten, tritt sie derb hervor; aber sie ist zu- 
gleich sehr glücklich gesteigert und in einigen Engelsköpfchen und dem 
von unten beleuchteten Gesicht der Maria auf dem ersten Bilde zur an- 
muthigsten Schönheit entfaltet. In den zarteren Gestalten zeigt sich der 
feinste, auf das Liebenswürdigste durchgebildete Formensinn; die Hände 
besonders sind ungemein schön. Die Malerei ist voll und schon pastos, 
obgleich das Einzelne immer noch so zart wie entschieden bezeichnet. 
Durchgehend erscheinen schlicht bräunliche Schattentöne. Die Arbeit dürfte 
nach der mailändisch italienisirenden Epoche fallen, die glücklichste Durch- 
gangsepoche des Meisters bezeichnen und vielleicht das gediegenste Werk 
der Art ausmachen. Es ist völlig intact und in leidlichem Zustande.  
Gemäldesammlung des Domhcrrn von Hirscher i). Eine 
Anzahl vonGemälden, dem jüngeren H. Holbcin zugeschrieben, was mir 
nicht sonderlich begründet schien. Zunächst und insbesondere zwei Ge- 
mälde, deren jedes, vermittelst einer in Rococo-Manier dazwischen ge- 
malten Säule, aus zwei länglich hohen Bildern zusammengesetzt ist: Scenen 
aus der Geschichte der Maria und im Hintergründe bei jeder eine alt- 
testamentarische Seene, die zur Hauptdarstellung in symbolischem Bezuge 
steht. Die Bilder sind allerdings künstlerisch bedeutend und sehr merk- 
würdig in der Behandlung; es ist einerseits viel tlandrisches Element darin, 
sowohl in der Farbe, als besonders in der Darstellungsweise, da, wo Suiten 
männlicher Köpfe (wie auf den Flügelbilderu des Genter Altarwerkes, im 
Museum von Berliu,) zusammengestellt sind; einzelne Figuren sind auch 
ganz in tlandrischer Art gemalt; andrerseits aber zeigt sich, in der Ge- 
wandung, in den Köpfen, der Kopfbildung, dem Kopfputz der Frauen, 
entschieden der Charakter der oberdeutschen Schule, in der Art und Zeit 
des Hans Baldung.  Eine Suite andrer, dem Holbcin zugeschriebener 
Gemälde, mit der Darstellung einzelner Heiligenligureu, verbindet mit dem 
ilaudrischen Wesen, das sich in der Farbe der Gewänder, in der Gestal- 
tung u. s. w. ausspricht, ein gewisses niederrheinisches Element, manchen 
Leistungen der Kölner Schule zu Ende des löten Jahrhunderts analog und 
z. B. an den sogenannten Israel von Meckeuen erinnernd, obgleich nicht 
gerade in dessen Weise. Das körperliche Gefühl in diesen Figuren ist 
nicht sonderlich fein, die Hände z. B. sind" nicht schön und ohne eine 
Ahnung der edelu Handbildungen in den ebenbesprochenen beiden Mün- 
sterbilderu von H. Holbcin; doch haben die Gestalten eine gewisse ideale 
Grösse und einen lebhaft gemüthlichen Ausdruck. 
Von Barth. Zeithloom ist hier ein Kopf der h. Anna, Fragment 
eines grösseren Bildes, von sehr schöner Form, reizend warmer Färbung 
und llllllg geistigem Ausdrucke, charakteristisch auch durch das, diesem 
Künstler eigenthümliehe Auseinaudergehen der Augen.  Ebenfalls von ihm 
grösstnn 
ZUlIl 
Nachmals 
Theil 
das 
Berliner Museum übergegangen.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.