Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1497085
520 
Reisenotizen 
VOID 
Jahr 
1845. 
energische Gestalten, etwa denen der venetianischen Schule vergleichbar. 
Hierunter auch die Suite weiblicher Kostüme, die aber aus untergeschobe- 
nen Oopien bestehen soll (eine Annahme, welche mir sehr richtig scheint), 
während die Originale angeblich nach Petersburg gekommen. Zeichnungen 
zu den Thüren der lllünster-Orgel, Heilige und Engel, sowie die letzteren 
selbst, gross und monochrom ausgeführt; hier die Engelknaben vortrefflich. 
Endlich noch alte Copien nach Gemälden Holbeins; namentlich ein Crucifix 
mit Maria und Johannes, grossartig in seiner naturalistischen Weise. 
Ausserdem Gemälde von verschiedenen andern Meistern; besonders 
merkwürdig die von Nikolaus Manne]. Dies ist ein geistvoller Phantast, 
meist kühn skizzirend, poetisch etwa wie Cranach, doch grösseren Sinnes; 
weniger ist cr ein eigentlich vollendender Meister. Das kleine Bild der 
Herodias ist allerdings in miniaturartiger Feinheit gemalt, in Gestalten und 
landschaftlichen Lichtern von phantastischer Eleganz, etwa wie Altdorfer, 
doch ohne alle malerische Wirkung. Zwei Monochrome, braun in braun; 
auf der Rückseite des einen das mächtig kühn obscöne Bild mit dem Tode. 
Die grossen Gouachen auf Leinwand  Pyramus und Thisbe, Urtheil des 
Paris, und ein kirchlich religiöses Bild  minder bedeutend, geistreich 
eigentlich nur das letztere. (Zum Ankauf war angeboten eine auf beiden 
Seiten bemalte Tafel, Wohnstube der Maria oder Anna und Lukas, die 
Maria malend; auch dies im Ganzen nur leicht mit Farben hingelegt.) 
"Von Hans Baldung Grien zwei äusserst feine und elegante Kabi- 
netsstückchen, nackte weibliche Gestalten, die eine mit dem Tode, der sie 
küsst; vortreiflich in der Zeichnung, in der Farbe aber äussert kühl; die 
weibliche Carnation in sehr lichtem Grau. 
Sehr ausgezeichnet das Portrait des Wiedertäufers Joris, fast wie ein 
lichter Venetianer; ungefähr in der Mitte stehend zwischen Holbein und 
A. Moro, könnte möglicher Weise dies Bild von dem (mir unbekannten) 
Joas von Cleve gemalt sein.  Noch vieles andre Schätzbare. Ein 
kleines überaus reizendes Bild, eine Maria mit dem Kinde (von ersterer 
aber wenig mehr als nur der Kopf) halte ich für eine Arbeit Dürers, 
die er in Venedig gefertigt.   
 Sammlung des Herrn von Speyr. In derselben u. A. eine Kreuz- 
abnahme von Holbein mit rnittelkleinen Figuren, die, trotz der sehr 
starken Uebermalung, völlig sicher zu sein scheint, aber wieder auf jene 
schwer auszurleutende Uebergangsepoche des Meisters zurückwcist. Mit 
einer freien, fast eleganten Naturalistik verbindet sich hier, besonders in 
dem Kopfe der Maria, ein cigenthümliches idealistisches Element.  Ein 
sehr treffliches Exemplar von Raphaels Johanna von Arragonien, am Ge- 
wande fast vcnctianisch, das Nackte leider stark und in kalter Stimmung 
über-malt. 
Freiburg. 
Der Münster. Meine früher entwickelten Ansichten über seine Archi- 
feklllv) bestätigen sich im Allgemeinen zur Genüge, nachdem ich gegen- 
wärtig das Gebäude selbst zum ersten Mal gesehen; besonders in BetreiT 
des Innern, wo in der That die Pfeilergliederung unschön und die Ober- 
wand des Mlttelschifls schwer ist, und ebenso auch im Aeussern, obgleich 
oben
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.