Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1497077
Basel. 
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Ganz neue Richtung. Volle durchgebildete hlodellirung, etwas grauuch 
kühl in der Carnation, die Gewänder in schönen vollen Farben (roth und 
gelb), Teppichgrund in vollem grünem Tone, äusserst zart modellirte llände_ 
Ganz entschieden unter Einfluss und ebenso in selbständiger Verarbei- 
tung des Charakters der mailändischen Schule des Leonardo; vielleicht auf 
einen Besuch dorthin deutend.  Hieran etwa das Abendmahl auzusehlies- 
en, ein nicht ganz kleines Bild mit ebenfalls noch entschieden mailändi- 
sehen Eintlrissen, doch freier naturalistisch und nicht besonders geistreich. 
Dann die berühmte, aus acht kleinen Gemälden bestehende Darstel- 
lung der Passion Christi. Die hierin sich kundgebende künstlerische Rich- 
tung tritt im Vergleich mit den in der Sammlung befindlichen flüchtigen 
Tuschzeichnungen der Passion, welche jedoch nicht genau dieselben Gegen- 
stände enthalten und geistreich in kräftig naturalistischer Weise behandelt 
sind, doppelt auffällig hervor. Die Oelgemälde sind ungleich befangener, 
bewusster und conventioneller. Höchst feine, elegante Ausführung; wie- 
derum direkt mailändische Motive, zugleich aber auch römische, die indess 
schon nach mailändischer Art modificirt erscheinen; Letzteresetwa als eine 
Verrnittelung durch Gandenzio Ferrari zu fassen. Das Ganze trägt den 
Charakter angestrengtesten Studiums, wodurch sich allenfalls das sehr 
Abweichende von sonstiger Holbeinischer Weise erklären liesse. Angen- 
fälliges Bestreben, das Durchgebildetste zu geben, und hierin den beiden 
Brustbildern der Venus und der Lais nahestehend (ob auch früher),  ein 
Bestreben, das in einzelnen Figuren allerdings zu cigenthümlicher Gross- 
artigkeit, im Ganzen aber eben zur Manier führt, und dies um so mehr, 
als der Gegenstand überhaupt mit Holbein's Richtung nicht durchaus im 
Einklange. Das Werk eins der wichtigsten früheren Beispiele der manie- 
ristischen Auffassung und Wiedergabe italienischer Elemente. 
Später-es, aus Holbeins vollentwickelter Zeit, im entschiedensten Gegen- 
satze gegen eine solche Durchgangsperiode. Höchst bedeutend sein Fami- 
lienportrait, seine Frau und seine beiden Kinder darstellend, zu einem 
vgnen, grossen und breiten Vortrage ausgebildet, mit ausserordentlichster 
Kraft der Natur und grossartig naiver Charakteristik, besonders in Betreil 
des Gedrückten, Leidcnden in diesen drei Köpfen. 
Späte kleine Copien seiner Wandgemälde im Baselor Rathhause und 
einzelne Originalfragmente, namentlich eine Gruppe von drei Köpfen. 
Höchst energische und doch gehaltene Charakteristik. Man sieht, dass hier, 
in dem eigentlich Historischen, l-Iolbeins eigenthümliches Element war, 
dass er hier erreichte, was ihm bei kirchlichen Bildern ohne Zweifel ferner 
lag, und dass er, bei vermehrten und würdigen Aufgaben solcher Art, sich 
zur unbedingt höchsten Stufe der Kunst emporgeschwungen hätte. Es ist 
fast, als sei in ihm etwas von Verzettelung seines Talents, etwas von mora- 
lischer Schuld, das ihn früher nicht ganz auf den richtigen Weg kßmmeu 
und später ihn die Hofmalerei in der Fremde als Rettung aus Noth und 
Drangsal wählen liess. Raphael erwarb sich seinen Beruf; es ist nicht 
ausschlieslich nur das Glück, das ihn auf seine Höhe geführt, 
Holbeins eignes Portrait in farbigen Stiften, wundervoll einfach und 
rebendig, Leichte Bortrartskizzen, ebenfalls Zeichnungen, zu dem grossen 
Bilde des Bürgermeisters Meyer, noch feiner und schärfer charakteristisch 
als in den beiden Gemälden zu Dresden und zu Berlin. So auch andere 
tretlliche Portraitzeichnungen. Grosse Anzahl von Tuschzeichnungen, llei. 
lige u. dcrgL, meist wohl Cartons zu Glasmalercien, mehr oder weniger
        

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