Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1497035
Paris. 
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Nasen.  Ein andres, dem Giorgione zugeschriebenes Bild, ein ländliches 
Concert von nackten Frauen und bekleideten Männern (N0. 1029) ist etwas 
nüchterner, besonders das sitzende, halb vom Rücken gesehene Weib, das 
sich überdies in gesegneten Umständen zu befinden scheint. Waagen schreibt 
daher auch das Bild, mit gutem Grunde, dem älteren Palma zu.  Ueber 
die prächtigen Bilder Tizians habe ich wenig notirt. Die Grablegung 
(No. 1252), in ihrer schönen vollen Menschlichkeit, verfehlte der tiefsten 
Wirkung so wenig, wie vor Jahren das andre Exemplar dieses Bildes in 
der Gallerie Manfrin zu Venedig. Weniger anziehend war mir die Dor- 
nenkrönung (N0. 1251); die Bewegung ist nicht Tizian's wahres Element. 
Höchst schön erschien mir jenes Bild, welches man als "Tizian und seine 
Geliebte" zu benennen pflegt (N0. 1259). Dies wundervolle Weib. und 
besonders ihr Gesicht, kann seinem Inhalte nach, wie alle eigentliche Blüthe 
der venetianischen Malerei, nur mit der Antike verglichen werden. 
Von der gefahrvollen Bahn, auf der Correggiws Kunst sich bewegt, 
giebt jenes Bild der Vermählung der h. Katharina mit dem Christkinde, 
unter Beisein des h. Sebastian, (N0. 953) ein bezeichnendes Beispiel. Kind- 
liche Naivetät und  die Sprache hat leider kein andres Wort!  Geil- 
heit grenzen hier unmittelbar aneinander. Dass das Bild im Uebrigen, 
jene Gefahr freilich nicht beseitigend, die süsseste Harmonie des Tones 
hat, ist bekannt.  Sein Bild des Jupiter mit der Antiope (N0. 955) ist 
nicht eigentlich schön, besonders in der Zeichnung der Antiope. 
Unter den Bildern der späteren Italiener ist die Maria mit dem Chri- 
stusleichnam von Bern. Campi (N0. 898) in seiner Art energisch und 
gross; die Maria mit dem Kinde und Heiligen von Giul. Ces. Procac- 
cini (No. 1182) aus dem Manieristischen heraus bedeutend; der Tod der 
heil. Jungfrau von Caravaggio (N0. 902) gross in seiner wüsten Weise; 
n. s. w., u. s. W. 
Die Bilder der älteren französischen Schule sind ohne erhebliches In- 
teresse.-- mehr oder weniger langweilig. Am Bedeutendsten und gelegentlich 
wenigstens in Nebenfiguren ganz vortrefflich ist N. P ouss in; doch ist seine 
Farbe leider überall mehr oder weniger unkräftig geworden.  La Sueur, 
in den Bildern aus dem Leben des h. Bruno u. a. m, hat schon ungleich 
mehr französisches Rococo, als ich erwarten zu müssen glaubte. Es ist 
darin nur etwas sehr oberflächlich Raphaeleskes, und nur einzelne der 
Scenen des Karthäuserlebens, namentlich die Darstellung des Todes des 
h. Bruno, haben eine gewisse Frische.  (Die Bilder ähnlichen Inhaltes von 
Champaigne im Briisseler Museum stehen ungleiehhöher.)  Jos. Vernet 
ist in seinen Seehäfen sehr tüchtig repräsentativ und. dekorativ. Vorzüg- 
lich bedeutend sind diese Bilder auch für das Volksleben jener Zeit, indem 
das dahin Gehörige mit grosser Naivetät aufgefasst ist. Höhere Lebendig- 
keit, innigeres Naturgefühl sind dabei allerdings noch nicht vorhanden.- Ein 
ganz reizendes Bild ist die bekannte "Dorfbraut" von Grenze (N0. 62); 
doch fehlen auch in diesem tiefere Kraft der Farbe und Lufthaueh. 
Notizen über einige der modernemSculpturen des Louvre. 
In der Galerie des Caryatides vier grosse weibliche Karyatiden zu 
den Seiten eines Kamins, von Jean Goujon (gest. 1572). Diese Figuren 
sind namhafte Belege der französischen Sculptur des löten Jahrhunderts, 
enthalten aber eben nur elne manierirte Ausgestaltung des Renaissancestyles. 
Im sogenannten Musee de Renaissance:  die sehr lang gereckte 
liegende Statue der Diana (von Poitiers) von Goujon.  Von Germain
        

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