Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1497001
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Reisenotizel] 
vom Jahr 
1845. 
grosse Cornpositionexi moderner Art, ohne alle eigentliche Wirkung. Hier 
fangen, was bei den mittelalterlichen Glasmalereien nicht der Fall ist, die 
Bleilinien an, in horizontalen Lagen sich kurz zu wiederholen, mit Aus- 
nahme des Nackten. Diese principlose Behandlung wirkt hier nur insofern 
weniger störend, als das Ganze so unschön ist, 
Kirche St. Mery. Gewöhnlicher Bau aus spätgothischer Zeit. 
Kirche St. Eustache. 1532 begonnen, 1642 beendet. Sehr merk- 
würdig. Ganz gothische Disposition, aber vollständige Formenbildung der 
Renaissance. bis auf wenig einzelne Spitzbögen und Verschlingungen des 
Fensterstabwerkes. Sehr hohe Verhältnisse; doppelte Seitenschiffe; freier 
Chorumgang. Die Pfeiler aus allerlei Pilaster- und Säulenwerk schlank 
aufgebaut; die Gewölbgurtungen nach gothischem Princip, mit antikisiren- 
den Protilen. Der Eindruck des Inneren hienach ein höchst bedeutender, 
von reich malerischer, phantastischer Wirkung. So auch das Aeussere, mit 
Ausnahme der im schweren Style des Palladio gehaltenen IIaupt-Facade. 
Strebepfeiler und Bögen. Das Seitenportal ist ebenfalls in Renaissance- 
Formen nach gothischer Disposition gebildet. 
Kirche St. Etienne du mont. Aus derselben Uebergangszeit wie 
St. Eustache, und ungefähr nach denselben Principien ausgeführt, doch 
von andrer Behandlung. Schlanke Rundsäulen im Inneren, zwei Geschosse 
bildend, indem sie in der Mitte der Höhe durch Halbkreisbögen verbunden 
sind, über denen eine Gallerie mit schwerer Balustrade hinläuft. Diese 
Gallerie hat aber nur die Breite der Säulen, dehnt sich also nicht über 
die Seitenschitie aus und windet sich jedesmal, von Consolcn getragen, 
hinten um die Säulen herum. Besonders elegant und malerisch macht sich 
dies am Chor, vor dessen Eingang sich ein leichter Jubc, irn barocken 
Renaissancestyl, hinüberspannt. Luftige Wendeltreppen schlingen sich hier 
zu beiden Seiten um die Ecksäulen und führen zum Jube und höher zu 
der Gallerie empor, welche letztere auch um sämmtliche, freistehende Chor- 
säulen herumläuft. Im Aeusseren ist besonders die Facade (vom J. 1610) 
bemerkenswerth, die im eigentlichen Renaissaneestyl, mit einem antikisi- 
rcnden Halbsäulenportikus und dergl. ausgeführt ist. 
Kirche St. Sulpice, gegründet 1646. Die Facade merkwürdig, als 
eine Art Uebertragizng der Oomposition der Facade von Notre Dame auf 
die Verhältnisse der Antike. Die beiden, unterwärts durchlaufenden 
Säulen-Etagen haben in der That eine grossartige Schönheit; die Thurm- 
Aufsätze zu den Seiten sind weniger gelungen. Das Innere hat einfach römi- 
schen Charakter und wirkt erfreulich durch gute räumliche Verhältnisse.  
Louvre. _Gemälde-Gallerie. Notizen zu einigen Bildern. 
Die "Madonna della Vittoria" von Mantegna (N0. 1105),  die unter 
einer Laube thronende Maria mit dem Kinde, von Heiligen umgeben, und der 
kllleßnde Gio. Francesco Gonzaga: ein Bild, zunächst durch seinen eigen- 
thümlichen Aufbau, wie Mantegna dergleichen liebt, bemerkenswerth, 
besonders artig die Laube, das Ganze interessant für die Zeit, aber 
bgfangelf-  Der Parnass (N0. 1106) und das Bild der über die Laster 
{Tlumphlrßnden Weisheit (N0. 1107), beide ebenfalls von Mantegna. mit 
anerkennungswürdigcxn klassischen Studien, aber noch ohne erfreuliches 
Resultat. 
Heil. Familie mit der h. Katharina (N0. 1161) eins der tretflichsten 
und liebenswürdigsten Bilder von Perugino. Unter seinem Namen auch 
(ohne Nummer) eine schwache Wiederholung des Bildes der Geburt.
        

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