Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1496983
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Jahr 
Reisenotizen vom 
1845. 
handen. Die Strebebögen am Aeusseren des Chorcs haben eine sehr ein- 
fache Form.  
In der Kathedrale ist u. A. der Sarkophag des h. Eleutherius zu be- 
merken, ein Schmuckwerk romanischer Art, aus vergoldetem Kupfer und 
mit Emaillemalereien, wie so viele Reliqniarien nud Aehnliches dieser 
Gattung am deutschen Niederrhein vorhanden sind. Er gehört der späteren 
Zeit dieses Kunstzweiges an und ist den prächtigsten Werken der Art zu- 
zuzählen. Namentlich ist er durch sehr zierlich ä-jour gearbeitete Orna- 
mente, statt des älteren Filigrans, ausgezeichnet. Manches ist in moderner 
Zeit roh ergänzt. 
Lille. 
Kirche St. Maurice. Nicht lang, fünf gleich hohe Schiffe mit 
schlanken gothischen Säulen. Hübsche Perspektive; ganz gut durchge- 
führt. Beim Chorschluss derselbe Uebelstand, wie bei der Kathedrale von 
Tournay. 
Auf dem Stadthause, in der dort aufgestellten Sammlung der 
Handzeichnungen, die Wicar der Stadt vermacht hat, eine weibliche Büste 
von Wachs, wenig unter Lebensgrösse; der Hals mehrfach gebrochen, doch 
erhalten; die Büste dem Uebrigen etwa im 17ten oder 18ten Jahrhundert 
hinzugefügt. Die Augen aus einer glänzenden Masse, namentlich der Stern 
schwarz, höchst glänzend; die Pupille rundlich erhaben, so dass sie durch 
die verschiedenartigen Spiegelungen eine sehr lebendige Wirkung hervor- 
bringt. Das Haar ist in antiker Weise geordnet, aber nur angelegt; es 
war gemalt und ist noch bräunlich. Das Nackte, in gelblichem, elfenbein- 
artigem Tone, hatte ohne Zweifel eine leise Naturfärbung. Die Lippen 
haben noch rothe Farbe. Von ganz wunderbarer Schönheit und feinster 
Reinheit der Formen, durchaus das Werk eines der ersten italienischen 
Meister der Zeit um 1500, möglicher Weise von der Hand des Leonardo 
da Vinci. Es ist in der That etwas von dem eigenthümlichen Hauche, 
der seine eigenhändigen Malereien beseelt, darin und zugleich, bei aller 
Idealität der Auffassung, viel portraitmässiges Element. Die Augenlieder 
sind etwas zusammengezogen, wodurch das Auge einen fast schwimmenden 
Ausdruck erhält. Leider hat die Oberfläche mehrfach, und namentlich 
auch am Rande der Augenlieder, gelitten. Dennoch hat das Werk auch 
in seiner jetzigen Beschaffenheit noch einen so ganz Cigenthümlighgn Reiz, 
wie ich nirgend etwas Aehnliches gesehen. 
Paris. 
 Kirche St. Germain-des-Pres. Romanisch; im Aeusseren ver- 
baut. Im Inneren hat besonders das Schiff hochalterthümlichen Charakter; 
doch ist dasselbe schon von Hause aus auf die Wölbung angelegt. Pfeiler 
mit starken Halbsänlen auf jeder der vier Seiten. Grosse starke Kapitale, 
theils mit Palmettenblattwerk, theils mit barbarischen figürlichen Sculp- 
tnren. Die Arkaden nicht gerade hoch, aber auch nicht eng. Kein Trifo- 
rium 0681" Sonst eine Dekoration unter den Fenstern. Wohl, wie ange- 
nommen wird, aus dem 11ten Jahrhundert.  Der Chor spätromanisch. 
Statt der Pfeiler Säulen (wie in Notre-Dame), mit Akanthuskapitälen von 
sehr schöner streng griechischer Bildung. Die im Chorschluss näher zu-
        

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