Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1492308
48 
Berichte und Kritiken. 
thischer Styl entwickelt, will ich hieräberühren. Es ist nu1' ein kleiner 
Thoil im Nordosten Frankreichs, den diese Monumente einnehmen; nur in 
Isle de France, Chainpagne und den Grrenzdistricten der benachbarten Pro- 
vinzen finden sie sich. (Der Verfasser selbst weist, zu einem andern Zwecke, 
in einer grossen Note am Schlüsse des Bandes dasselbe Verhaltniss nach.) 
Das bedeutendste Monument im Norden itou Frankreich, die Kathedrale 
von Amiens liegt freilich schon eben so sudlich wie Darmstadt; der süd- 
       
k, Dieser cwe_  r somi wenigs e 
giisddglriltzgiilllzfnd für die Entwickelung der gothischen Architektur ebenso 
prädisponirt erscheinen als Frankreich.  
Dann Spricht der Verfasser von der geringen Anzahl an bedeutenderen 
gothischen MOIIIJIIDBIICilI in lDeugstclälaräd; itatt derelzln fintllqe räanrliaähedäalben 
im sogenannten yzan inisc en y c urc aus vor errsc en  er at a ei 
aber nur das Rheinthal im Sinne; was weiter östlich liegt, berührt er 
kaum. Das giebt für die Sorgfalt seines Studiums freilich kein günstiges 
Vorurtheil. Im Rheinthal macht er auch nur vier gothische Kirchen, die 
Dome von Strassburg, Freiburg, Köln,und die Kirche von Altenberg nam- 
haft (Oppenheim u. A. scheint er gar nicht zu kennen). Auch lässt er von 
jenen vieren nur zwei als eigentlich deutsche Gebäude gelten, da Freiburg 
und Strassburg der Grenze des französischen Lebens zu nahe lägen, als 
dass sie für Deutschland selbständige Bedeutung haben könnten. Das ist 
freilich eine wohlfeile Argumentation. Im Gegentheil scheint es mir, dass 
wir Deutsche nicht nur auf jene ausgeschlossenen Gebäude, sondern auch 
noch auf einige andre, auf die Frankreich gegenwärtig stolz ist, _ein sehr 
wohlbegründetes Anrecht haben. Nicht _blos das Elsass ist ein rein deut- 
sches Land, auch Lothringen ist SGItMIIICht. gar lalntger Zgitlersä frafnzosirt 
worden- die schöne Kathedrale von etz ist nic im ty c er ranzo- 
sischgothischen, sondern der deutschgothischen Architektur erbaut. 
Ein weiterer Beweis für die geringe Blüthe der gothischen Architektur 
in Deutschland ist dem Verfasser die verhältnissmässig geringere Anwen- 
dung der Sculptur und der Glasmalerei. "Die deutschen Architekten", sagt 
er, "würden nicht gewusst haben, was sie mit den dreitausend Statuen 
von Rheims hätten anfangen sollen." Es liegt allerdings etwas Wahres in 
diesen Worten. aber ich meine, es gereicht nur zum Ruhme jener deut- 
schen Architekien, dass sie die Facaden ihrer Dome nicht in einer gleich 
maasslosen Verschwendung mit Sculpturen überdeckt haben. Was der 
Verfasser über deutsche Glasmalereien beibringt, verräth nur eine starke 
Ignoranz und bedarf keiner Widerlegung. 
Derjenige Beweis für die Ansichten des Verfassers, der wirklich eini- 
gen Gewicht hat, ist der, dass man die primitive Entwickelung der gothi- 
sffhelkArehitektur in Frankreich augenscheinlich verfolgen könne, während 
gieskin Deutschland auf keine Weise der Fall sei. Dies ist auch der 
un t, der bei den neueren deutschen Forschern Anklang gefunden hat. 
nDßT Bogen", so sagt der Verfasser über die ersten Typen des gothischen 
Elementes in Frankreich, "entfernt sich leis vom Halbkreise, zieht_seine 
Seiten zusammen und verlängert sie gegen den Himmel hin. Zu Anfang 
hat ma11_äT0SS_ß_ Mühe, zu unterscheiden, 0b es Spitzbogen oder Halbkreis 
15V Glefßhlßltlg erheben sich Thürme zu den Seiten der Faeftde; drei 
Pforten odnen sich an ihrem Fusse; die Giebelseiten des QüCfSChifTes ent- 
fallen Elch zu Prßßhtlgen Portalen, die Seitenwände der Eingänge um-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.