Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1496959
Gent. 
B riiäßm 
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sens I-loreb auf den Flügeln. Bei der l3eobaehtnng des allgemeinen Schul- 
typus ist die Gestaltung der Figuren minder vollkommen; die Arme z. B„ 
sind öfters zu kurz und drgl. Der Faltenwurf ist schon sehr eckig, doch 
aber so, dass noch grosse Linien vorherrschen; mehrfach sind diese in 
grosser Schönheit geführt. Die Färbung ist eigenthümlieh hell, licht und 
blass. 
Ausser einem höchst schönen Gemälde von Rubens (Aufnahme des 
h. Bavo in die Abtei St. Amand) fiel mir unter den in der Kathedrale 
befindlichen Gemälden besonders noch eine Auferweckung des Lazarus 
von Otto Venius auf, die im edelsten römischen Style seiner Zeit 
gehalten ist und für die künstlerische Befähigung dieses Künstlers den 
schätzbarsten Beleg giebt.  
Auf einer Ausstellung im Üniversitätsgebäude sah ich den kolossalen 
Drachen von vergoldetem Erz, der von der Spitze des Gleckenthnrms 
der Stadt abgenommen War und den der flandrische Kaiser Balduin von 
Constantinopel hieher gesandt haben soll. Es ist eine schwerfällig zusam- 
mengesehmiedete Arbeit, der Kopf stylisirt, der Schwanz skorpionenartig 
gebildet. Unbedenklieh ein byzantinisches Werk. 
Brüggß 
Kirche St. Sauveur. Gute gothische Zeit. Trelfliche Innen-Archi- 
tektur, im Chor mit Säulen, im Schiff mit Bündelpfeilern; die Triforien 
jedoch übermässig hoch und an sich nicht schön.  
 Das hier befindliche, mehrfach besprochene dem Hemling zugeschrie- 
bene Bild mit der Marter des h. Hippolyt ist, zumal im geistigen Gehalt, 
nicht sehr erbaulich. 
Ausser den Gemälden der Kirche zu bemerken: zwei, aus einer 
Anzahl von Platten zusammengesetzte messingne Grrabtafeln mit gravirter 
Darstellung, wobei alle Vertiefungen mit schwarzer Masse ausgefüllt sind. 
Auf jeder Tafel zwei Gestalten, Mann und Frau. Die erste Tafel ist vom 
J. 1423 und noch völlig in der Linienführung des germanischen Styles, die 
in einfach starken Conturen, aber in sehr grossartiger Weise, angegeben 
ist. Beide Gestalten in Grabgewänderu, die auch Stirn und Augen be- 
decken. Die andre Tafel, vom J. 1515, hat viel weniger Styl und dabei 
die Angabe von Schattirung, was keine gute Wirkung hervorbringt. 
Kirche Notre Dame. Die Architektur, ursprünglich frühgothisch, 
Schwer, verworren und nicht anziehend. Unter den hier vorhandenen 
Kunstschätzen die berühmte lebensgrosse Madonnenstatue, die dem Michel- 
angeln Buonarotti zugeschrieben wird. Ich kann mich nur der Ansicht 
auschliessen, welche in diesem, allerdings höchst schätzbaren Werke die 
Arbeit eines andern gleichzeitigen italienischen Meisters erkennt.  
Gemälde-Sammlung des Johanuis-Hospitales, in welcher 
die berühmtesten Werke von Hemling befindlich. Zur Vervoliständigllllg 
anderweitiger ausführlicherer Mittheilungen die folgenden Notizen: 
Die Miniaturbilder an dem berühmten Reliquienkasten der h, Ursula, 
welche die Legende dieser Heiligen darstellen, in ihrer Totalität allerdings 
im höchsten Grade anziehend. Leider jedoch haben sie sehr gelitten und 
sind (angeblich vor 26 Jahren) durchgehend restaurirt worden, wodurch von
        

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