Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1496933
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Sturz der bösen Engel, gegenwärtig als akademisches Staatsbild ziemlich 
verrufen, doch mit einigen schönen Köpfen und sehr vielem Talent; auch  
in den tollen Teufeleien nicht ohne Laune.  F. Frank d. ä.: Nr. 37, 
Mahl zu Emaus. Ein einfacher Manierist.  F. Pourbus: Nr. 13. Predigt 
des heil. Eligius; bemerkenswerth durch die Anzahl individueller Gesich- 
ter , die aber im Ausdruck sehr kalt.  Martin de Vos: grössere Anzahl 
von Bildern. Stets ein talentvoller und sorgfaltiger Manierist; gelegentlich 
mit Aufnahme von Elementen des Garofalo. In einem grossen Bilde der 
Versuchung des heil. Antonius (Nr. 34) auch hier höchst tolle Teufeleien. 
 Otto Venius: ebenfalls zahlreiche Bilder. Er erscheint in diesen, 
die zumeist wiederum an die Einfachheit des Garofalo erinnern, als ein 
tüchtiger Raphaelist. Eins der Bilder (Nr. G6), welches den Besuch des 
heil. Nikolaus bei einer armen Familie zum Gegenstandc hat, zeichnet sich 
in den darin dargestellten drei arbeitenden Mädchen durch eine sehr liebens- 
würdige und ansprechende Naivetät aus.  Auch Martin Pepyn verräth 
in einer Predigt des heil. Lucas (Nr. 64) bei ganz tüchtiger Arbeit die 
Beobachtung der Richtung Raphaels im Sinne des Garofalo.  
Rubens ist im Museum durch nicht weniger als achtzehn Bilder 
(Nr. 72- 89 des Katalogs) vertreten. Ich habe die herkömmliche Begeiste- 
rung für die meisten derselben, bei aller gründlichen Ehrfurcht vor dem 
Meister, nicht theilen können. Hier meine Notizen:  Nr. 72. Der gekreu- 
zigte Heiland zwischen den Schächern; aus der späteren, übernachlässigen 
Zeit.  Nr. 73. Die heil. Therese, für die armen Seelen im Fegefeuer 
bittend; genial hingefegt.  Nr. 74. Die heil. Dreifaltigkeit; ziemlich roh 
und unschön.  Nr. 75. Erziehung der heil. Jungfrau. Bekannte Compo- 
sition. Ein heiter dcrbglänzendes Leben; eigentlich schön aber nur der 
Kopf der Anna.  Nr. 76. Communion des heil. Franciscus; gross, mit Ge- 
walt auf den Effekt hingefegt.  Nr. 77. Anbetung der Könige; auch ganz 
wüst und bis zur Barbarei hingefegt.  (Nr. 78. Kleine Wiederholung der 
Kreuzabnahme in der Kathedrale.)  Nr. 79. Christus, dem Thomas die 
Seitenwunde zeigend; nicht ganz erfreulich, etwas schwer Conventionell. 
Nr. 80 und S1 die dazu gehörigen Flügelbilder, mit den vortrefflichen 
Bildnissen der Donatoren.  Nr. 82. Klage über dem Leichnam Christi 
(der auf untergestreutem Stroh liegt, daher der Name des Bildes „le Christ 
a la paille"), und die dazu gehörigen Flügelbilder: Nr. 83, der Evangelist 
Johannes; Nr. S4, Maria mit dem Kinde. Grosse malerische Kraft und 
Meisterschaft; das Mittelbild vortretflich componirt, aber keine Ahnung 
von geistigem Ausdruck.  Nr. 85. Heilige Familie. Volles quellendes 
Leben, Joseph sitzt hinter Maria, sie, mit vielleicht nicht gar würdigen 
Gedanken, hochroth und glühenden Blickes betrachtend.  Nr. 86. Christus 
am Kreuz. Hier endlich Rubens wieder ganz auf dem Gipfel seiner Herr- 
lichkeit. Ein so grossartiges und edles, wie höchst meisterhaftes, furchtbar 
hinreissendes Bild.  Nr. 87  89, drei prächtig geniale architektonische 
Skizzen für die Angelegenheiten eines Triumphfestes. 
Notizen über einige der Bilder von Rubens Zeitgenossen und Schülern: 
Abraham Janssens: No. 92. Allegorische Gestalten des Scheide- 
flussgg und der Stadt Antwerpen; mächtig caravaggesk, nur etwas kalt.  
No, 93. Anbetung der Könige. ähnlich, doch zugleich etwas wirr. 
Cornelius de Vos: N0. 98. Der Concierge der Corporation des h. 
Lucas (1620): ganz vortrefflich, einem van der Helst ziemlich nah, doch 
fast noch freier; etwas von holländischem Hellduukcl.  N0. 97. Sccne der
        

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