Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1496901
502 
J ahr 
vom 
Reisenotizen 
1845. 
licher Kuchenbäclaeraufsatz, allenfalls nach einem malerischen Princip be- 
handelt, das aber doch nur, trotz der Masse und Höhe, als ein kindisches 
bezeichnet werden kann. 
In der Kathedrale die drei berühmten grossen Bilder von Rubens. 
Mit der Kreuzabnahme habe ich mich nicht völlig befreunden können; es 
ist mir zu wenig wahr-hafte Grösse darin. Ungleich besser in der gewal- 
tigen Wirkung, die sich mehr auf das Ziel coucentrirt und wo der eben 
gefesselte Erlöser einen viel bedeutenderen und geistiger belebten Mittel- 
punkt ausmacht, gefallt mir die Kreuzaufrichtung. Die Reiter zur Seite 
dieses letzteren Bildes, auf dem einen seiner Flügel, sind prächtig. Wun- 
dervoll aber ist auf dem einen der Flügel der Kreuzabnahme, der die 
Heimsuchung enthält, das junge Mädchen, welches seitwärts die Treppe 
hinaufsteigt, eine überquellende und doch so jungfräuliche brabantische 
Schönheit. Nicht minder ist der heil. Christophorus auf dem Aussenbilde 
herrlich und der Christusknabe auf seiner Schulter, kühn gegen das Licht 
des Eremiten hingewandt, ein göttlich kräftiges Naturleben.  Das Bild 
der Himmelfahrt Mariä, später als die ebengenannten und aus Rubens 
letzter Zeit, ist schon starkes Rococo. 
Unter den andern Bildern, die die Kathedrale enthält, mehrere von 
Otto Venius, eine Kreuzabnahme, eine Auferweckung des Lazarus, ein 
Abendmahl u. s. w. Er hat in diesen Bildern, obgleich manieristisch be- 
schränkt, doch etwas ganz Tüchtiges, wie eine Nachfolge der Richtung 
des Garofalo. 
Kirche St. Jacques. Bau aus der Spätzeit des löten Jahrhunderts; 
das Hauptschiff auf Säulen. Hier ein sehr schönes Verhältniss und sehr 
weise Eintheilung des Ganzen, so dass der Eindruck des Innern ein vor- 
zugsweise erfreulicher ist. 
Die hinterste Kapelle der Kirche ist die Begräbnisskapelle des Rubens 
und seiner Familie. Der Altar derselben mit einem berühmten Gemälde 
seiner Hand, eine Maria mit dem Kinde vorstellend, die von Heiligen um- 
geben ist; die letzteren angeblich Bildnisse von Personen der Familie; der 
unter ihnen belindliche h. Georg bestimmt Rubens eigenes Portrait. Die 
Oomposition als solche ist unschön, in correggesker Manier. Der den 
Heiligen zugesellte Saturn, im Vorgrunde des Bildes, ist gespreizt, der 
Georg ohne Ursache heftig bewegt, der h. Hieronymus fast eine Grimasse. 
Aber das Ganze ist nichtsdestoweniger von gediegenstem Machwerk und 
das vorn gerade stehende Weib mit cntblösstem Busen überaus herrlich; 
ebenso der Kopf des zweiten Weibes. Hierin zeigt sich das Schönste: 
dessen Rubens an Darstellung überhaupt, wie an Farbe insbesondere, mäch- 
tig ist.  Ueber dem Altar ausserdem die Marmorstatue einer Mater dolo- 
rosa von F. Duquesnoy, ein Werk von einfacher Schönheit, leider etwas 
schwer in den Falten. 
Unter den übrigen Kunstschätzen der Kirche: eine Auferstehung von 
H. van Balen, ein gutes Bild in seiner Art; darüber die Portraits des 
Malers und seiner Frau, von van Dyck gemalt, zu den wundervollsten 
Leistungen des letzteren gehörig;  ein jüngstes Gericht von J. van 
Heemsen, auch dem B. van Orley zugeschrieben, nicht ohne Bedeu- 
tung in den Studien des Nackten und hierin für die Epoche des Auf- 
gehens der alteinheimischen Richtung in die italienische charakteristisch 
bezeichnend.
        

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