Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1496896
Brüssel. 
Antwerpen. 
501 
Poru-aitköpfe ansprechend naiv.  Franz F10 ris. No. 92, grosses jung- 
stes Gericht, ein Hauptbild des Meisters; höchst widerwärtig.  Otto 
Venius. No. 239, Christus am Oelberge, grosses Bild mit Flügeln. Der 
Bieister erscheint hier als ein schwacher, etwas florentinisirender Manierist, 
 Philippe de Champaign e. No. 25, Darstellung im Tempel, dem 
Poussin ähnlich, doch milder und etwas mehr farbig.  Derselbe. No. 
26-35, Scencn aus der Geschichte des heil. Benedict. Schlicht und ganz 
vortrefflich. Die Landschaft einfach ccnventiunell. Sehr charakteristisch 
für die neureligiöse Richtung Frankreichs, die zu seiner Zeit (er starb 1674) 
sich geltend machte. 
Antwerpen. 
Die Kathedrale. Siebenschiffig. Die gcsammte innere Composition 
ist eigentlich durchaus unarchitektoniseh, im höheren Sinne des Worts; es 
ist gar kein fester Organismus, keine Entwickelung da; das Auge wird 
nicht auf eine bestimmte Richtung hingeleitet, nicht gesammelt, sondern 
zerstreut. Der Blick geht viel weniger vorwärts und aufwärts, als seit- 
wärts, durch die breiten Zwischenweiten in die vielfach gegliederten Räume 
der Seitenschitfe. Es ist eigentlich durchaus Hallen-Architektur, wobei 
sich über der Mittelhalle das Oberschiff nur fast zufällig, ungehörig zu 
dem Uebrigen, erhebt. Aber als lrlallen-Architektur betrachtet, als auf die 
Bewegung im Raume berechnet, ist die Wirkung völlig wunderbar. Das 
malerische Element im Gegensatz gegen das architektonische, die Perspek- 
tive,  doch nicht sowohl die Linear-Perspektive, als vielmehr die Wirkung 
der Licht- und Luft-Perspektive im Einschluss jener,  feiert hier einen 
der grössten Triumphe. Das architektonische WVerk ist ein ausserordentlich 
schöner Rahmen für solchen Zweck, doppelt und hundertfach schön, da jeder 
neue Standpunkt auch neue Bilder giebt. Dass die Pfeiler wirkliche Pfeiler 
und keine Säulen oder Säulenbündel sind, wirkt hiebei vortrefflich mit, 
ebenso wie ihre mannigfache, überall mehr rahmenartige Gliederung (mit 
breiten Kehlen- und Wellen-Profilen). Selbst der Mangel des Kapitäles 
ist für diesen Zweck vielleicht günstig; auch die an sich unschöne, mehr 
pilasterartige Basis steht hiezu in geeignetem Verhältniss. Der Oberbau 
des Mittelschiiifes ist hors-dhnuvre, eine Tradition, die man leider nicht 
abwerfen konnte; dies letztere allerdings schon desshalb nicht, weil dieser 
Oberbau, bei dem stärkeren Licht, welches durch ihn einfällt, doch auch 
wieder für die Lichtwirkung von Bedeutung ist. Sein Organismus ist 
ganz mangelhaft. Die drei Halbsäulen, welche hier an den Pfeilern bis 
zu den Gewölbgurten emporsteigen, sind plump und schwach zugleich; das 
Gewölbe (einfaches Kreuzgewölbe) bringt einen viel zu schwachen Ein- 
(lruck hervor: es hätte ein Sterngewölbe sein müssen, wie ein solches in 
der 'l"hat im Querschiff zur Ausführung gekommen ist. Man fühlte vielleicht, 
dass man das Imposante des Oberbaues nach der principmässigen Form hier 
nicht brauchen konnte, und wandte desshalb namentlich auch jenes leich- 
tere Stabwerk unter und zu den Seiten der Fenster an, das aber doch nur 
eine dekorative Abhülfe bildet und in andrer Beziehung den Widerspruch 
vermehrt.  Das Aeussere der Kathedrale ist schlecht, durchaus ohne Ent- 
wickehmg (wie dies J. Burckhardt, in den „Kunstwerken der Belgischen 
Städte" 1842, umsichtig auseinandergesetzt hat); im Detail ein nüchternes 
Leisten- und Schnörkclwcrk. Die obere Spitze des Thurmes ist ein förm-
        

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