Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1496831
Prag 
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ltomanischen übliche Platte; selbst in den Kreuzgurten ist die Reminisnnnz 
daran in Form eines Plättchens vorhanden. Im Chor wird die letztere 
jedoch schon zur vertretenden Spitze.  Die Kirche befindet sich im 
Privatbesitz. 
Karlshofer Kirche. vom J. 13.31 i). Achteckiger Bau mit Chor. 
Einfaches Gothisch. der Zeit Kaiser Karls IV. (des Prager Dombaues). 
Merkwürdig die Distribution der Gewölbgurte. Bunte Bemalung an Wän- 
den und Gewölben, dem Anscheine nach eine im 17ten oder 18ten Jahr- 
hundert ausgeführte Erneuung nach alten Mustern, etwa wie Dasselbe in 
der Kirche St. (äereon in Köln stattfindet. Die Anwendung reicherer Be- 
malung dürfte ein Anschliesscn an den glänzenden Schmuck der Karl- 
stciuer Kapelle verrathen. (Vergl. unten.) 
Im Dom mannigfache Denkmäler im Style des Ciaquecento.  in der 
Siegmundskapelle ein merkwürdiger bronzencr Kandelabcrfuss. ein reiches 
Ranken- und Drachengetlecht mit menschlichen Gestalten enthaltend, in 
denen noch antike Reminiscenzen zu bemerken. Der Sage nach aus dem 
Tempel Salomonis. Wohl Anfang des elften Jahrhunderts.  Reicher 
Üomsehatz. Viele schöne Reliqniarien, Monstranzen u. dergl. Besonders 
schöne Arbeiten aus der Zeit Karls lV., namentlich einige mit vortreff- 
lichen Niellen. Auch ein Buch mit reichen Miniaturen aus der Zeit 
um 1100. 
Auf dem Schlosshofe vor dem Dome die bronzene Reiterstatue des 
h. Georg, 1373 von Martin und Georg Clussenbaßh srgßsßßv-  
aus merkwürdig. Reizendes Lebensgefühl und Bewegung in der jugend- 
lichen Rittergestalt, besonders in der Ansicht den Rücken hinab. Das Ge- 
sieht noch in typischer Grundform (an Augen und Lippen), doch mit 
entschiedener Absicht, zu naturalisircn; Stirnrunzeln u. dergl. als Ausdruck 
der Kraftanstrengung. Höchstes Detail im Kostüm.  Schuppenpanzer und 
Schienen. Das Pferd schwer, doch auch in lebendiger Form. Hübsche 
Einzelheiten auf dem Sockel, Eidechse und Aehnliches. Das Ganze scheint 
völlig e i n Guss. Der Hals des Pferdes war gebrochen. 
Gemäldegallerie des Stiftes Strahow. Besonders notirt: 
l. Kolossale Maria mit dem Kinde. Spätere Zeit des 14ten Jahrhun- 
derts. Energisch. im Fleisch der nürnbergischen Behandlungsweise ver- 
wandt; in der Gewandung das Weissliche vorherrschend. Streben nach 
grossartiger Lieblichkeit. 
2. Heilige Barbara; Halbtigur. Vortrefflich; dürfte eine nürnbergische 
Arbeit der Zeit um 1400 sein. 
3. Zwei Flügelbiltler, auf den äusseren Seiten die Verkündigung, auf 
den inneren Maria mit dem Kinde und Johannes. Dürefsche Zeit; und 
einzelng Dürerlsche Motive; zugleich eine eigenthümlich edle Ruhe. Eine 
gewisse Rnndliehkeit der Formen und graulich zarte Schattentöne bei 
etwas handwerkgmäSsigem Wortrag lassen auf eine Nachwirkung altböhmi- 
scher Schule rathen. 
4_ Gyosses Gemälde, ursprünglich von Albrecht Dürer. Maria mit 
dem Kinde, in heitrer Landschaft thronend. Vor ihr und zu ihren Seiten. 
knieend, der Papst, der Kaiser (Maximilian), geistliche und weltliche 
Würdenträger, auch Frauen, die Alle durch Maria. das Christkind, den 
in Dominicus und Tingel mit Rosenkränzen geschmückt werden. 1m Vor- 
Ebenda,
        

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