Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1496752
Geschichte 
bildenden 
der 
Künste. 
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kennen; die alleinige Gegenüberstellung jenes Opfers aber sichert dem 
letzteren unbedenklich eine hervorstechende Bedeutung, die nicht in einer 
ganz allgemeinen Moral, sondern nur in der unmittelbaren, zunächstliegen- 
den Beziehung auf Christi eigenen Opfertod gefunden werden kann. Bei- 
läufig bemerke ich, dass dies Schnitzwerk zu den frühesten christlichen 
Arbeiten gehört, die auf unsere Zeit gekommen sind; die Behandlung ist 
noch völlig römisch.  Vorstehende Bemerkungen mögen zugleich als ein 
wesentlicher Grund dienen, wesshalb ich einige spätere Aeusserungen des 
Verfassers über jene synibolisirende altchristliche Kunst, in denen er sie 
als nwcichlich", als nsüsslich" bezeichnet, nicht unterschreiben kann. 
Das zweite Buch behandelt die "byzantinische Kunst." Ich halte 
diesen Abschnitt für die wichtigste Leistung des Verfassers innerhalb der 
bisher erschienenen Bände. Die Freunde der Kunstgeschichte haben ihm 
sowohl für die grosse Bereicherung des stofflichen Materials, als für die 
ächte philosophisch-historische Behandlung und Bestimmung desselben 
sehr lebhaften Dank zu sagen. Die vielfache Unbequemliehkeit, die uns 
die Beschäftigung mit dcr byzantinischen Kunst seither darbot, scheint mir 
hier in beiden Beziehungen sehr glücklich beseitigt und somit ein Stück 
kunsthistorischen Bodens sicher erobert, das doch von vielseitiger Wich- 
tigkeit auch für andre, mehr oder weniger nah daran angrenzende Partieen 
ist. Vortrefflich ist zunächst das ausführliche einleitende Kapitel, welches 
eine Darstellung der kulturhistorischen Zustände des byzantinischen Rei- 
ches giebt und hierin die uothwendig vorhandene, das Innerste des Lebens 
berührende Mischung heidnischer und christlicher Elemente und die ebenso 
nothwendige, mehr und mehr sich steigernde Ilinneigung zum Orientalis- 
mus darlegt. Dies letztere erscheint hienach als der wesentliche Grund 
jener byzantinischen Erstarrung in Leben und Kunst: der byzantinische 
Staat aber hat hienach für das nachmals anhebende, eigenthümlich neue 
Leben des Occidents die grosse Bedeutung, dem letzteren und seiner Kunst 
nicht bloss die antike Tradition zu bewahren, sondern ihm zugleich von 
Zeit zu Zeit orientalische Elemente, aber auch diese schon auf christlich- 
europäische Weise verarbeitet, als nothwendigcs Ferment zuzuführen.  
Die Besonderheiten, in welchen im byzantinischen Reiche selbst sich die 
Architektur, sowie die Plastik und Malerei unter diesen Verhältnissen gc- 
staltete, entwickelt der Verfasser in zwei folgenden Kapiteln; ausführlich 
und doch gehalten geht der Verfasser näher auf diese Elemente ein. Für 
die Architektur, wo neuerlich in Betreff der ravennatischen Werke durch 
v. Quast vorgearbeitet war, giebt er insbesondere über die mit dem Bau 
der Sophienkirche zu Constantinopel gleichzeitigen und über die späteren 
Bestrebungen eine reichliche Anzahl charakteristischerNotizen, die auf solche 
Weise bisher noch nicht benutzt waren. in dem Kapitel über Plastik und 
Malerei setzt er zunächst die Feststellung, der kirchlichen Kunsttypen, 
namentlich des Ohristusbildes, die gleichzeitig eintretende Richtung auf das 
Historische (im Gegensatz gegen jene ältere Symbolik) und die Ausbildung 
des Mosaikentypus auseinander, bei welchem letzteren der Verfasser nur 
vieueicht etwas zu weit geht, wenn er alle dahin einschlagenden Bestre- 
bungen unter der Rubrik der byzantinischen Kunst abhandelt. Hierauf 
folgt eine Uebersicht des weiteren Verlaufs der letzteren, wobei vornehm- 
lich die Rücksicht auf die Miniaturmalereien der Manuscripte und auf die 
scharfsinnigen Bemerkungen Waßgelfs über dieselben maassgebend war.
        

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