Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1496739
bildenden 
Geschichte der 
Künste. 
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lieh, Zn entschieden sagt der Verfasser (S. 425), dass die dorische Säulen- 
Ordnung bei den Römern eigentlich gar keine Anwendung gefunden habe, 
indem dooh, abgesehen von dem gar nicht seltenen Vorkommen derselben 
als Dekoration (in Halbsäiilen und Pilastern), auch mancherlei Reste wirk- 
licher Säulenstellungen dieses Styles vorhanden sind, z. B. die grosse An- 
zahl römiscli-dorischer Säulen. die zum Ausbau der Basilika S. Pietro ad 
Vincola verwandt sind. Freilich scheint, es, dass dergleichen im Ganzen 
mehr der Entwickelungs- und der ersten Glanzzeit der römischen Archi- 
tektur angehört habe; auf die erstere hätte der Verfasser, da es wenigstens 
an einzelnen Anknüpfungspunkten nicht fehlt, wohl etwas näher eingehen 
können, als es S. 474 f. geschehen ist. Bei der Betrachtung der Sculptur 
ist das eigenthümlich Römische, das sich (wie auch schon bei den Etrus- 
kerii) in den Bildnissdarstellungen, und zwar in der künstlerischen Durch- 
bildung des Persönlichen, kund giebt, lebendig hervorgehoben; bei der 
Betrachtung der Reliefs hätte ich gewünscht, dass auch hier etwas mehr 
Bezug auf das volksthümlich Individuelle genommen wäre.  Als vorzüg- 
lich ausgezeichnet erscheint die Schlussbetrachtung des zweiten Bandes, 
mit welcher der Verfasser sich über die welthistorische Bedeutung der 
griechisch-römischen Kunst in allgemeinen Zügen auslässt. Den Römern, 
so sagt er, gilt die Kunst (die griechische, -_die es mit der "allgemeinen, 
allverständlichen" Schönheit zu thun hat) gleich Anfangs als eine geistige 
Ueberlieferung, welche sie aufnehmen und auf alle Lander übertragen. 
nSie hat erst jetzt ihre geistige Bestimmung erreicht, S1e_ 1st Zlfr freien und 
bewussten Aufgabe der Menschheit geworden; sie unterliegt nicht inehnder 
Vermischung mit der Religion, einer linklarheit, welche auch fur diese 
verderbnoh war. Der Begriff" der Schonheit ist entstanden, wenn auch 
noch nicht in seiner vollen Bedeutung gekannt.    "llldßlll. die Kunst 
sich vollständig ausbildete, zog sie die sinnlichen Bestandthcile an sich, 
welche bisher auch die Religion iindgVVissenschaft getrübt hatten; das gei- 
stige Leben der Menschheit trat in diesen drei Formen vollständig hervor 
und stellte sich dem Natnrleben entgegen."  Die Eingangs erwähnte Ton- 
denz des Verfassers, besonders die allgemeinen, weltgescliichtlichen Beziehun- 
gen hervorzuheben, doknnientirt sich in dieser Abhandlung aufs Glücklichste. 
Der dritte Band, die Geschichte der altcliristlichen und der muhame- 
danischen Kunst enthaltend, führt uns, wie dies bereits oben angedeutet 
ist, in ein Gebiet hinüber, wo das Verhältniss des Verfassers zu seinem 
Material ein wesentlich andres sein musste. Zunächst indess schliesst sich 
der Inhalt dieses Bandes und die Beschaffenheit desselben doch noch eng 
an den Inhalt des vorigen an, um so mehr, als C161" Verfasser die letzten 
Erscheinungen der römischen "Kunst in den neuen Band (der sogar eine 
neue Reihenfolge der Bände erolfnet) hiniibergenornmen hat. Br ist hierin 
in sofern wenigstens volligun seinem Rechte, als diese lLTSCllBlnUDgOli un- 
bedenklich eben so sehr die ersten, obschon noch unbewussten Regungen 
eines neu erwachende-n Kuiistsinnes als das Absterben des Alten bezeich- 
neu, Das erste Buch des dritten Bandes fuhrt die Ueberschrift: "Erste 
Regungen der christlichen Kunst, _von Gallienus bis zum Untergangs des 
weströmischen Reiches." Das einleitende Kapitel giebt eine lebendige Dar- 
Stellung des wirren, unklaren, gahrenden Zustandes, in welchem die Welt 
und Irarnentlich das geistige Streben sich dazumal befand, aus dem aber 
ein neues Dasein sich herausarbeiten sollte. Die Keime des letzteren, S0- 
fern es die künstlerische Bethätigung betraf, weist der Verfasser In (1811
        

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