Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1496662
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Berichte und Kritiken. 
müssten. Je mehr es auf Dinge, die nicht mathematisch zu beweisen sind, 
und auf geistige Auffassung überhaupt ankommt, um so grösseres Gewicht 
hat wiederum der individuelle Standpunkt, der mannigfache Modifikationen 
der Ansicht zulässt. Bei aller Schönheit und Lebendigkeit der einzelnen 
Schilderungen habe ich somit hier doch nur mehr den Wcrth der Gesammt- 
richtung des Buches darlegen wollen. Auch will ich es keinesweges ver- 
theidigen, dass der Verfasser bei der Ausbeutung der historischen Be- 
ziehungen gelegentlich auf äussere, zufällige Nebendinge ein Gewicht legt, 
das diesen nicht zukommt, und dass er solcher Gestalt ein oder ein anderes 
Mal das freie Kunstwerk wieder die Rolle eines Symbols spielen lässt. 
Die äussere Einrichtung des Buches macht dasselbe zu einem bequemen 
Begleiter auf der Gallerie. Ein angehängtes Register und ein litographir- 
ter Grundriss der Gallerie dienen zur leichteren Orientirung in den Räumen 
derselben. Ein ausserdem beigegebenes Verzeichniss der HanfstängPschen 
Steindrucke nach Gemälden der Gallerie, nebst Angabe der Preise, wird 
manchem Besucher nur erwünscht sein. 
Ueber die beiden Exemplare der Holbeinischen Madonna mit 
der Familie des Bürgermeisters Meyer, zu Dresden und zu 
Berlin. 
(Kunstblatt 
184a, No. 
lch war im vorigen Herbst auf kurzem Besuche in Dresden und erfreute 
mich aufs Neue der nie genug zu bewundernden Schätze der dortigen 
Gallerie. Neben den prächtigen Werken der grossen italienischen und nie- 
derländischen Maler fesselte mich namentlich auch, wie jeden Beschauer, 
jenes hohe Meisterwerk deutscher Kunst, die Holbeinische Madonna, die 
von der Familie des Baseler Bürgermeisters verehrt wird. Der stillen Ge- 
müthstiefe, dem sichern Bewusstsein der Gemeinschaft mit dem Heiligen, 
mit dem in die unmittelbare Erscheinung getretenen Göttlichen, das aus 
dieser Composition spricht, hat sich noch Keiner, der dieselbe näher be- 
trachtet, entziehen können. Das Bild ist zu bekannt, als dass ich nöthig 
hätte, hier noch ein Wort zu seiner Charakteristik zu sagen. Bei längerem 
Verweilen vor dem Bilde konnte ich indess wegen einiger Punkte der 
Auffassung und besonders der technischen Behandlungsweise, die mir auch 
schon früher, wenn gleich nicht so entschieden, aufgefallen waren, ein 
Bedenken nicht unterdrücken. Der Kopf der Madonna hat einen ganz 
eigenen Reiz, wie wir ihn kaum in einem andern deutschen Bilde wieder- 
finden; aber es ist ein Anklang an moderne Gefühlsweise,  ich möchte 
sagen: etwas der weiblißhell Allffaäsungsweise Verwandtes darin, was bei 
einem S0 energisch schaffenden Meister wie Holbein fast befremdlich erschei- 
nen dürfte. Dann gehen in der Carnation zum Theil, namentlich in dem 
Körper des Christkindes und auch bei der Madonna, grünliche Halbtöne 
durch, wie sie in solcher Art wohl kaum anderweitig bei Holbein ge-
        

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