Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1496654
Die Dresdener 
Gsmäldegallerie. 
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Weise zuweilen absichtlich, in einer Art von Resignation, als Laie gegen- 
über; dennoch können auch wir aus seinem Buche Manches lernen, was 
uns sehr zum Vortheil gereichen dürfte. 
Speziell erfreulich erscheint mir das Buch, neben den allgemeinen 
Vorzügen, in Rücksicht auf die Epochen der Kunst, die es, der Beschaffen- 
heit der Dresdener Gallerie gemäss, zum Gegenstande der Betrachtung 
nimmt. Bekanntlich besitzt diese Gallerie aus den vorbereitenden Ent- 
wickelungsepochcn so viel wie Nichts, während der Reichthum ihrer Mei- 
sterwerke gerade mit dem Zeitpunkte beginnt, wo das mittelalterliche Streben 
sich erfüllt hat, wo die Bande der Tradition und der Convention voll- 
ständig abgeworfen werden und wo zugleich die technischen Studien so 
weit gediehen sind, dass die Kunst sich nunmehr ganz in eigenthümlicher 
Freiheit (zum Guten wie gelegentlich auch zum Bösen) bewegen kann. 
Wir haben neuerdings mit dem lange vernachlässigten Studium jener 
Entwickelungsepochen so viel zu thun gehabt, dass wir darüber die Zeit 
der freien Vollendung und Meisterschaft fast zu wenig im Auge behielten; 
bei dem Interesse, das jenes Studium in seinen fortschreitenden Erfolgen 
uns abgewann, bei der Theilnahme, die wir dem wunderbaren Wachsthum 
der jungen Pflanze IIOiChWCDÜlg schenken mussten, hat es sich zeitenweise 
wohl ereignet, dass wir das Werden und das Wollen für bedeutender 
hielten, als das fertige Dasein und die gediegene 'l'hat, dass wir bei Dar- 
Stellungen, die, mit unvollkommenen Mitteln gearbeitet, auf eine Ausfüllung 
ihres nur angedeuteten Inhalts durch eigene, mitproducirende Thätigkeit 
im Geiste des Betrachtenden berechnet waren, fast lieber verweilten, als 
bei solchen, wo wir uns in gewissem Sinne passiv verhalten mussten und 
nur das Gegebene, wie es da war, uns anzueignen hatten. Wir waren 
dazu um so leichter verführt worden, als bei jenen unvollkommenen Dar- 
stellungen sich die äussere Bedeutsamkeit des Gegenstandes, an die sich 
eine beliebige Gedankenverbindung am bequemsten anknüpfen lässt, vor- 
zugsweise geltend machte, während es bei den vollendeten Werken nicht 
sowohl auf den Gegenstand an sich ankommen kann, als vielmehr auf die 
Weise der künstlerischen Vollendung überhaupt, auf die Art, wie das 
Unendliche im ländlichen oiicnbar gemacht wird, wie das Leben des Geistes 
unmittelbar (und ohne allerhand Zwischenideen) in die Erscheinung tritt. 
Dem Bedürfniss, nach all jenen Studien nun auch wieder zu den Zeiten 
der vollendeten Kunst zurückzukehren, kommt in der That das Buch von 
Mosen in seiner beredten Sprache auf eine schöne Weise entgegen. Es 
entwickelt frisch und verständlich, wie die Kunst die Bedingnisse der 
Tradition, die, wenn auch glänzenden, so doch immer hemmenden Fesseln, 
die ihr für einen, ausserhalb ihrer selbst liegenden Zweck angelegt waren, 
abstreifte und sich ihr eigenthümliehes Reich eroberte. Neben den Werken 
der genesen Italiener des löten Jahrhunderts sind es also besonders die 
der Niederländer des 17ten, die hier wieder zu ihrer gebührenden Ehre 
gelangen, nachdem sie, obschon im Kunsthandel immer ansehnlich taxirt, 
lll der Literatur geraume Zeit nur etwas stiefmütterlich bedacht waren. 
Für die tiefere Auffassung der niederländischen Kunst dieser Zeit kommen 
hier fast nur noch die betreiienden Abschnitte in Schnaases Nieder- 
ländischen Briefen in Betracht; diese und Mosens Darstellungen geben aber 
auch vortreffliche Gesichtspunkte für die Auffassung. 
Mit dem Vorstehenden soll übrigens nicht gesagt sein, dass Mosens 
Ansichten und Urtheile überall und unbedingt unterschrieben werden
        

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