Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1496541
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Berichte und Kritiken. 
Theile anbelangt, mit dem Dome von Naumburg und mit den Gebäuden, 
welche dem letzteren verwandt sind, nicht eigentlich mehr in dieselbe 
Klasse zu setzen ist, vielmehr eine andre Klasse, die wiederum ihre pro- 
vinziellen Eigenthümlichkeiten hat, einleitet. 
Es schien mir nicht überflüssig, den Raum für die Reihenfolge der 
vorstehenden Bemerkungen in Anspruch zu nehmen, da das Eingehen auf 
diese lokalen Besonderheiten und die Darlegung derjenigen kunsthistori- 
sehen Kritik, die nach meiner Ansicht die einzig richtige ist, für das Ge- 
sammtgebiet der vaterländischen Kunstgeschichte nicht ohne wesentliches 
Interesse sein dürfte.  
Ich muss mich nunmehr noch einmal zu dem Werke des Hrn. Dr. 
Puttrich zurückwenden. Die Lieferungen über den Naumburger Dom 
beschliessen den ersten Band der zweiten Abtheilung. Ausser ihnen ist 
noch eine andre neuerlich erschienene Lieferung, die siebente der ersten 
Abtheilung, welche den Cyklus der Denkmale der Baukunst des Mit- 
telalters in den herzogl. AnhalUschen Landen beschliesst, zu 
besprechen. Auch diese Lieferung ist reich an belehrenden, zum Theil 
wirklich überraschenden Mittheilungen. Der wichtigste Gegenstand, den 
sie behandelt, ist die, seither in der vaterländischen Baugeschichte noch 
gar nicht genannte Kirche des ehemaligen Klosters Heeklingen, eine 
wohlgebildete Basilika, in deren Innerem Pfeiler und Säulen wechseln 
und als deren Bauzeit durch den Herausgeber auf den Grund historischer 
Nachrichten, ohne Zweifel richtig, die Zeit um das Jahr 1130 bestimmt 
wird. Ueberaus merkwürdig aber ist in dieser Kirche der Einbau einer 
ausgedehnten steinernen Empore, der einen grossen Theil ihres inneren 
Raumes auf der Westseite und das gesammte südliche Seitenschitf ausfüllt. 
Die Säulen und Pfeiler der südlichen Arkade des Kirchenschiffes sind 
grossentheils mit kleineren Pfeilerstücken und Säulen umbaut, welche die 
Bogenwölbungen der Empore tragen und schon durch die Art und Weise 
ihrer Hinzufügung, aber auch durch ihren abweichenden Styl das spätere 
Alter des Einbaues darthun. Die Bogenwölbungen der Empore sind theils 
rund, theils spitz geformt; ihre Details, die zum Theil eine ungemein reiche 
und elegante Ornamentik entfalten, entsprechen durchaus den Typen der 
spätromanischen Periode. Dann ist auch ein reicher Sculpturenschmuck 
zu bemerken. Es sind Stuceo-Reliefs, grosse Engelgestalten mit ausgebrei- 
teten Flügeln, die in den Zwickeln zwischen den Bögen der grossen Ar- 
kaden des Schiffes angebracht sind. Mit der Reminiscenz an manche con- 
ventionellen Elemente des byzantinischen Styles verbinden diese Figuren 
schon glücklich den Ausdruck einer freieren Würde , sowie sich in der 
Gewandung bereits vortreffliche Motive einer freieren Bewegung vorfinden. 
Auch eine Reihe von Köpfen, welche die Schlussstcine an den Bögen der 
nördlichen Arkade verzieren, ist bemerkenswerth. Diese Arbeiten reihen 
sich dem Kreise der Stucco-Sculpturen aus der späteren Zeit der romani- 
sehen Periode, die neuerlich in den sächsischen Gegenden bemerkt worden 
Slndn auf interessante Weise an; am meisten scheinen sie mit den merk- 
würdigen Reliefs in der Liebfrauenkirche zu Halberstadt Aehnlichkeit zu 
haben Üßbßr ihr Alter spricht sich der Ilerausgeber nicht aus. Dass sie 
1111i dem Ball der Kirche gleichzeitig seien, ist durchaus nicht wahrschein- 
liChä ehe? 1st Zu vermuthen, dass sie zur Zeit des Einbaues der Empore 
ausgeführt. sind.  Ausser der Kirche von Hecklingen sind in der ge- 
nannten Lleferullg noch Darstellungen der Kirche von Frose enthalten,
        

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