Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1496386
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Berichte und Kritiken. 
als Maler und Zeichner, sondern auch als Architekt und Figurist ausge- 
zeichnet gewesen; als den Besitzer der damals bedeutendsten Kunstwerk- 
stätte in Nürnberg, aus der die mannigfaehsten Holzsehnitzarbeiten in alle 
NVelt gegangen. Als erhaltene Werke seiner Hand zählt er auf: seinen 
Altarschrein in Schwabach, seinen Christus in Rottweil und einen zweiten 
in der Sebalduskirehe zu Nürnberg, seine Madonna in der dortigen Kunst- 
schule, seinen Rosenkranz in der Kirchenkapelle auf der Burg und den 
englischen Gruss in St. Lorenz, ebendaselbst. An ihn habe man sich auch 
wegen der Fertigung eines Modells zu dem Sebaldusgrabe gewandt; die 
Zeichnung dazu (5 Fuss hoch) sei indess auf ein Werk von 60 Fuss Höhe 
berechnet gewesen, darum aber die Ausführung zu kostbar, und das Ganze 
sei mithin, als P. Viseher die Arbeit übernommen, in dem Maasse verklei- 
nert und verkürzt worden, wie wir es gegenwärtig kennen; dabei sei dann 
nicht bloss der Styl der Figuren verändert, sondern auch die ursprünglich 
vorgeschriebene rein gothische architektonische Bekrönung, diese nicht zum 
Vortheil des Ganzen, weggelassen worden. Ueberhaupt sei es V. Stoss 
gewesen, der für die Giesshütte P. Vischer's die Modelle geliefert, wenn 
solche aus Holzgefertigt sein mussten; daher der so ganz abweichende 
Styl mancher Werke, die dem P. Viseher zugeschrieben werden, von denen 
aber nur der Guss sein Eigenthum sei. Zu diesen, somit der ganzen Com- 
position und Behandlung nach dem V. Stoss angehörig, zählt der Heraus- 
geber das Grabmal des Erzbischofs Ernst von Magdeburg, in dem dortigen 
Dome, und die Grabmäler des Grafen Hermann VIII. nebst seiner Gemah- 
lin Elisabeth und des Grafen Otto IV. zu Römhild. Wenn dagegen die 
Modelle aus Wachs gearbeitet wurden, so seien dieselben in P. Vischefs 
eigener Werkstatt, von ihm selbst oder von seinem talentvollen Sohne 
Hermann, gefertigt worden; der Herausgeber zählt auch von diesen, ihrem 
abweichenden Style gemäss, mehrere auf. Wir empfehlen diese Bemer- 
kungen der Aufmerksamkeit aller, die sich für die Geschichte der vater- 
ländischen Kunst interessiren, und hoifen, hierüber bald noch ausführ- 
lichere Darlegungen zu erhalten.  Als andere Notizen von besonderer 
Wichtigkeit sind schliesslich noch die über die zerstörte Katharinenkirche 
von Esslingen, ein Werk des Matthäus Böblinger aus der späteren 
Zeit des 15ten Jahrhunderts, und über die Arbeiten des Georg Syrlein, 
bei Gelegenheit einiger Schnitzarbeiten aus Blaubeuren und Ulm, hervor- 
zuheben. 
Ein Unternehmen von so gründlicher und solider Anlage, das von 
kunstwissensehaftlieher Basis aus so meisterlich lebendige Anschauungen 
darbietet, kann nicht anders als auf's Fördersamste anregend in die Stre- 
bungen der Zeit eingreifen. Wir sehen den folgenden Mittheiluugen, zu 
denen in den Sammlungen des Herausgebers ohne Zweifel das reiehhaltigste 
Material vorliegt, mit regster Erwartung entgegen.
        

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