Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1496370
des Mittelalters. 
Die Ornqmentik 
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der einer Dame einen Ring an den Finger zu stecken im Begriff ist; beide 
knieen einander gegenüber. Die wahrhaft holdselige Naivetät und Grazie 
dieser Composition muss ihr, dem schönen Stich von Fried'r. Wagner 
zufolge, einen der Ehrenplätze in der deutsch-mittelalterlichen Sculptur 
sichern. 
Wenn somit schon der allgemeine Plan des Unternehmens und die 
Auswahl der Gegenstände auf entschiedene Anerkennung Anspruch haben, 
so ist dies in noch höherem Maasse der Fall in Bezug auf die Art und 
Weise der Herausgabe. Durchweg gewahrt man das sicherste Verständniss 
der abgebildeten Gegenstände. Das Romanische in seiner grösseren Strenge 
ist eben so charakteristisch aufgefasst, wie das Gothische in seiner mannig- 
fach eigenthümliohen Beweglichkeit; die Bedingungen, welche dem einzel- 
nen Ornament aus der Beschaffenheit des Stoffes erwuchsen, sind nicht 
minder genau beobachtet worden; die Strenge der Steinsculptur in den 
älteren romanischen Arbeiten ist eben so genau wieder gegeben, wie das 
Weichquellende oder Flacherhobene der spätgothisehen Holzschnitzereien. 
Die Stecher sind mit gleicher Sicherheit ihren Vorbildern gefolgt. Die 
Blätter sind überall in vollständiger Schattenwirkung ausgeführt; die Mo- 
dellirung' aller, auch der geringfügigeren Kleinigkeiten hat also durchweg 
bestimmt wiedergegeben werden müssen. Die ganze Vortragweise ist der 
Art, dass sie sich auf's Zweckmässigste, Deutlichste und Ungezwungenste 
diesen Erfordernissen fügt. Das ganze Werk ist in Bezug auf die Darstel- 
lung der mitgetheilten Gegenstände durchaus als ein Musterwerk zu be- 
Zeichnen. Die Mehrzahl der Blätter ist von Ph. Walther gestochen. Das 
verhältnissmässig kleine Format, gross Quart im Gegensatz gegen ein gros- 
ses Folio, dünkt uns sehr angemessen, da das Werk dadurch handlich und 
bequem benutzbar bleibt und die Grösse der Blätter doch hinreicht, um 
sowohl Totalansichten eines ornamentistischen Gegenstandes von bedeuten- 
derer Dimension als einzelne Details in genügender Entwickelung ihrer 
Theile zu geben. Freilich aber war es nöthig, hiebei den Stich anzuwen- 
den; lithographische Darstellungen hätten unter diesen Umständen eine 
solche Präcision auf keine Weise erreichen können. 
Der Text, welcher die Abbildungen begleitet, enthält zunächst einfache 
Notizen über die Originalmonumente, und, wenn es Bruchstücke sind, über 
die Stelle, an welcher sie sich bei den letzteren befinden. Manche Bemer- 
kungen über die Bedeutung der Originale, über ihre kunsthistorische Stel- 
lung, über ihre gegenwärtige Beschaffenheit schliessen sich dem an. Wir 
verargen es dem Herausgeber durchaus nicht, wenn er dabei arge Sünden, 
die sich Gegenwart oder Vergangenheit gegen die Denkmale der Heimat 
haben zu Schulden kommen lassen, in aller Strenge rügt; wir wünschen nur, 
dass sein Wort auf einen fruchtbaren Boden fallen möge. Hin und wieder ge- 
stalten sich diese Bemerkungen, wenn es sich um besonders wichtige M0- 
numente handelt, von denen nur einzelne Details abgebildet sind, zu aus- 
führlichen Schilderungen oder auch zu förmlichen kleinen kunsthistorischen 
Abhandlungen. Besonders wichtig ist das, was der Herausgeber bei Gele- 
genheit des Entwurfes von Veit Stoss zu dem Sebaldusgrabe in Nürnberg 
über diesen Künstler selbst und über sein Verhältniss zu Peter Vischer 
mittheilt; diese Bemerkungen sind, so viel ich weiss, neu, und dürften für 
einige Hauptpunkte der deutschen Kunstgeschichte sehr beachtenswerthe 
Fingerzeige geben. Der Herausgeber bezeichnet Veit Stoss, der nicht bloss 
Kugler, Kleine Schriften. ll. 29
        

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