Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1496320
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Berichte und Kritiken. 
wie überzeugend. Dem dritten Kapitel ist ein Anhang mit ausführlichen 
nantiquarischen Bemerkungen über den Salomonischen 'l'empel" beigefügt. 
Auch dieser Aufsatz, der mit Sorgfalt alle einzelnen Daten über das viel 
besprochene Gebäude in Erwägung zieht, enthält viel Belehrendes und 
Interessantes, namentlich durch die kritische Bezugnahme auf die jüngeren 
Notizen, die wir über den Bau besitzen. Hier mögen ein Paar Gegenbe- 
merkuugen erlaubt sein. Der Verfasser sucht S. 268 die Ansicht durch- 
zuführen, dass der Tempel nicht bloss im Inneren, sondern auch im 
Aeusseren mit Holzgetäfel und Goldschmuck bedeckt gewesen sei. Die 
wichtigste Beweisstelle ist ihm dafür V. 29 im 6. Kap. des ersten Buchs 
der Könige (nicht, wie man aus seiner Anführung fast schliessen könnte, 
im zweiten Buch der Chronik, wo nichts der Art steht). Aus der ganzen 
Fassung scheint mir jedoch ziemlich überzeugend hervorzugehen, dass das 
Inwendig und Auswendig, wovon an jener Stelle die Rede ist, auf das 
Innere des Allerheiligsten und auf den vor demselben befindlichen heiligen 
Vorraum bezogen werden müsse. Dann nimmt der Verfasser, ohne Zweifel 
richtig, über dem Allerheiligsten eine Oberkammer an, vermuthet aber, 
dass die letztere gegen den heiligen Vorraum offen gewesen sei, dass man 
mithin von dort aus in die Oberkammer habe hineinsehen können. Diese 
Vermuthung stützt er besonders auf das, was im ersten Buch der Könige. 
8. Kap, V. 8, über die Stangen der Buudeslade gesagt wird. Er nimmt 
an, dass man die Stangen aus der Lade herausgenommen und aufrecht 
hingestellt habe, dass aber der Raum des Allerheiligsten zu niedrig ge- 
wesen sei, dass man in Folge dessen die Decke mit einem Loche versehen 
und durch dieses das Obertheil der Stangen hindurchgesteckt habe, so 
dass sie in die Oberkammer hinaufgereicht hätten und vonadem heiligen 
Vorraume aus sichtbar gewesen seien. Diese Auslegung ist indess wohl 
allzu künstlich, als dass man ihr Beifall schenken könnte, und um so 
weniger, als der 7. Vers ebendaselbst mit ihr in direktem Widerspruche 
steht, indem es dort heisst, die Stangen der Lade seien durch die Flügel 
der Gherubim von oben her bedeckt gewesen. Die Ausdrücke über die 
Stangen in V. 8 bleiben allerdings etwas seltsam, aber wir müssen ja 
auch ohnedies bei diesem Bau, wo uns alle Anschauung fehlt, so manches 
Bäthselhafte hinnehmen. Die grossen Erzsäulen des Tempels betrachtet der 
Verfasser als Denkmale, die vor demselben isolirt aufgestellt waren, eine 
Ansicht, die auch mir als die angcmessnere erscheint; er hält es aber für 
unpassend, die sieben Kettengewinde und die Reihen von 200 Granatäpfeln, 
von denen in der Beschreibung der Säulenknäufe gesprochen wird, als 
unmittelbares Ornament der Kuäufe zu betrachten. Er meint vielmehr, dass 
dies ein Schmuck war, welcher von den Knäufeu nur ausging und sich 
dann um das Tempelhaus herumzog, indem er zugleich zur Befestigung 
des äusseren hölzernen Täfelwerks diente. Die Ansicht ist- zum Theil 
vielleicht nicht übel, wenn wir auch das Letztere mit der mehr als zwei- 
felhaften Existenz dieses Täfelwerkes dahingestellt lassen müssen. Könnte 
man aber hiebei nicht vielleicht eine ähnliche Einrichtung vermuthen. wie 
bei den Spitzsäulen vor dem paphischen Tempel, die bekanntlich in eini- 
gen alten Darstellungen auf Münzen u. dergl. durch ein Gewinde verbun- 
den erscheinen? 
Das vierte Buch behandelt die "Kunst der Aegypter." Das erste Ka- 
pitel, über die Natur des Landes und den Charakter des Volkes, giebt 
uns wiederum eine sehr treftliehe Einleitung; die Schilderung ist durchaus
        

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