Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1496300
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Berichte und Kritiken. 
Anstosse aus, nach ihren eignen Gesetzen entwickelt, Fei es in leichtem, 
spielendem, vielfach gebrochenem Nachklange, S91 es m gmssenj Schilf"? 
um, Venen Massen, Eine völlig verhüllte Gestalt, in welcher die Motive 
der Gewandung nur von wenig einzelnen Punkten des Körpers ausgehen, 
kann noch immer ein durchaus angemessener Gegenstand für die Sculptur 
bleiben Es versteht sich aber von selbst, dass solche Gewandung, wie 
namentlich die griechische, fähig sei, ihren eignen Gesetzen zu f0lgen,_11nd 
dass diejenige, die von der Schneiderwillkür der Mode abhängt, hiebel 
nicht in Betraßht kommen kann, wie vortheilhaft sie anderweitig etwa der 
malerischen Behandlung entgegen kommen möge"  
Es schien mir nöthig, diese Bemerkungen, wenn sie auch schonetwas 
in das Einzelne gehen, der näheren Darlegung des Inhaltes des vorliegen- 
den Bandes voranzuschicken. Das erste Buch enthalt, wie gesagt,_eine 
allgemeine theoretische Einleitung. An dieser möchte ich zunachst zweierlei 
als vorzüglich rühmenswerth hervorheben: die klare und schlichte _Voi'- 
tragweise, die sich von den stereotypen Wendungen dieser oder Jener 
philosophischen Schule durchaus fern hält und doch das Beabsichtigte auf 
sehr erschöpfende Weise durchführt; und dann, was bei Weitem das Wich- 
tigste ist das ächtc, reine, wahrhaft künstlerische Gefühl. Freilich ist dies 
letztere die Grundbedingung für all und jede Behandlung künstlerischer 
Gegenstände und somit auch für die philosophische Behandlung; aber wir 
können nichl sagen, dass unsre Theorien über die Kunst die 58.0116 Stets 
im Mittelpunkt ergriffen und dass sie nicht oft genug das Beiläulige, das, 
was in die künstlerische Darstellung nur etwa hineinspielt, ohne doch 
ihren eigentlichen Nerv zu berühren, für die Hauptsache nähmen. So ent- 
wickelt der Verfasser im ersten Kapitel den Begriff des Schönen als eines 
unmittelbaren und unabhängigen Postulats der menschlichen Natur, welches 
durch die künstlerische Darstellung erfüllt wird. Das zweite Kapitel han- 
delt von der Idee des Kunstwerkes, die sehr schön als die Vermittlern! 
zwischen Gedanken und Gefühl dargelegt wird. „Die Idee des Kunstwer- 
kes" sagt der Verfasser, „ist zunächst immer nur die Vorstellung des Ge- 
enslandes aber hervorgehoben aus der Trübung der Elemente der Wirk- 
lichkeit, und durchdrungen und verklärt von der Wärme und Bestimmtheit 
des fühlenden Geistes, wodurch dann sein Verhältniss zu der Unendlich- 
keit der Dinge, der Wiederschein der höchsten Gesetze des Geistes in der 
Materie, die zarten Beziehungen des Weltlebens anschaulich und in einer 
wohlthätigen Harmonie hervortreten." Im dritten Kapitel werden die be- 
sondern Bedingungen der Entstehung des Kunstwerkes, d. h. die Scheidung 
des allgemeinen Begriffes der Kunst in verschiedene Kunstgattungen, dar- 
gelegt. Die Elemente der Erscheinung, Raum, Zeit und Leben, auf der 
einen Seite auf der andern die inneren Bedingungen des Kunstgeistes, als 
eines objedtiven, subjectiven und individuellen, gaben die naturgemässen 
Gründe dieser Scheidung. Poesie und Musik stellen sich den bildenden 
Künsten gegenüber in den letzteren selbst, die nun ausschliesslich behan- 
delt werden, trennlen sich auf ähnliche Weise Architektur, Sculptur und 
Malerei. Ueber die charakteristische Besonderheit der beiden letzteren 
wird klarer Aufschluss gegeben; die Auiiassung der Architektur und mein 
Widerspruch hiegegen ist schon so eben näher berührt. Das vierte Ka- 
pitel der Einleitung hat die geschichtliche Bedeutung der Künste zum 
Gegenstande. Wiederum auf sehr treftliche Weise wird hier daräelegtv
        

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