Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1496242
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Berichte und Kritiken. 
eigenthümlich contrastirt damit das weisse Haar, das auf dem Haupte wellig 
zu beiden Seiten niederfällt und in dem vollen Barte sich zierlich kräuselt. 
Die Ziige "tragen das Gepräge schlichten Adels, aber zugleich einer Unüber- 
windlichen Festigkeit; in dem Auge drückt sich, so ruhig das Ganze auch 
gehalten ist, der Charakter eines bis zu starker Leidenschaft errregbaren 
Gemüthes aus. Das Bild hat ein zwiefaches, sehr bedeutendes Interesse. 
Einmal als eins der ersten Meisterwerke deutscher Kunst, die mit sorg- 
lichster Treue und mit sicherstem Verständniss allen, auch den feinsten 
Einzelheiten der Erscheinung nachgeht und diese kräftig, obgleich durch- 
aus fern von irgend welchem Streben nach Effekt, zu einem Ganzen zu- 
sammcnzufassen weiss. Dann, in Bezug auf den dargestellten Gegenstand, 
als Repräsentation einer Zeit, die an männlichen, energischen, in sich voll- 
kommen einigen Charakteren so reich war. so viel reicher, als manche 
andere Zeit, z. B. die unsrige. Beide Interessen sichern der Aufgabe, das 
Bild durch den Stich zu vervielfältigen, entschiedenen Beifall. Wir fügen 
hinzu, dass der Stecher die Aufgabe in sehr erfreulicher Weise gelöst 
hat. Das Blatt reiht sich den Stichen interessanter Portraitköpfe aus den 
früheren grossen Epochen der Kunst würdig an und giebt mit diesen zu 
mancher folgereichen Parallele Anlass. Wie eigenthümlich contrastirt 
damit z. B. das Jugendportrait Raphaels, das wir in dem Forstefschen 
Stich, und das Portrait van Dycks, das wir in dem Stich von Mandel be- 
sitzen! Der Stecher hat den Charakter des Dürefschen Originals mit vollem 
Verständniss aufgefasst; mit grösster Sorgfalt und Genauigkeit, aber durch- 
aus leicht und ungezwungen, folgt er der feinen Detaillirung der Formen, 
ohne doch zugleich die Haltung des Ganzen ausser Acht zu lassen; so ist 
auch die zierliche Pinselführung Dürers in Haar und Bart mit meisterlichem 
Geschick wiedergegeben. Das lichte Haar nöthigte den Stecher, das Bild- 
niss noch mit einem ziemlich breiten Rahmenzu umgeben, damit die 
Weisse des Papierrandes auf jenes nicht störend zurückwirke. Der Rahmen 
ist, in schwachem Helldunkel, durch ein gothisches Rankenornament aus- 
gefüllt, in welchem oberwärts das Dürer'sche Monogramm, zu den Seiten 
die Wappen Dürers, Nürnbergs und des deutschen Reiches angebracht 
sind, unterwärts das Wappen Holzschuhers und das seiner Gattin, Der 
untere, breitere Theil des Rahmens enthält ausserdem noch den Namen 
des Dargestellten, und darunter, auf einem verschlungenen Bande, seinen 
Wahlspruch: Munificentia amicos patientia inimicos vince. MDXXVI.  
Die ganze Darstellung ist 13W Zoll hoch, 95l8 Zoll breit. Das eigentliche 
älrlntäait, ohne den Rahmen, hat eine Höhe von 8 und eine Breite von 
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Geschichte der bildenden Künste. Von C. Schnaase. Erster 
Band. Düsseldorf 1843. (Auch unter dem Titel: Geschichte der bil- 
denden Künste bei den Alten. Von G. Schnaase. Erster Band. 
Die Völker des Orients.) 456 und XX S. in gr. 8. 
(Kunstblatt 1844, N0. 17 ff.) 
Das vorstehend genannte Werk hat mannigfache Berührungspunkte mit 
meinem "Handbuch der Kunstgeschichte." Der Verfasser hat eine Kritik
        

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