Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1496201
432 
Berichte- und 
itiken. 
Denkmäler bildender Kunst in Lübeck, gezeichnet und herausge- 
geben von C. J. Milde, Maler, und begleitet mit erläuterndem historischen 
Text von Dr. Ernst Deecke. 1. Heft, enthaltend: in Bronze gravirte 
Grabplatten. Lübeck 1843. Auf Kosten des Herausgebers. F01. 
(Kunstblatt 
1843, 
Das Unternehmen, welches mit dieser ersten Lieferung ins Leben 
tritt, ist bereits in No. 72 des vorjährigen Kunstblattes angekündigt wor- 
den. Ueber Plan und Verhältnisse des Ganzen ist dort bereits das Nähere 
gesagt. Der Plan hat in so fern eine Veränderung erfahren, als der Her- 
ausgeber beschlossen hat, die Denkmäler, die denselben Gattungen künst- 
lerischer Technik angehören, in den einzelnen Lieferungen zusammen zu 
Ordnen, so dass sie besondere Folgen für sich bilden und eine bequemere 
Uebersicht verstatten, und dass zugleich der Vortheil gewährt wird, die 
einzelnen Abtheilungen, je nach den Interessen der Kunstfreunde, geson- 
dert erwerben zu können. Der lnhalt der ersten Lieferung ist auf dem 
Titel bezeichnet. Sie führt uns auf fünf Tafeln (von denen zwei die dop- 
pelte Grösse der übrigen haben) die Abbildungen zweier bronzenen Grab- 
platten mit gravirten Darstellungen und die Abbildungen von einzelnen 
Theilen der einen dieser Platten vor. 
Die erste Grabplatte, in der Domkirche befindlich (Tnfl), enthält in 
starker Umrisszeichnung die kolossalen Gestalten zweier lübischer Bi- 
schöfe; die Umschrift besagt, dass der eine von ihnen im Jahr 1317, der 
andere 1350 gestorben sei. Das Werk fällt also ohne Zweifel in die Zeit 
gleich nach der Mitte des 14ten Jahrhunderts, was auch der entschieden 
germanische Styl der Darstellung, in der charakteristischen Fassungsweise 
gerade dieser Epoche, bestätigt. Beide Gestalten befinden sich in archi- 
tektonischen Nischen, die ebenso durch gravirte Zeichnung angedeutet 
werden; der Fuss der Nischen, ihre Seitenpfeiler, die Tabernakel-Archi- 
tekturen, welche sie bekrönen, sind sehr reichlich mit kleineren figürlichen 
Darstellungen ausgefüllt. Unterwärts nämlich sieht man friesartige Bänder, 
in denen Scenen aus dem Leben zweier Heiligen dargestellt sind; da- 
zwischen Gestalten der irdischen Freude, Jünglinge und Jungfrauen. In 
den Pfeilern bauen sich die Gestalten der Apostel, Propheten und Patriar- 
chen empor, eine jede wiederum in zierlich gesonderter architektonischer 
Umfassung. Die krönenden Tabernakel-Architekturen zerfallen in je zwei 
Hauptabtheiluugen; in der unteren sieht man Engel, welche die Seele des 
Geschiedenen emportragen, in der oberen den Erlöser und ebenfalls Engel 
zu seinen Seiten. Die Gründe hinter den Figuren der Bischöfe und hinter 
den Nischen sind mit einem reichen, teppichartig gemusterten Ornamente 
erfüllt. Bei solchem Reichthum an Darstellungen ist diese Grabplatte ge- 
WiSS eine der merkwürdigsten in ihrer Art, für die Technik sowohl, als 
für die Stylistik und Ornamentik der Zeit ein höchst interessanter Beleg. 
Auch die ganze architektonische Dekoration, welche dabei angewandt ist. 
vßrdlellf Sorgfältige Beachtung; wir finden in den Einzelheiten die zier- 
lichstßn Elemente dcs gothischen Styles; ihre Anwendung aber trägt ganz 
das Gepräge des Backsteinbaues im nordöstlichen Deutschland, dessen 
Matßrlal im den entsprechenden Stellen, durch Andeutung der Steinfugeu,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.