Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1496177
Trachten 
Mittelalters. 
christlichen 
des 
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abstrakter Form mittheilt, in eine persönliche Nähe zu rücken. Sie ist 
ein nicht minder wichtiger Abschnitt für den grossen bedeutenden Kreis 
der geschichtlichen Anschauungen. Und ganz insbesondere gilt dies, wie 
natürlich, von dem wichtigsten Theil des Kostums, von dem, was die 
körperliche Tracht und Zierde des Menschen selbst  etwa im Gegensatz ge- 
gen Wohnung und Behausung und deren verschiedenartiges Gerath -_betriii't. 
Die Geschichte des Kostüms ist freilich eine Disciplin, die bisher, in 
ihrer vollen und tiefgreifenden Bedeutung, noch bnichä aiLf liine ggr ge- 
nügende Weise behandelt worden ist. Vielleicht e en ess a , wer man 
diese Bedeutung überhaupt noch nicht sonderlich anerkannt hat. Und doch 
kann der Geschichtsfreund, demfesG nächt; blos auä Narnenhundf tllahräaglßli 
und nicht lediglich etwa nur au e an en, son ern auc au ie e en- 
digen Thatsachen ankommt, in denen die Gedanken der Geschichte sich 
verkörpert haben, ihrer auf keine Weise entbehren. Noch weniger aber 
der bildende Künstler, der geschichtliche Ereignisse oder Situationen 
zum Gegenstande seiner Darstellungen nimmt. Denn allerdings muss 
der Künstler frei sein, er muss selbständig aus seinem Geiste heraus 
schaffen; aber diese Freiheit, diese Selbständigkeit kann doch nur dem 
geistigen Theile seiner Arbeit gelten; die körperliche Form, in der er 
seine Schöpfung zur Erscheinung bringt, hat ihr bestimmtes Gesetz, dessen 
Üeberschreitung die Freiheit in Willkühr verwandeln würde. Wie der 
Künstler in der Darstellung des nackten Körpers auf's Vollständigste dem 
Gesetze der Natur folgen muss, so in der Darstellung der äusseren Um- 
gebung desselben  sofern überhaupt irgend eine historische Rücksicht 
eintritt  den stets entschiedenen und stets sehr tiefliegenden historischen 
Bedingnissen, die dieser Umgebung ein bestimmt charakteristisches Ge- 
präge gegeben haben. Mehr als je aber gilt dies in unserer Zeit, in wel- 
cher die künstlerische Behandlung historischer Gegenstände mehr und 
mghr in den Vorgrund tritt und wir, bei einem stets lebhafter werdenden 
historischen Bewusstsein, auch eine mehr und mehr charaktervolle Er- 
füllung der Aufgabe fordern. Das gründlichste Studium des Kostümes ist 
für diesen Zweck erforderlich, und Nichts ist so gering, dass es nicht in 
diesen Kreis mit hineingezogen werden müsste; freilich nicht, um diese 
und jene Einzelheit kümmerlich nachzuahmen, sondern weil Alles dazu 
beiträgt, den Geist der Zeiten, aus welchem diese Formen, diese Ge- 
schmacksrichtungen hervorgegangen sind, vollständig kennen zu lernen 
und sich zu eigen zu machen. Wer auf einem solchen Standpunkte steht, 
kann allerdings über den gewonnenen Yorrath mit Freiheit schalten; er 
ist durch solches Studium zur durchgreifenden Kenntniss der Motive ge- 
langt und kann aus diesen nunmehr,_ mit voller historischer Sicherheit, 
Neues erfinden, wie es der Zweck seiner Aufgabe verlangt, auch wohl 
Vorliegendes, was den Adel der künstlerischen Darstellung allzu unbequem 
beschränken möchte, auf eine zweckgemässe Weise umbilden. Aber eine 
solche, auf fester Basis beruhende Freiheit in der Benutzung des Materials 
ist noch überaus selten; gar viele Künstler, die Anspruch auf historische 
Genauigkeit machen, ahmen wohl mit Sorgfalt einzelne Kleidiings- oder 
Waifenstücke oder sonstige Gerathe nach; nur zu oft aber findet man, dass 
sie dabei sehr heterogene Dinge zusammentragen, Dinge, deren jedeseine 
von der des andßläli Weielllgtlißh vtärschiedene Sinnes- und Gefühlsweise 
ausdrückt. Einen iter z.  mit er ele anten Haarhaube und Bereit 
des 16ten, mit dem schmächtigen Wamms des 14ten und mit dem schwe-
        

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