Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1496102
422 
vom Jahr 
Reisenotizen 
1843. 
für die mehr ornamentistische Anwendung der betreffenden Formen ein 
ganz allerliebstes Muster. Ein achteckiges Obergeschoss mit schlank auf- 
steigender durchbrochener Spitze. Die Plattform über dem achteckigen 
Geschoss; im Inneren der Spitze noch der Stamm einer Wendeltreppe bis 
zum Gipfel emporsteigend, um den sich, nah unter der Blume, noch eine 
Gallerie herumzieht. Oberwärts in der Spitze die Jahrzahlen 1465 und 
1471, etwas tiefer die Zahl 1440. 
An den Portalen und andern Stellen der Kirche sind Sculpturen, die 
aber keine sonderliche künstlerische Bedeutung haben. In den Ch0rfen- 
stern sind Glasmalereien von gothisch ornamentistischer Anordnung. 
Heilbronn. 
Hauptkirche, am Markt.  Ursprünglich, wie es scheint, eine früh- 
gothische Anlage. In dieser Art namentlich die beiden Thürme am Kreuz, 
bei denen besonders das erste Fenstergeschoss des nördlichen Thurmes 
eine edle und nicht unbedeutende Ausbildung des frühgothischen Elemen- 
tes zeigt. Die Pfeiler und Bögen unter diesen Thürmen (im Innern der 
Kirche) erscheinen fast noch übergangsartig. In derselben Art scheinen 
auch die Arkaden des Schiifes besehatfen gewesen zu sein, denen der 
Dionysiuskirche von Esslingen ähnlich; später jedoch sind sie in einer 
gothisch barocken Weise umgewandelt.  Der Chor ist später gothisch. 
Die Aussenarchitektur, besonders am Schilf, hat ein ganz spätes Gepräge; 
im Fensterstabwerk zeigt sich hier u. A. der sonderbare Fall, dass der 
geschweifte Bogen, der anderweit zur Bekrönung des Fensters angewandt 
wird, ornamentistisch in das Stabwerk hineingezogen ist.  An der West- 
seite ein grosser Thurm, reich dekorirt, aus der letzten Zeit des gothischen 
Styles. Die Fenster z. B. sind schon rundbogig. Der Obertheil des 
Thurmcs besteht, bei noch vorhandenen gothischen Grundprincipien, aus 
einem toll bunten Rococo.  
lm Chor der Kirche sind die weiss übertünchten Schnitzwerke. Sta- 
tuen und. Reliefs. eines grossen Sehnitzaltares vorhanden. Gute schwäbische 
Schule vorn Ende des 15ten Jahrhunderts. 
Bartholomäus 
Zeitbloom. 
Notiz über einige Gemälde der Sammlung des Ober-Tribunal-Procu- 
rator Abel zu Stuttgart. 
Zwei grossc Tafeln; die Vorderseiten von den Rückseiten abgespalten, 
somit vier Gemälde. Die ehemaligen Aussenseiten mit den stehenden Ko- 
lossaltiguren der beiden Johannes; die Innenseiten mit den Darstellungen 
der Verkündigung und der Heimsuchung. Die Aussenbilder stark beschä- 
digt (noch nicht restaurirt), doch das Wesentliche erhalten und von hoch- 
bedentsamem Eindrucke. Besonders der tiefe Ernst der Köpfe sehr bemer- 
kenswerth. Beide ganz von vorn; im Kopfe des, den Kelch segnenden 
Evangelisten das tiefe Sinnen glücklich und ergreifend durch das Ausein- 
andergehen der Augensterne ausgedrückt, wenn auch das Motiv allerdings, 
indem die Augensterne in den äusseren Augenwinkeln liegen, erheblich 
übertrieben. Auf den inneren Bildern tritt der Mangel an Gestaltung, an 
plastischem Vermögen überhaupt, der bei Zeitbloom durchzugehen scheint, 
empfindlicher hervor. Man sieht, cs ist unter den Gewandungen kein
        

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