Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1496080
420 
vom Jahr 
Reisenotizen 
1843. 
sere in sehr eleganter Ausbildung der spätgothischen Formen; besonders 
ausgezeichnet in dieser Beziehung der T hurm. (Sein Obertheil eine Rococo- 
Erneuung vom J. 1713.) 
Von der bildnerischen Ausstattung der Kapelle sind besonders bemer- 
kenswerth die von Tilman Riemenschneider 1500-1506 gearbeiteten 
Flachstatuen der Apostel etc., die sich in den Bildernischen und den Stre- 
bepfeilern befinden. Im Styl etwa dem Veit Stoss vergleichbar, haben 
sie doch einen strengeren, bedeutenderen Ernst.  Die von demselben 
Künstler, doch früher gearbeiteten Statuen von Adam und Eva am Haupt- 
portal zeigen, bei schwacher Gesammterscheinung, doch ein gutes Natur- 
gefühl im Einzelnen.  Aus der Zeit des Baues rühren die Reliefs in den 
Lünetten der Portale her. das jüngste Gericht im westlichen, die Krönung 
Mariä im südlichen Portale; diese haben noch den germanischen Sty], aber 
bereits in etwas tlauer Behandlung. 
Fürstbischöfliche Residenz. -Die Entwürfe von Johann Bal- 
thasar Neumann. Einleitung der Bauarbeiten seit 1720; äussere Voll- 
endung des Baues im J. 1744; Vollendung der inneren Ausstattung nach 
der Mitte des Jahrhunderts.  Ein höchst wichtiges Beispiel des Rococo- 
styles. Eigentlich architektonisches Gefühl ist nicht in erheblichem Maasse 
vorhanden; am Bedeutendsten ist in diesem Belang das Treppenhaus, das 
sich reich und bunt zusammenschiebt, einer Operndekoration jener Zeit 
vergleichbar; ausserdem zeigen sich energische Architekturformen noch 
an denjenigen Theilen des Baues, die dem Mittelhofe der Vorderseite zu- 
gewandt sind. Im Allgemeinen sind die architektonischen Formen nur 
mehr spielend behandelt, mehr nur als ein Hülfsmittel, an welchem die 
prächtig üppige Dekoration, die das Wesen des Rococostyles ausmacht, 
zur Anwendung gebracht werden konnte. Dieses Dekorationsprinzip tritt 
überall in den alten Theilen des Schlosses hervor. Grösstentheils hat das 
Rococo hier den Vorzug des Gewachsenen, auf seine Weise Zusammenhängen- 
den. Es ist das elegant Capriciöse. der zierliche Humor, der in der Vereinigung 
scheinbar widersprechender Formen sich geltend macht; aber es ist hier 
in der That Vereinigung, Gesammtfiuss, was z. B. in der Dekoration des 
"neuen Palais" bei Potsdam meist fehlt. Diese Formen sind immer neu, 
immer unerschöpflich; ja, bei den kolossalen korinthischen Marmorsäulen 
des Kaisersaales sind die Bronze-Kapitale ganz in Rococo-Schnörkeln gebil- 
det. Es kommen höchst interessante, unvermuthete Combinationen vor. 
Der Venetianer Tiep 010 (1750 zur Ausführung von Plafonds u. dergl. hie- 
her berufen) ist zu solcher Architektur der völlig entsprechende Maler. 
Der etwas leichtfertige Anschein ernsthafter Lebensfülle, der diesem Maler 
zu eigen, ist auch nur eine Rococo-Caprice; die heiter blühende und leuch- 
tende, sehr helle Färbung passt nicht minder trefflich dahin. Zugleich weiss 
er Nebenüguren auf ergötzliche Weise in die Architektur und in die Ornamentik 
zu vertheilen und dem Gemalten durch allerlei plastische Witze den Anschein 
realer Körperlichkeit zu geben. Endlich tritt in der ganzen Einrichtung und 
-Äusstaitllllg' des Schlosses durchweg die grösste Solidität des Handwerkes 
heult", S0 dass das Gefühl in diesen Schnörkeleien sicherer bleibt als bei 
unserer geleimten Leisten-Architektur. Prächtig sind z. B. die geschmie- 
deten. überaus reichen Rococo-Ornamente der Gitter-Portale des Schlosses. 
Ußberhßllpt hat das Rococo sich, gewiss nach solchen Vorgängen, in 
Würzburg vorzugsweise dem Leben und dem Handwerk eingebildet. Tau- 
scndfältig, an Consolen, Portalen, Fenstergittern u. dergl. m., sieht man
        

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