Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1496060
418 
Jahr 
W011] 
Reiseuotizen 
1843 
Seitenschiti; sie haben gewöhnliche spätromanische Formation und rühren 
wohl von einer Vorhalle her.  Das Aeussere zeigt noch meist denalten 
Bau. Das Mittelschiff hat einen einfach rundbogigen Fries auf Blätter- 
Consolen, und statt der Lissenen schmale Pilaster, deren Kapitäle mit 
Blättern und kleinen Volnten versehen sind. Die Seitenschiffe haben ge- 
rade Gesimse und Pilaster.  Die beiden westlichen Thürme sind einfach. 
so auch das Portal zwischen ihnen: wechselnd rother und weisser Sand- 
stein, keilförmig in der Wölbung, sonst in horizontalen Schichten.  Ele- 
gant spätromanische Thürme auf der Ostseite. Zierliche Formen; rothe 
und weisse Schichten. Diese Thürme gehen aus dem Viereck in das Acht- 
eck über und zwar so, dass das Viereck noch ein Paar Geschosse hindurch 
in der Weise durchbrochener Erker über das Achteck vertritt. Ohne Zwei- 
fel gehören diese Thürme zu den Bauausführungen der dreissiger Jahre 
des 13ten Jahrhunderts, während der Hauptkörper des Gebäudes den im 
J. 1189 eingeweihten Bau ausmachen wird.  Jüngerer Zeit gehört ein 
grosser schöner Kreuzgang an; er trägt die spätgothische Formenbildux1g.- 
Notizen über die Grabdenkmäler des Domes: 
Bischöfliche Figur vom Jahre 1400. Edel germanischer Stjfl. 
Desgl. 1411. Aehnlich, doch schwerer. 
Desgl. 1440: niohannes de vorn"  Noch schwerfällig germapisch. 
Desgl. 1455. Ebenfalls schwerfällig germanisch, doch schon mit ecki- 
gen Gewandbrüchen. Individueller Kopf. 
Desgl. 1466. „Joh. de Grnmbach". Ueber der noch immer germani- 
sehen Grundform in entschieden scharfeckigem Gewandstyl. Sehr wenig 
feiner Natursinn. Gothischer Baldachin.  
Desgl. 1495. „Rudolph de Scherenberg." Bischöfliches Denkmal, von 
Tilman Riemenschneider gearbeitet. Marmor. Kolossale Figur unter 
reichem gothischcm Baldachin. Zu den Seiten Wappen, deren oberste 
durch zwei Engel gehalten werden. Ebenso die Inschrifttafel durch zwei 
Engel gehalten. Die Engel hiernoch ganz bekleidet. Die Arbeit überall 
sehr meisterhaft. Der Kopf des alten Bischofes ganz vortrefflich mit höchst 
sorgfältiger Darstellung individuellen VLebens. Doch liegt. dem Ganzen 
noch eine etwas conventionelle Stylistik zuGrunde; die Gewandung nament- 
lich hat noch etwas Schweres, Massiges und Eckiges. 
Desgl. 1519. ,.I.aurentius a Bibra." Gleichfalls von Tilman Rie- 
menschneider. Marmor. Leichte, phantastisch modernisirende Archi- 
tektur. Der Bischof in einfach grossartiger Würde; die Gewandfalten 
eckig, aber in keiner Weise übertrieben. Ueberhaupt ein schönes Lebens- 
und Stylgefühl, der nürnbergischen Kunst verwandt. Umher Engelknaben 
mit Wappen. In der Lünette, ganz frei herausgearbeitet, sechs Engelkna- 
hen mit Kränzen; in ihrer Mitte das Christkind. Unten zwei Engel mit 
der Inschrifttafel. A1le_diese Engel mit sehr hübschem Naturgefühl, über- 
aus lieb und sinnig. Oben, zu den Seiten der Lünette, noch zwei Sta- 
tnetten von Heiligen. Im Basament ein Löwe, der einen Drachen besiegt. 
Das Ganze in der Kunstbedeutung wie in der Sinnesrichtung einem Dürer 
nahe stehend. 
Treffliche Bronzetafeln mit Gestalten in flachem Relief. Bedeutend 
insbesondere eine vom J. 1519. Andre später. Von schöner Wirkung 
bei schlichterBehandlung namentlich auch die des Bischofes .,Conradus" 
vom J. 1540.
        

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