Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1492209
Berichte 
Kritiken. 
und 
sammeiikainen. Es war ein achtseitiäer 15,221 elwals über ä5 112'189 nach 
und  Fuss breit. Acht freistchen e ei er un eine äue 1n_ (er 
Mitte trugen das spitzbogige Gewölbe, über dem sich die Sitze dPY Slellen 
Kurfürsten erhoben; diese nahmen sieben Seiten des Aclitecks ein, wah- 
rend auf der achten eine Treppe ßmlmrführte- _Das Bauwerk War E1" 
Denkmal alter national-deutscher Sitte. Unter freiem Himmel: unter Bau" 
men wurden in der Frühzeit der deutschen Geschichte die Versammlungen 
des Volkes gehalten; auf steinerner Bühne stand dergerrige, welcher zum 
Vonre zu sprechen hatte. Hier aber erscheint die Bühne in der_Form, 
yvelche die christliche Kunst, in den Ambonen der Kirche, als ein von 
Säulen oder Pfeilern getragenes Gerüst, ausgebildet hatte. 
Die erste Erwähnung von den Versammlungen der Kurfürsten zu Rhense 
findet sich im Jahre 1308; indess wird dabei ausdrücklich bemerkt, dass 
sie, was den genannten Ort anbetrifft, auf alter Sitte beruhten. Mehr- 
fach wiederholen sich dieselben im Laufe des vierzehnten Jahrhunderts; 
vornehmlich berühmt ist unter ihnen die Versammlung des Jahres 1338, 
welche den Kur-Verein von Rhense, die Freiheit der Wahl gegen fremd- 
herrische Anmaassungen zu sichern, gründete. Doch wird dabei zumeist 
nur des "Baumgartensu bei Ithense, nicht aber des Königsstuhles gedacht. 
Ob eine Tribüne ähnlicher Art, vor dem Jahre 1376 vorhanden gewesen, 
ist nicht zu sagen; von diesem Jahre wird (ohne Zweifel auf den Grund 
nrkundlicher Bestimmung) berichtet, dass damals Kaiser Karl lV. den Bau 
befohlen habe. Dies ist dasselbe Jahr, in welchem die Kurfürsten eben- 
daselbst den Sohn des Kaisers, Wenzel, zum römischen Könige erwählt 
hatten. Vorzüglich bedeutsam erscheint der Königsstulil im Jahre 1400, 
nachdem man Wenzel abgesetzt hatte; die Wahl Ruprechtswon der Pfalz 
war es, die nunmehr zu höchst feierlicher Benutzung der lribüne Anlass 
gab; der neugewählte König selbst wurde dort dem versammelten Volke 
dargestellt und empfing, auf dem Königsstuhle stehend, die Huldigung. 
Später vgl-schwindet; allmählig die höhere Bedeutung des Ortes. Kaiser 
Maximilian I. ward nur vorübergehend, als er zur Krönung nach Aachen 
reiste, auf den Königsstuhl geführt; hei der WVahl Maximilians ll. gedachte 
man noch der altherkönimlichen Sitte, fand indess ihre Befolgung nicht 
mehr für nöthig. S0 darf es nicht bcfreindcn, wenn die Sorge für die 
Erhaltung des Denkmals allmälilig nachlicss. Die Bürger von Rhense, denen 
Karl IV. den Bau aufgetragen, hatten für seine Unterhaltung zu sorgen; 
dafür erfreuten sie sich mannigfacher Begünstigungen, die ihnen auch noch 
im Jahre 1521 bestätigt wurden. Hundert Jahre später aber war der Kö- 
nigsstuhl bereits so verfallen, dass man seinen Dmsturz befürchtete; eine 
Erueuung, die im Jahrc 1624 stattfand, rettete ihn noch für die kommen- 
den Generationen. Ueber seine ferneren Schicksale, bis auf seinen Unter- 
gang, liegen keine näheren Angaben vor. Unter dcr französischen Herr- 
schaft, im Anfange dcs gegenwärtigen Jahrhunderts, wurde er abgebrochen. 
Ein Paar unbedeutende Denksteino unter hohen Nussbäumen, zur Seite der 
jetzigen Chaussee, bezeichnen die Btellc, wo er einst stand. 
Ueber die künstlerische Ausbildung, in welcher der Königsstuhl er- 
schien, haben wir leider keine nähere Kunde. Was oben von SClDÜIIIFÜTm 
"esagt wurde, gründet sich auf die Beschreibungen, die sich in altcron 
zzopotrfaphlsdlell Schriften vorfinden; einige derselben enthalten rohe Ab- 
bilddngcn des Denkmals, doch ist aus den letzteren aLlClidllClllyVlCl mehr 
m Qmnr-hmen. in einem Gehöft zu llhensc finden sich einige lhcile der
        

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