Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1495962
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Berichte und 
Kritiken. 
J. Gailhabaudks Denkmäler der Baukunst aller Zeiten und 
Länder. Für Deutschland herausgegeben (Lief. 1- 34) unter der Leitung 
von Dr. F. Kugler. 
(A113 
Prospectus.) 
dem 
Es ist das Ziel aller historischen Forschung und Darstellung, von den 
Zeiten der Vergangenheit, von dem Sinnen und Treiben der verschiedenen 
Völker, welche eintlussreich auf dem Schauplatz der Geschichte auf- 
getreten sind, von dem Entwickelnngsgange, welchen die Menschheit bis 
auf unsre Tage zurückgelegt hat, eine möglichst klare Anschauung zu 
gewinnem- Nur indem wir unserenHerkunft uns bewusst werden, ver- 
mögen wir den Standpunkt des heutigen Tages mit Sicherheit zu erken- 
nen, vermögen wir die Bahn aufzufinden, die uns einer weiteren Ent- 
wickelung entgegenführen soll. Nichts aber macht uns die Vergangenheit 
so gegenwärtig, nichts führt uns so lebendig in sie zurück, als die Denk- 
mäler der Kunst und Poesie, in denen der Geist der Zeiten seine feste, 
unwandelbare Form gewonnen hat; von den Kämpfen der Griechen mit 
den Persern ist nur ein schwacher Nachhall zu uns herübergeklnngen, 
aber die Tragödien des Aeschylus und Sophokles, die Säulen und die 
Bildwerke des Parthenon sprechen noch heute, beredt und ergreifend wie 
vor zwei Jahrtausenden, zu uns. Häufig auch schwindet der Faden der 
historischen Ueberlieferung ganz vor unsern Blicken, während uns in den 
Denkmälern der Völker die lebenvollste Kunde erhalten blieb; wie wenig 
ist uns über die alten Bewohner Aegyptens, Indiens, Mexico's berichtet, 
und wie erhaben und bedeutungsvoll sind die Denkmäler, die sich aus den 
Fruhzeiten der Cultur in diesen Ländern erhalten haben! Unter allen 
Denkmälern aber sind es die der Baukunst, welche das grossartigste 
historische Interesse gewähren. Sie sind der unmittelbare Ausdruck der 
allgemeinen volksthümlichen Zustände,  wie die Gesellschaften der Men- 
schen sich in ihrer Heimat gefunden, wie sie den umherschweifenden Ge- 
danken auf ein festes Ziel gerichtet, in welcher Art sie es vermocht haben, 
den erdwärts gesenkten Blick aufwärts zu erheben. An die Denkmäler 
der Baukunst lehnen sich die der übrigen Künste an. Sie führen uns in 
das Heiligthnm, in das innere Herz des Volkslebens; aber sie umfassen 
zugleich auch alle äussern Verhältnisse; die ganze Lebensstellung der 
Völker, wie dieselbe durch geistige Anlage, durch Boden und Clima, durch 
das Verhalten zu den Nachbarvölkern, durch Sitte und Gewohnheit bedingt 
war, spiegelt sich in den Baudenkrnälern wieder. 
Die Geschichte der Baukunst und die Anschauung derselben durch 
bildliche Darstellung ihrer Denkmäler muss demnach für einen Jeden, des- 
sen Gedanken durch die Befriedigung der gemeinen Bedürfnisse des Lebens 
nicht ausgefüllt werden, ein vorzüglich hohes Interesse haben. Für den 
ziusübcnden Architekten unsrer 'l'age macht sie zugleich, wie sich von 
selbst Verätßht, ein unerlässliches Studium aus. Die einseitigen ästhetischen 
Regeln, denen man geraume Zeit zu folgen für gut fand, wollen für den 
heutigen Standpunkt der architektonischen Kunst nicht mehr zureiehen; 
wir sind mit Entschiedenheit auf einen freieren Standpunkt hingewiesen, 
aber wir können denselben erst dann erreichen, wvenll Wir alle früheren
        

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