Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften und Studien zur Kunstgeschichte
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1491654
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1495762
388 
Kritiken. 
Berichte und 
es ist dem Titel vorgeheftet und wird auch in besondern Abdrücken aus- 
gegeben. Dic Zeichnung dazu ist nach den Angaben des Verfassers von 
Ed. Gerhardt, der Stich von J. Poppel gefertigt. Das Blatt (9 Zoll 
breit und 8 Zoll hoch) muss als ein kleines Meisterwerk bezeichnet wer- 
den; es ist mit dem klarsten Verständniss gearbeitet; das ganze, so über- 
aus reiche Detail ist mit grösster Genauigkeit und in vollkommen charak- 
teristischer Darstellung gegeben, und dabei doch zugleich die Totalwirkung 
mit glücklichem und freiem malerischem Sinne beobachtet. Nächst dem, 
so eigenthümlich grossartigen Gesammteindrucke, den das Gebäude in die- 
ser Ansicht auf den Beschauer hervorbringt, ist vornehmlich auf die fast 
überraschend günstige und erfreuliche Wirkung der etwas vertretenden 
Fronte des Quersehides und der mit ihr zunächst verbundenen Theile auf- 
merksam zu machen. Es hat nämlich jenes brillante, so vielfach sich 
wiederholende System der Strebethürme und Strebebögen, welches den 
Oberbau des Chores (des bis jetzt allein vollendeten Bautheiles) nmgiebt, 
in gewissem Betracht den Anschein von Ueberladung; denn abgesehen 
davon, dass die Gliederung hier noch nicht die klare organische Entwicke- 
lung erreicht hat, welche an dem später begonnenen Thurmbau der West- 
seite erscheint, so hüllen diese mächtigen Formen den gesammten Oberbau 
auf eine Weise ein. schieben sie sich selbst auf eine Weise durcheinander, 
dass ein vollkommen klarer und beruhigender Eindruck eigentlich gar 
nicht zu erreichen ist, mag man einen Standpunkt für die Betrachtung des 
Chores wählen, welchen man wolle. An der Fronte des Querschides aber, 
die in grossartiger Ausbreitung aus der Langseite Vortritt, erscheint dies 
System der architektonischen Oornposition in freier und für das Auge 
durchaus unbehinderter Entwickelung, so dass wir hier den so nöthigen 
Buhepunkt finden, dass wir darin gewissermassen den Schlüssel für das 
Uebrige erhalten, und dessen Bedeutung mit ungleich grösserer Leichtig- 
keit und Sicherheit nachempfinden. Hier steigt über dem Portal der Gie- 
bel vom Oberbau des Qirerschitifes mit seinem grossen Fenster in majestä- 
tischer Ruhe empor, und unbchindert, durch nichts verdeckt, sehen wir in 
den Strebebögen den bewegten Druck seiner Gewölbe auf die Strebethürme 
zu den Seiten hinüberströmen. 
Es "ist; bekannt, dass für die Anordnung der Gicbelseiten des Quer- 
schiffes, wie auch für den Thurm über der Durchschneidung von Quer- 
schiff und Langschitl, kein Muster aus der alten Zeit des Baues vorliegt; 
es ist kein Biss dazu vorhanden, ja der Bau der Giebelseiten war so sehr 
gegen das Uebrige im Rückstande, dass selbst die Fundamente zum Theil 
 fehlten. (Auf der Südseite sind sie erst jetzt vollständig gelegt; auf der 
Nordseite vermuthet man, dass sie unter der später errichteten ehemali- 
gen Dompfarrkirche zum Pesch (in pasculo) vorhanden seien.) Aus diesem 
theilweisen und in der That sehr auffallenden Mangel des Fundamentes 
darf man vielleicht nicht mit Unrecht den Schluss ziehen, dass man über- 
haupt für die Einrichtung der Giebelseiten noch keinen bestimmten Plan 
vor sich hatte. Der Verfasser hat die letzteren nach demallgemeinen Prin- 
cip des 1331168 und nach dem Muster der Westfacade ergänzt. Dem Haupt- 
portal in der Mitte hat er, wie dort, zwei Portale zu den Seiten beige- 
fügt; doch hat er diese Einrichtung in dem vorliegenden Blatte (gegen 
seine frühere Restauration, in dem Längenaufriss des grossen Kupferwer- 
kes) in Sofern vortheilhaft verändert, als er die Fensteröünungen hinter 
den Giebeln der Seitenportale und die Giebel über diesen Fenstern fort-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.